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Kultur

"Das geht auf meine Kappe, Stelzer muss es ausbaden"

Von Peter Grubmüller  16. August 2019 00:04 Uhr

"Das geht auf meine Kappe, Stelzer muss es ausbaden"
Josef Pühringer (r.) stellt sich vor seinen Nachfolger Thomas Stelzer.

Kulturförderung: Ex-Landeshauptmann Pühringer über seine Verantwortung bei den 1,8 Millionen Euro für die KTM-Motohall.

"Ja, diesen Regierungsbeschluss gibt es aus meiner Zeit – ich weiß nur nicht genau, in welchem Jahr er war", sagt Josef Pühringer (ÖVP) im Gespräch mit den OÖN. Der bis April 2017 amtierende Landeshauptmann meint damit die Zusage der Förderung von 1,8 Millionen Euro für die KTM-Motohall in Mattighofen aus dem Kulturbudget des Landes, die in drei Etappen ausbezahlt wird. Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) hatte die Kulturförderung an KTM mit dem Beschluss aus Pühringers Zeiten begründet. Pühringer: "Ja, das geht auf meine Kappe – und Stelzer muss es ausbaden."

Wie die OÖN berichteten, stieß diese bisher 2018 und 2019 schlagende Kultur-Subvention für das Erfolgsunternehmen KTM auf breiten Protest. Der Erklärung aus Stelzers Büro, wonach der OÖ. Museumsverbund die Förderung für die KTM-Motohall befürwortet hatte, widersprach allerdings dessen Präsident Roman Sandgruber: "Eine Bewertung des KTM-Projekts hat es von uns nie und nimmer gegeben." Das sei nicht relevant, sagt Pühringer, die Landeskulturdirektion habe das sicher geprüft und die Unterlagen dem Landeshauptmann so vorgelegt.

Das Projekt sei damals von der Gemeinde Mattighofen sehr gewünscht worden, sagt Pühringer weiter – "und den Mammutanteil (Motohall-Gesamtkosten: 35 Millionen Euro) an diesem Museum – oder wie man es nennen mag – trägt ohnehin das Unternehmen. Insofern war diese Investition für die öffentliche Hand sogar günstig, weil KTM die Erhaltungskosten trägt."

Hätte KTM-Chef Stefan Pierer "nicht zufällig eine Spende an die ÖVP geleistet (2017: knapp 500.000 Euro, Anm.), wäre das jetzt gar nicht Thema geworden", sagt Pühringer, der obendrein ergänzt: "Und ja, es ist Geschmacksache, ob dieses Geld aus der Kultur-, aus dem Tourismus- oder aus der Wirtschaftsförderung kommt, aber in der Kultur bekäme keiner einen Euro mehr, würde KTM das Geld nicht kriegen."

Video: Das sagt Kulturchef Peter Grubmüller zur Causa KTM

Bei den OÖN meldeten sich etliche Kulturvereine, Kulturschaffende und Künstler zum Thema zu Wort. Eine Auswahl lesen Sie hier:

"Das geht auf meine Kappe, Stelzer muss es ausbaden"

Reinhard Kannonier, Rektor der Linzer Kunstuniversität

Es ist im Zusammenhang mit der Förderung der Motohall aus dem Kulturbudget viel von „schiefer Optik“ die Rede. Wenn es nur das wäre! Leider ist sie ein ziemlich unverfrorenes Symptom für einen Paradigmenwechsel in der Politik, der sich schon seit einiger Zeit abzeichnete: Die Geringschätzung insbesondere zeitgenössischer, scheinbar nicht zu Repräsentationszwecken brauchbarer kultureller Arbeit geht einher mit der Kurzatmigkeit börsengetriebener Quartalsberichte. An solchem Asthma drohen die zarten Pflanzen kleiner Kulturinitiativen zu ersticken. Das ist - gerade auch unter dem Blickwinkel einer gegenseitig befruchtenden Wertschätzung von Kultur und Industrie – schlicht unverantwortlich.

