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Kultur

Das Fernsehen, ein Wahlkampf

Von Helmut Atteneder 22. August 2019 00:04 Uhr

Ein Bild aus alten Tagen: Die Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Christian Kern (SPÖ) beim Wahlduell am 8. Oktober 2017 auf Puls 4

Die Nationalratswahl im TV: Noch nie zuvor gab es so viele Duelle, Elefantenrunden und neue Formate. Ein hilfreicher Guide für den persönlichen Wahlkampf im TV

Wenn Sommergespräche nahtlos in die Wahlkampf-Berichterstattung übergehen, dann ist Nationalratswahl. Das wahlberechtigte Österreich wählt am 29. September einen neuen Nationalrat, und es ist, sofern interessiert, diesmal so gut und umfassend von TV- (und natürlich Print-)Medien über Standpunkte und Haltungen informiert wie nie zuvor.
Noch bevor die ORF-Sommergespräche am 2. September (Sebastian Kurz, ÖVP) zu Ende gehen, starten die Privatsender mit ihren Formaten den Fernsehwahlkampf.

Bereits heute ist Beate Meinl-Reisinger (Neos) beim Talk im Hangar-7 bei Michael Fleischhacker zu Gast – ebenso wie drei Bürger, die der Kandidatin Fragen stellen werden. Zu sehen auf Servus TV. Die Kollegen von Puls 4 steigen morgen, 25. August, mit dem Format „Wahlarena“ ein, bei dem Bürger Sorgen und Wünsche an die Spitzenkandidaten richten können. In der ersten Ausgabe sind Norbert Hofer (FPÖ) und Werner Kogler (Grüne) zu Gast. Die Live-Duelle beginnen am 9. September mit den „Partien“ FPÖ gegen Neos und FPÖ gegen Grüne.

„Private“ Elefantenrunde

ATV eröffnet den Wahlkampf am 24. August mit „Im Fokus Spezial“, bei dem Spitzenkandidaten 15-minütige Interviews geben. Eine gemeinsame „Elefantenrunde“ strahlen die Privatsender am 22. September um 20.15 Uhr aus.
Beim ORF steigen die Spitzenkandidaten am 26. September um 20.15 Uhr in den Ring. Die Fragen stellen Claudia Reiterer und Armin Wolf. Am 4., 11. und 18. September werden Lou Lorenz-Dittlbacher und Martin Thür drei Konfrontationssendungen leiten.

Neben den mit Spannung erwarteten Wahl-Duellen gibt es zahlreiche neue Formate wie „Wahlometer“, „Reality Checks“, „Blind Dates“ und Dokus zu „Ibiza-Gate“ – in Summe weit mehr als 100 Fernsehstunden.

6 Zeitungen, 1 Sendung

Die sechs Bundesländerzeitungen – neben den OÖNachrichten die Salzburger Nachrichten (SN), die Tiroler Tageszeitung, die Vorarlberger Nachrichten, die Kleine Zeitung und die Presse – gehen am Donnerstag, 5. September, 17 Uhr gemeinsam auf Sendung.

„Großer Schlagabtausch“ heißt die Konfrontation im Salzburger Landestheater, bei der die sechs Spitzenkandidaten der aussichtsreichsten Parteien für die Nationalratswahl aufeinandertreffen: Sebastian Kurz (ÖVP), Pamela Rendi-Wagner (SPÖ), Norbert Hofer (FPÖ), Beate Meinl-Reisinger (Neos), Werner Kogler (Grüne) und Peter Pilz (Liste Jetzt).

Die Fragen stellen Manfred Perterer („SN“) und Antonia Gössinger („Kleine Zeitung“, Kärnten).

 

3 Fragen an die Moderatoren

1. Wer von den Spitzenkandidaten, die Sie interviewen bzw. zum Duell bitten werden, ist die härteste Nuss, und wie wollen Sie sie knacken?

