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Kultur

"Das ist Verrat an der Filmkunst"

Von Nora Bruckmüller  07. Oktober 2019 07:47 Uhr

"Das ist Verrat an der Filmkunst"
Robert De Niro (r.) in "Irishman"

Scorseses "Irishman" gilt als der Höhepunkt des Filmjahres. Finanziert hat die Arbeit Netflix, das mit seiner Verleihstrategie heimische Kinos ausbootet.

Am 15. November soll der Film ins Kino kommen, der für Publikum und Branche als der Höhepunkt der Saison gilt und somit wohl im Oscar-Rennen mitmischen wird: "Irishman" von Martin Scorsese – ein Mafia-Epos, ersten Kritiken nach gar besser als "Good Fellas" (1990). "Irishman" ist eine Produktion des US-Streaming-Diensts Netflix, der fünf Filme bei uns auf die Leinwand bringen will (siehe unten).

Wenn die Zusammenarbeit zwischen Netflix und den heimischen Kinos dabei aber so läuft wie beim ersten, folgt nur eine weitere Lektion darin, wie Netflix weder filmischer Kultur noch nationalen Kinomärkten und -sehern dient, sondern bloß seinen werbe- und gewinnorientierten Strategien.

Denn der besagte Film, das Panama-Papers-Drama "The Laundromat" mit Meryl Streep, läuft bereits. Aber nur in einem von 25 Kinos in Oberösterreich, dem Moviemento Linz, bis gestern drei Mal. Dabei wird es wohl auch bleiben.

Normalerweise würde ein Film dieser Güte in fast allen Häusern mehrere Wochen lang projiziert. Die OÖN fragten trotzdem um eine Pressevorstellung an, Netflix verweigerte. Dass "Irishman" das gleiche Schicksal erfahren könnte – einen Filmstart quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit –, bereitet Moviemento-Chef Wolfgang Steininger keine Freude. "Ein derart epochales Werk nur halbherzig ins Kino zu bringen, ist Verrat an der Filmkunst", sagt er.

"Netflix verfolgt bei regulär angebotenen Kinospielfilmen eine fragwürdige Strategie, die wir sehr kritisch betrachten. Sie zielt aus unserer Sicht nur darauf ab, Kinoabspielstätten zu finden, damit Netflix-Filme auch auf Festivals gezeigt werden können, um damit eigene Marketing-Pläne zu verfolgen", sagt Mario Hueber, Chef des Megaplex Pasching. Ein Spiel, das Kinos zu Werbestätten mit vorgegebenen Zeitfenstern (maximal zwei Wochen) für darauf folgende Starts auf Netflix und zu Türöffnern in den Filmkultur-Zirkus macht. Ohne US-Start kann auch kein Film ins Oscar-Rennen geschickt werden. Hueber hat das Angebot, "Irishman" zu zeigen, abgelehnt: "Einen Spielfilm ins Kino zu werfen, damit er dort auch einmal war, geht für uns in die falsche Richtung. Es gehört viel mehr dazu." Trotz mehrerer Versuche der OÖN hat Netflix auf Anfragen zum Thema nicht reagiert.

Netflix-Filme für das Kino

The Laundromat: bereits gelaufen, ab 18. 10. auf Netflix

The King: Shakespeare-Drama mit Robert Pattinson, Kino: ab 18. 10., Netflix: 1. 11.

The Irishman: mehr im Text, Kino: 15. 11., Netflix: 27. 11.

Marriage Story mit Scarlett Johansson, Adam Driver, Kino: 22. 11., Netflix: 6. 12.

Die zwei Päpste: mit A. Hopkins, Kino: 6. 12., Netflix: 20. 12.

 

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