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Kultur

Der "Hollywood-Indianer" wird 75

Von Peter Pohn  27. November 2020 00:04 Uhr

Der "Hollywood-Indianer" wird 75
Der gebürtige Innviertler liebt die indianische Kultur.

Als Hälfte von Waterloo & Robinson feierte Hans Kreuzmayr in den 70ern große Erfolge. Im Geburtstagsinterview blickt der Sänger auf sein Leben und seine Karriere zurück.

Am 27. November feiert der aus Altheim (Bez. Braunau) stammende Sänger Hans Kreuzmayr, alias Waterloo, seinen 75. Geburtstag. Einst bildete Hansi, wie ihn seine Freunde noch immer nennen, mit Sepp Krassnitzer das Pop-Duo "Waterloo & Robinson". "Hollywood" wurde 1974 ein Welthit und das Duo erreichte beim Song Contest 1976 mit "My little World" den 5. Platz für Österreich. Im "per Du"-Geburtstagsinterview (per Sie mit jemandem zu sein, mag Hansi nicht), blickt der Sänger auf sein Leben und seine Karriere zurück.   

Podcast: Waterloo im Geburtstagsinterview

OÖNachrichten: Lieber Hansi, neben Deinem 75. Geburtstag feierst Du heuer auch Dein 50. Bühnenjubiläum. Man sagt, für Dich wäre keine Bühne zu klein und keine Location zu groß, stimmt das?  

Hans "Waterloo" Kreuzmayr: Auf jeden Fall. Ich spiele noch immer bis zu 100 Konzerte im Jahr. Es ist mir dabei egal, ob ich im Konzertsaal oder im Gasthaus bei einer Geburtstagsfeier auftrete. Heuer habe ich zum Beispiel ein ganz kleines Privat-Konzert in einem Schloss in Baden bei Wien gespielt. Geladen waren 50 Menschen aus der Mongolei, Amerika, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Schlossherr war so begeistert, dass er mich für sein nächstes Fest wieder engagieren will. Für meine Fans gebe ich immer alles. 

Du strotzt vor Energie und Tatendrang, die beiden Corona-Lockdowns sind scheinbar spurlos an Dir vorübergegangen, oder?

Absolut. Mit meiner Einstellung, immer positiv nach vorne zu schauen,  komme ich bestens durch die Corona-Zeit. Mit Krisen habe ich außerdem Erfahrung. Als unmittelbares Nachkriegskind wuchs ich in ärmsten Verhältnissen auf. Das kommt mir jetzt zugute, denn wer Not erlebt hat und das nicht vergisst, meistert jedes Problem.  

Welche Beziehung hast Du heute noch zu Deinem Geburtsort Altheim?

Eine sehr gute. Es leben ja noch einige Familienmitglieder dort. Und zwar Cousinen und ein Onkel. Leider verstarb heuer meine Mutter knapp vor ihrem 95. Geburtstag. Gerne habe ich als Bub in der Ach gefischt oder mit den Nachbarkindern gespielt. Zuhause wurde viel musiziert. Ich kann also sagen, dass meine musikalische Karriere in Altheim begann. 

Wen würdest Du als wichtigsten Lehrmeister bezeichnen? 

Zweifelsohne meinen Vater. Er war ein harter Arbeiter am Hochofen in der VÖEST. Diese Arbeit schwächte sein Herz und seine Lunge, er wurde deshalb nicht sehr alt, bekam aber noch mit, dass ich mir als Musiker eine Existenz aufbauen konnte und war deshalb sehr stolz auf mich.  Noch bevor sich mein großer Erfolg eingestellt hat, mahnte er mich, doch auch einen bürgerlichen Beruf zu ergreifen.  

Dem Rat Deines Vaters bist Du ja auch brav gefolgt.  

Ja, ich wurde Tischler und später Kaufmann. 1969 eröffnete ich in Urfahr die Damenboutique "Eclisse". Auf der Suche nach Mitarbeitern für mein Geschäft lernte ich Sepp Krassnitzer kennen. Sepp half mir bei der Dekoration der Auslage. Zu diesem Zeitpunkt absolvierte er gerade eine Grafiker-Ausbildung und war genauso wie ich ein begeisterter Musiker. Wir beschlossen ein paar Songs auszuprobieren und gründeten "Waterloo & Robinson". 

Bildergalerie: Hans Kreuzmayr - der "Hollywood-Indianer" wird 75.

