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Kultur

"Der Name der Rose": Ecos brillanter Mönch ermittelt wieder im Kloster

Von Lukas Luger 23. Mai 2019 07:16 Uhr

"Der Name der Rose": Ecos brillanter Mönch ermittelt wieder im Kloster
John Turturro ist ab morgen auf Sky in "Der Name der Rose" zu sehen.

US-Star John Turturro wandelt in der Sky-Neuauflage auf den Spuren Sean Connerys.

Morgen startet auf dem Pay-TV-Sender Sky eine der spannendsten Serien-Produktionen des Jahres. In der achtteiligen Adaption von Umberto Ecos "Der Name der Rose" schlüpft Hollywood-Star John Turturro ("O Brother, Where Art Thou") in die Rolle des genialen Mönch-Detektivs, der Morde in einem Kloster aufklärt.

 

Als Sie für "Der Name der Rose" unterschrieben, hegten Sie da bereits eine langjährige Bewunderung für Umberto Eco, oder kamen Sie erst durch den Dreh mit seinen Büchern in Kontakt?

John Turturro: Ich kannte sein Werk und hatte auch einige Romane und Essays mit Genuss gelesen. Aber als ich für "Der Name der Rose" in die Vorbereitung für die Rolle eintauchte, erreichte meine Bewunderung für seinen Schreibstil, dessen Komplexität und Reichhaltigkeit, noch einmal völlig neue Höhen. Je mehr ich las, desto mehr Dinge entdeckte ich. Eco ist ein Meister darin, Themen aufeinanderzustapeln und Konzepte in den Plot zu weben, ohne das Lesevergnügen zu stören. Seine Bücher fühlen sich nie schwer an.

Wie schwierig war es, Ecos Witz, Sensibilität und historisches Wissen in eine Serie zu packen?

Es war zu Beginn eine echte Herausforderung. Ich arbeitete gemeinsam mit Regisseur Giacomo Battiato am Skript. Der Schlüssel war, Ecos Worten zu trauen. Alles Essenzielle steht im Buch. Mir war wichtig, dass auch die historischen und philosophischen Themenfelder erhalten blieben. Die Richtlinie war: Wenn es sich nicht nach Eco anfühlt, gehört es nicht ins Drehbuch. Das Skript ist stark und präzise. Einige Dinge musste für das Serienformat adaptiert werden, wir haben aber Ecos Text und Struktur stets beibehalten.

Im Buch ist William ein brillanter Mann der Wissenschaft. Welche Nuancen brachten Sie ein?

Ich wollte Williams Widersprüche sichtbar machen. Er ist Wissenschafter und ein Mann des Glaubens, er hat ein mathematisches Gehirn, aber ist auch Philosoph und ein Mann der Tat. Er ist ein komplexer Charakter.

Haben Sie Inspiration aus Sean Connerys damaliger Interpretation der Rolle bezogen?

Ich habe den Film von 1986 vorher nie gesehen – und habe es bis heute nicht. Ich liebe Sean Connery, aber ich musste eigene Erfahrungen mit Ecos Buch und dem Charakter sammeln. Ich wollte die Rolle basierend auf dem Roman erarbeiten und nicht auf dem Verständnis der Figur jemand anderes.

Wie charakterisieren Sie die Beziehung zwischen William und dem von Damian Hardung gespielten Novizen Adson? Ist William Lehrer, Vaterfigur oder doch der Sherlock zu dessen Watson?

Von allem ein bisschen. Er gibt definitiv einen Mentoren-Aspekt. Ihre Gespräche sind zentral für die Geschichte, da sie den Konflikt zwischen Rationalismus und Aberglaube beleuchten. William desillusioniert Adson regelmäßig, er zwingt ihn, die Dinge aus anderen Blinkwinkeln zu sehen und nicht alles sofort zu glauben. Die Arbeit mit Damian war eine echte Freude, er ist ein toller Schauspieler und harter Arbeiter. Wir verbrachten viel Zeit damit, unsere Szenen zu diskutieren. Er war für meine Ratschläge sehr offen, selbst bei emotionalen Szenen.

In Zeiten religiöser Kriege und die Kirche erschütternder Skandale scheint "Der Name der Rose" aktueller denn je. Welche Parallelen zur Jetztzeit waren für Sie besonders signifikant?

Das Buch ist in unserer modernen Welt extrem relevant. Die Politik versucht, den Zugang zur Bildung einzuschränken, Menschen über ihre eigene Agenda falsch zu informieren. Es herrscht Angst vor der Wissenschaft und Intellektuellen, ja sogar vor Frauen. Der Klimawandel ist nur ein weiteres Beispiel. Die Leute verdrehen Fakten, um ihr eigenes Narrativ zu stützen. William steht gegen all das. Viel hat sich nicht verändert. Skrupellose Anführer nutzen Doktrinen und Angst, um die Massen zu kontrollieren. Eco zertrümmerte unsere romantische Vorstellung des Mittelalters, er zeigte uns Korruption, Gier und falsche Propheten. Vieles davon ist heute sichtbar.

 

Hintergrund und Serien-Kritik

Das Buch: Im März 1978 begann Umberto Eco mit der Arbeit an seinem Romandebüt „Der Name der Rose“, das 1980 in Italien erschien. Die deutsche Ausgabe folgte zwei Jahre später. Das Mittelalter-Epos verkaufte sich mehr als 50 Millionen Mal.

Der Film: 1986 verfilmte Regisseur Jean-Jacques Annaud den Roman mit Sean Connery in der Hauptrolle. Der Film wurde trotz gemischter Kritiken und etlicher Änderungen im Vergleich zur Buchvorlage ein Welterfolg.

Die Serie: Die jetzt anlaufende Serienadaption erweckt Ecos schillernde Welt mit viel Liebe zum Detail zum Leben. Wo sich der Film auf die Mördersg’schicht konzentrierte, stellt die Serie Williams Ermittlungen in einen breiteren theologischen und geschichtlichen Kontext. Spannend bleibt’s aber trotzdem. Eine gekonnte Neuauflage!

OÖN-Bewertung: 5 von 6 Sterne

Artikel von

Lukas Luger

Redakteur Kultur

Lukas Luger
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