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Kultur

Der Mann, der einer verlorenen Kriegsgeneration eine Stimme gab

Von Lukas Luger  25. September 2020 00:04 Uhr

Der Mann, der einer verlorenen Kriegsgeneration eine Stimme gab
Erich Maria Remarque (1898–1970)

"Im Westen nichts Neues": Heute vor 50 Jahren starb Erich Maria Remarque, der Autor des Klassikers der Weltliteratur.

"Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde – auch wenn sie seinen Granaten entkam." Diese Sätze stehen Erich Maria Remarques 1929 erschienenem "Im Westen nichts Neues", dem bedeutendsten Roman über den Ersten Weltkrieg, voran. Heute vor 50 Jahren starb der am 22. Juni 1898 in Osnabrück als Erich Paul Remark geborene Autor im Alter von 72 Jahren.

Die Grauen der Schlachtfelder und Schützengräben, die Verzweiflung, die Desillusionierung – schonungslos nüchtern beschrieb Remarque, der Ende Juli 1917 im "Großen Krieg" selbst schwer verwundet wurde, die Erlebnisse des jungen Rekruten Paul Bäumer an der Westfront. Bei Veröffentlichung ging ein Aufschrei durch die Weimarer Republik. Die Nazis sahen das Andenken der "tapferen deutschen Soldaten" beschmutzt, die Linke kritisierte den pazifistischen Grundton und das Fehlen einer Darstellung der Kriegsgründe.

20 Millionen verkaufte Exemplare

Beim Publikum traf "Im Westen nichts Neues" hingegen einen Nerv. Mit 1,2 Millionen verkauften Exemplaren bis Jänner 1930 avancierte der Roman zum bis dahin größten Erfolg der deutschen Literaturgeschichte. Im selben Jahr verfilmte Hollywood das Buch. Bis heute verkaufte sich der Klassiker der Weltliteratur mehr als 20 Millionen Mal.

1932 flüchtete Remarque vor den Repressalien der Nazis, die "Im Westen nichts Neues" sowie den Nachfolger "Der Weg zurück" öffentlich verbrannten und ihn als Lügner, der in Wahrheit nie am Krieg teilgenommen habe, ächteten, in die Schweiz. Später emigrierte er weiter in die USA. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er abwechselnd in New York und der Schweiz, 1948 nahm er die US-Staatsbürgerschaft an.

An den Sensationserfolg seines Erstlings konnte Remarque mit seinen späteren Romanen nicht anschließen. Werke wie "Drei Kameraden" (1938), "Arc de Triomphe" (1946) oder "Die Nacht von Lissabon" (1962) zementierten aber seinen Ruf als präziser Beobachter seiner Zeit sowie als humanistische Stimme. Schlagzeilen machte der lebensfrohe Bohemien auch mit seinen Affären, etwa mit Marlene Dietrich und Greta Garbo. 1958 heiratete Remarque die Schauspielerin Paulette Goddard, die Ex-Frau von Charlie Chaplin, mit der er bis zu seinem Tod liiert blieb. Sein Grabmal liegt in der Ortschaft Ronco sopra Ascona im Kanton Tessin.

Tipp: Zum 100. Jahrestag des Kriegsbeginns 1914 veröffentlichte Kiepenheuer & Witsch eine exzellent editierte Neuausgabe von "Im Westen nichts Neues". Inklusive Materialiensammlung sowie eines Nachworts des Remarque-Experten Thomas F. Schneider

Artikel von

Lukas Luger

Redakteur Kultur

Lukas Luger
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