Der "Hollywood-Indianer" wird 75

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Stellte sich der Erfolg als Musiker sofort ein?

Nein, es dauerte rund ein Jahr, bis wir auf Ö3 gespielt wurden. Die damalige Moderatorin Evamaria Kaiser, die anfangs der 70er Jahre österreichische Musiker förderte, lehnte uns zuerst ab. Sie meinte, wir sollten erstmals singen lernen. 1971 folgte aber dann der Durchbruch: Mit „Du kannst sehen“.  Mitdiesem Song über ein blindes Mädchen, gelang der erste Hit in Österreich. Daraufhin hat uns Evamaria Kaiser in ihre Talente-Sendung „Show-Chance“ eingeladen. Mit „Du kannst sehen“ haben wir den dritten Platz belegt und wurden somit zu Mitbegründern des sogenannten "Austropop".

"Hollywood" wurde kurz darauf bereits ein Welthit. Wie kam es dazu? 

Mit „Baby Blue“ landeten wir 1973 schon einen Europa-Hit. 1974 kontaktierte uns Christian Kolonovits, der genauso wie wir am Anfang seiner Karriere stand. Später wurde er ja zum „Haus- und Hof“-Produzenten der österreichischen Musikszene. In seiner damals karg eingerichteten Wohnung besprachen wir auf einer Bettmatratze das Konzept von „Hollywood“. Ich ging immer gerne ins Kino, was ich Christian erzählte. Er schrieb alles auf, setzte sich ans Klavier und innerhalb weniger Stunden war das Lied fertig. In 80 Ländern wurden über 11 Millionen Singles verkauft.    

1976 folgte dann beim Song Contest in Den Haag der erste große internationale Showauftritt. Warst Du nervös?   

Überhaupt nicht. Ich ging die Sache eher locker an. Kurz bevor wir auf die Bühne gingen, spielten wir noch eine Runde Tischfußball. Der Auftritt verlief dann perfekt. 

Neben Eurem Lied "My little World" ist vor allem Deine damalige Kleidung in Erinnerung geblieben.

Das stimmt. Ich ließ mir von meiner Schwester, die auch in meiner Boutique arbeitete, aus ein paar Jeans einen Mantel schneidern. Damals kam mein Jeans-Mantel sehr originell rüber und ich freue mich noch heute, dass ich diese Idee hatte.  

"My little World" ist ja im Laufe der Zeit zu Deiner Lebensphilosophie geworden.

Ja, der Song enthält eine wichtige Botschaft. Als Familienmensch muss ich sagen, dass man zuerst darauf schauen soll, seine „eigene kleine Welt“ in Ordnung zu bringen, das habe ich geschafft. Es ist schrecklich, wie viel in den eigenen vier Wänden gestritten wird, wo auch Morde begangen werden. Das geht nicht, das tut man einfach nicht. 

Nach dem Song Contest hattet ihr zahlreiche internationale Show-Auftritte und in Österreich sogar bessere Verkaufszahlen als die Beatles. War es schwierig, mit dem Erfolg klarzukommen? 

Für mich war das kein Problem. Ich brauchte keine Berater oder gar einen Psychologen, als unsere Karriere immer erfolgreicher wurde, da ich immer ein selbstreflektierter Mensch war. Besonders im Erfolg soll man sich stets selber hinterfragen, ob man hinter dem was man macht, auch wirklich steht. Nur wenn es vom Herzen kommt, ist es richtig. Vor allem Nachwuchskünstler sollten daher produzieren was ihnen gefällt und nicht was der Markt von ihnen gerade verlangt. 

Warum kam es trotz des großen Erfolgs 1981 zur Trennung von "Waterloo & Robinson"? 

In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre waren wir Dauergäste in den großen Fernseh-Abendshows von Peter Frankenfeld, Vico Torriani, Lou van Burg oder Hans Rosenthal. Besonders aber Dieter Thomas Heck, der ZDF-Hitparaden-Kultmoderator, hat uns immer wieder eingeladen. Für den deutschen Markt mussten wir in deutscher Sprache singen, was dazu führte, dass es in Österreich nicht mehr ganz so gut lief. Hauptsächlich aber hatte Robinson keine Lust mehr weiterzumachen. Unsere Versuche, im Stile der österreichischen Singer-/Songwriter Erfolge einzufahren, scheiterten. 

Während es um Robinson ruhiger wurde, konntest Du als Solo-Sänger gleich wieder durchstarten. Wie erklärst Du Dir den anhaltenden Erfolg?