 

"Das geht auf meine Kappe, Stelzer muss es ausbaden"

Wolfgang Steininger, Chef des Heimatfilmfestivals in Freistadt

Nächsten Mittwoch startet bei uns in Freistadt zum 32. Mal das Festival ,Der Neue Heimatfilm’. Das sogenannte Kulturland OÖ hat es nun endlich geschafft, bei der Förderhöhe hinter die Stadt Freistadt zurückzufallen. Unserem Foyer fehlt wahrscheinlich der nötige KTM-Glitzer.

 

"Das geht auf meine Kappe, Stelzer muss es ausbaden"

Alois Lindenbauer, Bildhauer aus Weyer

Diese Art der ,Kulturförderung’ ist schlicht abstoßend und reiht sich an ähnlich gelagerte Widerwärtigkeiten in jüngster Vergangenheit. Das ist Erosion für Kultur und Gesellschaft.

 

"Das geht auf meine Kappe, Stelzer muss es ausbaden"

Elisa Andessner, bildende Künstlerin

Die Förderung von KTM aus dem Kulturbudget ist ein Affront für uns Künstlerinnen und Künstler. Während wir uns mit viel Einsatz um internationalen Austausch bemühen, dafür aber meist nur Kleinstbeträge erhalten und uns oft nicht sicher sein können, ob wir uns das jeweilige Projekt tatsächlich leisten können, fließt das Geld offensichtlich zu Konzernen. Das rückt Oberösterreich auch weit über die Landesgrenzen hinaus in ein sehr fragwürdiges Licht.

 

"Das geht auf meine Kappe, Stelzer muss es ausbaden"

Paul Zauner, Organisator des INNtöne Jazzfestivals in Diersbach

Grundsätzlich ist es die kaufmännische Pflicht  von KTM, alle möglichen Förderprogramme auszuschöpfen. Ein Ansuchen beim Land OÖ ist sicher eines von vielen Projekten und Ansuchen regional und EU-weit dieser Weltfirma. Die bürokratischen Möglichkeiten dies auszuführen, sind im Gegensatz zu kleinen und mittleren Kulturvereinen größer, denen der bürokratische Aufwand und das damit vorhandene Durchführungsrisiko zu hoch ist. Ich denke nicht, dass sich KTM-Chef Stfan Pierer darüber den Kopf zerbrochen hat.  Ein solches Ansuchen war sicher eine bürokratische Alltäglichkeit. KTM versucht Weltmarktführer zu werden, und dahin geht die ganze Energie.  Das Land OÖ kommt einem so wichtigen Steuerzahler und Arbeitgeber auch sicher gerne entgegen. Das Land OÖ ist für kleine Kulturvereine erster und wichtigster Ansprechpartner, und da hatte Alt LH Dr. Josef Pühringer ein goldenes Händchen. Das soll auch von seinen Nachfolgern so weitergeführt werden.

Vielleicht registriert auch KTM-Chef Stefan Pierer durch die Diskussion, dass man nicht nur durch Benzingeruch Weltmarktführer wird, sondern dass vielleicht auch ein ordentliches Kulturengagement  bei international vernetzen Festivals wie dem NYC -Jazzmarathon oder dem INNtöne Jazzfestival die Glaubwürdigkeit und die emotionelle Widerstandsfähigkeit von KTM steigert.  HP Haselsteiner von der STRABAG hat es in Tirol bereits vorgemacht.

 

"Das geht auf meine Kappe, Stelzer muss es ausbaden"

Hermann Schneider, Intendant des Landestheaters

Grundsätzlich kann und soll die öffentliche Hand eine Art technisches Museum fördern, aber dann muss dieses Museum auch diesen Namen verdienen. In Zeiten kultureller Sparzwänge ist es aber grotesk und ethisch nicht vertretbar, wenn einem Wirtschaftsbetrieb Millionen aus dem Kulturtopf zukommen, sofern es von diesem Unternehmen keinen Rückfluss an die Kultur gibt. Eigentum verpflichtet!

 

"Das geht auf meine Kappe, Stelzer muss es ausbaden"

Daniela Pühringer, Obfrau Kulturverein Raml Wirt/Neumarkt i. M.