Lou Lorenz-Dittlbacher (ORF): Bei den Duellen geht es weniger ums Knacken als darum, unterschiedliche Positionen der Kandidaten auszuleuchten. Meine Aufgabe ist es, relevante Themen auszuwählen und darauf zu achten, dass die Konfrontationen lebhaft, inhaltsreich und spannend sind.

Corinna Milborn (Puls 4): Das interessanteste Duell wird sicher das zwischen Sebastian Kurz und Norbert Hofer und den Vertretern der Opposition. Hier ist am meisten Spannung zu erwarten. Bei den ehemaligen Regierungskollegen, die beide ihre Arbeit in der letzten Legislaturperiode loben wollen, wird es eine Herausforderung, Bruchlinien herauszuarbeiten.

Michael Fleischhacker (Servus TV): Bei uns treffen die Spitzenkandidaten nicht auf andere Politiker, sondern auf Bürger, mit denen sie ins Gespräch kommen sollten. Ich muss also niemanden knacken, sondern kann mir gemütlich die Nussknacker-Ouvertüre anhören.

Meinrad Knapp (ATV): Spitzenkandidaten sind ja keine Nüsse, die es zu knacken gilt, sondern Menschen, die sich gerne hinter raffinierten Fassaden verstecken, und genau diese Menschen möchte ich gerne näher beleuchten. Da habe ich auch keine Präferenzen – ich mag Menschen im Allgemeinen und komplizierte Menschen ganz besonders. Wie ich das schaffe? Ich habe zwei Kinder.

 

2. Auf welche Themen bereiten Sie sich heuer besonders vor, Themen, von denen Sie annehmen, dass sie den Wahlkampf bestimmen?

Lou Lorenz-Dittlbacher (ORF): Das Thema Klima wird nach den hohen Temperaturen dieses Sommers eine große Rolle bekommen. Spannend dabei ist, dass drei Parteien teilnehmen, die die Klimapolitik der vergangenen Jahrzehnte gestaltet haben. Warum sind ihre nunmehrigen Vorhaben noch nicht umgesetzt worden?

Corinna Milborn (Puls 4): Die nächste Regierung muss das Klima-Thema ernsthaft angehen, hier ist nicht viel Zeit. Für unsere jungen Zuseher ist es das Thema Nr. 1. Außerdem: Mieten, lange Wartezeiten auf Arzttermine und die Lage in den Schulen. Migration ist diesmal kein Hauptthema.

Michael Fleischhacker (Servus TV): Ich bereite mich immer auf alle Themen vor, die gerade öffentlich ventiliert werden, anders ginge das gar nicht. Was den Wahlkampf bestimmt, ändert sich ja inzwischen gewissermaßen minütlich.

Meinrad Knapp (ATV):  Natürlich auf den Klimawandel und die Herausforderungen, die damit einhergehen. Das ist sicher für unsere Zuschauer ein ganz besonders wichtiges Thema.

 

3. Erwarten Sie bei den Duellen nach Ibiza-Gate und den daraus folgenden politischen Querelen härtere, angriffigere Diskussionen als vor zwei Jahren?

Lou Lorenz-Dittlbacher (ORF): Im Wahlkampf laufen alle Spitzenkandidaten um ihr politisches Leben. Das macht jeden Wahlkampf hart, oft leider auch schmutzig. Die Koalitionsfrage ist heuer so spannend wie selten.

Corinna Milborn (Puls 4): Die Stimmung ist schon jetzt extrem gereizt, ich fürchte, das wird sich in die TV-Konfrontationen ziehen.

Michael Fleischhacker (Servus TV): Ich bin an Duellen sehr interessiert – in Kunstprojekten, nicht in der österreichischen Innenpolitik. Ob die Debatten zur Nationalratswahl 2019 angriffiger werden, weiß ich nicht, auch das kann sich ja stündlich ändern.

Meinrad Knapp (ATV): Man war ja auch vor zwei Jahren nicht zimperlich, aber wie so oft, wenn Beziehungen oder in diesem Fall Koalitionen zerbrechen und Gefühle im Spiel sind, kann es schon ein bisschen emotionaler werden. Also ja!

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Redakteur Kultur

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