Ich habe immer weitergemacht, ohne mich beirren zu lassen. Wenn mich jemand „übers Hax´l gehaut hat“, was leider auch vorkam, habe ich mir wieder andere Leute gesucht. Damals traf ich ein weiteres Mal auf Christian Kolonovits, der mich als Produzent mit dem Vangelis-Cover „Im Land das Ewigkeit heißt“ wieder in die Erfolgsspur hievte. In den 1980er und 1990er Jahren trat ich vermehrt auch hinter dem Eisernen Vorhang auf und spielte in der DDR sogar mit Big Band. In Deutschland erhielt ich als erster Österreicher eine Auszeichnung als bester deutscher Sänger.

Apropos Auszeichnungen: Anerkennung ist ja mittlerweile auch aus der Politik gekommen. 2018 bist Du von Landeshauptmann Thomas Stelzer mit der Kulturmedaille des Landes Oberösterreich ausgezeichnet worden.

Ja, die Auszeichnung des Landes Oberösterreich macht mir große Freude. Viel wichtiger sind mir aber Publikumspreise. Ich habe ja bereits 2008 Platz 4 bei Dancing Stars erreicht. Diesen Erfolg hatte ich fast ausschließlich dem Publikums-Voting zu verdanken.

Privat steht meine Familie voll hinter mir, besonders meine liebe Gattin Andrea, was für mich die größte Auszeichnung ist. Geheiratet haben wir auf indianisch, das schweißt besonders zusammen.  

Du hast Andrea ja auch als Indianer kennengelernt, als 1999 bei den Karl-May-Festspielen im niederösterreichischen Ort Winzendorf aus Waterloo "Winnetou" wurde. Wie entstand Deine Affinität zur indianischen Kultur?

Anfang der 1990er Jahre hat mir ein Musikproduzent die Gelegenheit gegeben, einige Monate in einem Indianer-Reservat in Nordamerika zu verbringen. Er hat mit mir dort auch gleich einige indianische Songs aufgenommen. Neben den musikalischen Inspirationen hat sich durch meine Erlebnisse bei den Indianern auch meine Liebe zur Natur verstärkt. Aber auch der Kontinent Afrika hat es mir angetan. Meinen aktuellen Wohnort in Mörbisch am See nenne ich deshalb gerne „Little Africa“. Hier lebe ich gemeinsam mit Andrea in unserer „eigenen kleinen Welt“.

Wirst Du hier auch Deinen 75. Geburtstag feiern?  

Ja, ich feiere im familiären Kreis mit meiner Frau und den Kindern im neuen Haus, das wir 2018 bezogen haben.  

Zurück zur Musik. Kann es jemals wieder zu einem Comeback von "Waterloo & Robinson" kommen?

Nein, das schließe ich aus. Ich nehme aber an, dass mich Sepp zum Geburtstag anrufen wird. Es ist immer so: Wenn einer von uns Geburtstag hat, rufen wir uns gegenseitig an. Ich bin ihm dankbar dafür, was er damals für „Waterloo & Robinson geleistet hat. Wenn sich bis heute noch Menschen aus aller Welt melden, die sich an „Hollywood“ oder „My Little World“ erinnern können, ist das auch Sepps Verdienst. 

Wie lange möchtest Du noch auf der Bühne stehen?  

Mit Sicherheit werde ich solange auf der Bühne stehen und neue Lieder produzieren, solange ich lebe. 

Zur Person: Hans "Waterloo" Kreuzmayr, geboren am 27. November 1945 in Altheim (Bez. Braunau),  startete von Linz aus seine Weltkarriere als Sänger. Gemeinsam mit Sepp Krassnitzer, alias Robinson, gründete er 1969 das Gesangs-Duo "Waterloo & Robinson". Ihr Hit "Hollywood" wurde in 80 Ländern über 11 Millionen Mal verkauft. Mit "My little World" erreichten sie den 5. Platz beim Song Contest. Für das gleichnamige Album erhielten sie die diamantene Schallplatte (500.000 Einheiten wurden verkauft). 1981 trennte sich das Erfolgs-Duo. Hans "Waterloo" Kreuzmayr feierte ein Comeback und landete mit "Im Land das Ewigkeit heißt", "Impossible Dream" und "Freiheit" noch weitere Hits. Mit "Alles Leben dieser Erde" kam 2019 sein 35. Studioalbum auf den Markt.  

Artikel von

Peter Pohn

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