Ich bin wirklich erstaunt darüber, wie Kultur-Fördergelder in Oberösterreich vergeben werden. Es ist doch wirklich nicht nachvollziehbar, dass auf der einen Seite regionalen Kulturinitiativen und zeitgenössischer Kultur seit Jahren die Mittel gekürzt werden. Gleichzeitig wird aber eine Markenwelt, in diesem Fall von einem wirtschaftlich höchst erfolgreichen Unternehmen, mit so einer hohen Summe unterstützt wird. Diese Markenwelt ist eine Marketingaktivität, die als Investition in die Marke dieses Unternehmens geplant und umgesetzt wurde. Woher hier die Annahme kommt, dass dies eine Kulturförderung der öffentlichen Hand bedarf, ist mir wirklich unverständlich. Ich bin Obfrau eines Kulturvereins im Mühlviertel, der seit mehr als 25 Jahren bemüht ist Kultur auch in der ländlichen Region zu verankern, den Menschen hier ein leistbares kulturelles Angebot zu bieten und auch die Region zu stärken. Wir arbeiten ehrenamtlich, das heißt, wir machen dies in unserer Freizeit und verdienen damit kein Geld. Wir warten heuer noch immer auf eine Information, ob wir eine Förderung bekommen. Der Antrag wurde im Frühjahr fristgerecht eingereicht, aber anscheinend noch nicht bearbeitet. Wir verfügen aber über keine finanziellen Mittel um ein kulturelles Programm vorzufinanzieren. Wir können in diesem Fall weniger veranstalten bzw. müssen Veranstaltungen absagen. Wir können auch nicht mehr langfristig planen, weil wir keine Planungssicherheit haben. Und  was bleibt dann, wir müssen uns auf die Suche nach Sponsoren machen - nach Unternehmen die bereit sind Kultur zu unterstützen. Welche Krux!

 

"Das geht auf meine Kappe, Stelzer muss es ausbaden"

Harald Gebhartl, künstlerischer Leiter des Theaters Phönix Linz

Wirtschaftsbetriebe, die bis zu 100 Millionen Euro Gewinn machen, haben nichts aus dem Topf der Kulturfinanzmittel des Landes zu kriegen! Gerade nicht für Kundenzentren, die ausschließlich dem Firmenmarketing und der Kundenbetreuung dienen, wie eine „Motohall“ und ein „Brotmuseum“! Nichts!

Wegen angeblich fehlender Finanzmittel des Landes, Subventionen an die Non-Profit-Kulturszene empfindlich zu kürzen, Zuschüsse an Kulturvereine abzuziehen und diese in Konkurse und zu Krediten zu zwingen UND DAGEGEN die superreichen, internationalen, äußerst profitablen Betriebe fürstlich zu entlohnen … ist primitiv, höchst zynisch und ein „Armutszeugnis für das Land OÖ“! Darüber hinaus ist das eine unverhältnismäßige, unglaubliche Frechheit!

Das skizziert ein Sittenbild unserer Gesellschaft und zeigt, was man gemeinhin von Kultur und Kunst in politischen Kreisen versteht oder damit anzufangen weiß! Im Gegenteil ist die Politik absolut verpflichtet, unser Steuergeld wohlwollend, sorgfältig, aber großzügig und freigiebig zugunsten der Kultur- und Kunstbetriebe zu  v e r w a l t e n !

 

"Das geht auf meine Kappe, Stelzer muss es ausbaden"

Karin Fleischanderl, Initiatorin der Steyrer Literaturtage und ehemalige Jurorin des Bachmann-Preises

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann! Als ein herzliches Dankeschön für die hervorragende Unterstützung und Förderung der Kunst-und Kulturprojekte durch die Landesregierung überweisen die oberösterreichischen Künstler gern einen Gutteil ihres Kulturbudgets an KTM, bekannterweise eines der aktivsten Kulturinstitute des Landes.

 

Peter Androsch, Komponist

Die  "Bau-Beton-Welt" und das „Aviation-Center" - diese richtungsweisenden Schwerpunkte in der (noch geheimen) Zukunftsstrategie des Landes erfordern ein Sparen am richtigen Ort. Um den dafür dringend nötigen Spielraum sicherstellen zu können, ist der Reformdruck bei den ineffizienten Groschenförderungen der umsatz- und lobbyarmen Kulturvereine besonders hoch. Die Kulturwirtschaft hat Zukunft. 

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