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Kultur

"Der Musik kann man sich einfach hingeben"

Von Nora Bruckmüller 12. Juli 2019 00:04 Uhr

Johanna Wokalek ist mit Thomas Hengelbrock verheiratet, bis 2018 Chefdirigent der Elbphilharmonie. Die Mutter eines Sohnes ist Berufspendlerin, denn ihre Wahlheimat ist Paris.

Johanna Wokalek eröffnet heute den Attergauer Kultursommer. Die OÖNachrichten haben sie vorab zum Interview getroffen.

Sie war Burgtheater-Star, im Kino die RAF-Terroristin Gudrun Ensslin und "Die Päpstin". Heute rezitiert die deutsche Darstellerin Johanna Wokalek (44) von ihr handverlesene Texte zu sakraler Chormusik in St. Georgen im Attergau.

OÖNachrichten: Welche Art von Texten wird heute zu hören sein?

Johanna Wokalek: Die Idee ist, dass es weltliche sind. Ich denke, dass das wichtig ist und für den Hörer erhellend sein kann, wenn gerade diese Art von Literatur auf sehr geistliche Chormusik folgt. Es werden u. a. Texte von Albert Einstein, Ingeborg Bachmann, Christine Lavant und Kurt Tucholsky sein. Ich habe eine große Freude daran, diese Kombination mitzugestalten.

Aber Sie kombinieren keine Texte aus Lust an deren Schönheit?

Ich wünsche mir ganz klar, dass es hier zu keiner Beliebigkeit kommt. Wenn ich Text und Musik kombiniere, gehe ich nie so vor, dass ich sage: Auf der einen Seite wird musiziert, auf der anderen habe ich hier einen Haufen Texte, und jetzt hätte ich einmal auf diesen Lust und jenen. Was sein kann, ist höchstens, dass ich statt eines Gedichts von Bachmann doch auf einen kurzen Prosatext von ihr zurückgreife. Das kann auch während des Konzerts passieren – das ist eine Frage des Atmosphärischen. Aber ich überlege mir vorher genau, wie ich den Abend in Hinblick auf die Musik bauen will.

Wie muss ein Text sein, dass er gut ist für das, was Sie vorhaben?

Es muss schon ein bestimmtes Gefühl da sein, ein im wahrsten Sinne des Wortes ansprechender Text. Doch manchmal braucht es das gar nicht zwingend, weil die Reibung zu einem vorangehenden Musikstück genauso wichtig sein kann. Ist sich beides zu ähnlich, besteht die Gefahr, dass es sich gegenseitig aufhebt oder schwächt. Auch wenn man sich auf der Bühne mit der Sprache den Musikern nähert, darf man sich nicht einem falschen Wohlgefühl hingeben, was ja die Musik gerade so stark erzeugt. Da muss man wachsam sein.

Gab es ein Erweckungserlebnis, das Ihnen die Kraft sakraler Musik vermittelt hat?

Ich hatte das Glück, immer von Musik umgeben zu sein. Mein Großvater spielte Klavier und Cello. Meine Mutter spielt noch immer Klavier. Ich habe das auch gelernt und es leider fast aufgegeben, weil die Schauspielerei sehr viel Zeit beansprucht. Aber ich merke, dass mich das als Kind so geprägt hat, dass ich die Musik und die Begegnung mit Musikern suche.

Das heißt, Sie werden stets neu begeistert?

Ja. Für mich gibt es dieses Erweckungserlebnis immer wieder. Wenn ein Konzert stark und gut ist, ist Musik das Unmittelbarste, was es für mich geben kann. Und ich denke, das gilt für Menschen im Allgemeinen. Weil sie direkt ins Herz treffen kann, ohne dass man vorher denken oder Anstrengungen auf sich nehmen müsste. Der Musik kann man sich einfach überlassen.

2015 haben Sie das Wiener Burgtheater verlassen. Wäre es für Sie vorstellbar, wieder an ein so großes Haus zurückzukehren, oder bevorzugen Sie die Freiheit des Freischaffenden?

Im Moment ist diese Freiheit für mich genau das Richtige. Was natürlich nicht heißt, dass das auf ewig so ist. Unser Leben ist momentan nur nicht so, dass ich auf lange Sicht planen kann und möchte. Es ändert sich alles immer wieder, und ich will dabei flexibel sein können. Aber ich würde niemals sagen, dass ich nie mehr fix in ein Ensemble zurückkehren möchte.

Artikel von

Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

Nora Bruckmüller
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