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Kultur

Der Filmstar, der Barrieren des Rassismus niederriss

Von Nora Bruckmüller  08. Januar 2022 00:04 Uhr

Der Filmstar, der Barrieren des Rassismus niederriss
Poitier 2002 mit dem Ehren-Oscar für sein Lebenswerk

Hollywood-Ikone Sidney Poitier starb vorgestern mit 94 Jahren.

Sidney Poitiers Leben, das am Donnerstag endete, hatte in Miami am 20. Februar 1927 zu früh begonnen.

Seine Mutter Evelyn hatte die spätere Hollywood-Legende zwei Monate vor dem errechneten Termin auf die Welt gebracht.

Was man Frühgeborenen zuschreibt, ist ein besonderer Wille, zu kämpfen. Poitier legte diesen zähen Wesenszug stets zutage. Auch weil er musste. Er wuchs auf Cat Island auf den Bahamas in Armut auf, seine Eltern waren Farmer und fuhren Taxi. Mit 15 schickten sie Sidney wieder nach Miami, zu seinem Bruder.

Der Weg zum ersten afroamerikanischen Oscar-Sieger in der Kategorie Hauptdarsteller – 1964 als schwarzer Arbeiter auf einer Farm weißer Nonnen in "Lilien auf dem Felde" – sollte ein harter werden. Der elterliche Plan, ihren Sohn sicher zu wissen, scheiterte. Dieser wollte in New York sein Glück versuchen und schlief obdachlos an einer Bushaltestelle oder je nach Quelle sogar im dortigen WC-Häuschen. Der Rassismus, den er von seiner fast ausschließlich schwarz bevölkerten Heimat nicht kannte, erschütterte ihn zutiefst. Das erste Vorsprechen scheiterte.

Der Filmstar, der Barrieren des Rassismus niederriss
In "Lilien auf dem Felde" (1964)

Sein Wille schaltete sich ein. Und es schien, als wolle Poitier all das Schlechte, das ihm widerfuhr, packen und in Gold verwandeln. Er trainierte sich seinen Dialekt ab, übte, probte, schaffte es an den Broadway und beschwor seinen Wendepunkt herauf. Ein Agent sah ihn. Und er wurde für eine Hauptrolle in der Regie von Joseph Mankiewicz ("Citizen Kane") engagiert: "Der Hass ist blind" (1950). Mit starker körperlicher Präsenz und feinem Geist leistete er seinen Beitrag in einem Oscar-nominierten Film, der typisch für Poitier ist. Seine Inhaltsangabe beginnt mit der Etikettierung als "afroamerikanischer Mann". Ihr folgt ein Konflikt, der aus der Gegensätzlichkeit zu "den Weißen" resultiert.

In "Der Hass ist blind" gibt er einen Arzt, der rassistische Brüder behandeln soll. In "Flucht in Ketten" (1958) ist er als schwarzer Häftling an einen weißen (Tony Curtis) gekettet. In "Rat mal, wer zum Essen kommt?" (1967) ist er der schwarze Verlobte, der es mit "Vater" Spencer Tracy aufnimmt. "In der Hitze der Nacht" (1967) wird er als Beamter gebeten, den Mord in einer rassistischen Umgebung zu klären.

Der Filmstar, der Barrieren des Rassismus niederriss
"Rat mal, wer zum Essen kommt?"

Mit Charakteren, deren Grundmotivation sich allein aus einer Kluft ergibt, würden sich heutige Stars längst nicht zufriedengeben. Dass sie das können, verdanken sie Poitier: Er riss die Barrieren nieder. Der Vater von sechs Töchtern zwischen 48 und 69 schrieb somit Filmgeschichte und gestaltete ein wesentliches Kapitel der Gleichstellung.

Artikel von

Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

Nora Bruckmüller

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