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Kultur

Das erste "rücksichtslose" Programm

Von Michael Wruss 12. Juni 2019 00:04 Uhr

Das erste "rücksichtslose" Programm
Thomas Königstorfer, Thomas Stelzer, Markus Poschner, Norbert Trawöger (v.l.)

Auf seinem Spielplatz, dem Orchestersaal im Linzer Musiktheater, präsentierte Chefdirigent Markus Poschner gestern das Programm der Saison 2019/2020 des Bruckner Orchesters.

Das dritte, das der Deutsche verantwortet und das in seiner Struktur an die beiden vergangenen anschließt: Er behält funktionierende Formate bei und baut sie aus – Musik wird nicht bloß gespielt, sondern zum Ereignis gemacht und soll möglichst neu gedacht werden.

Dabei war das Planen dieser Saison alles andere als ein Spiel, stand doch durch die Aufkündigung des Theatervertrages von Stadt und Land auch die Residenz des Bruckner Orchesters im Brucknerhaus auf dem Spiel. Das führt dazu, dass "Poschner nun auch Karten verkauft", sagt der kaufmännische Vorstandsdirektor der TOG, Thomas Königstorfer.

Deutschland-Tour bis Eela Craig

Es bedeutet, dass das Bruckner Orchester nun auch als Veranstalter auftritt und selbst schauen muss, Karten an das Publikum zu bringen. Aber hinter negativen Ereignissen lauert oft etwas Gutes, so auch hier: Erstmals konnte ohne Rücksicht auf Veranstalter ein Programm entwickelt werden – und das zeigt sich im Orchesterbuch, in dem Gedankenspielereien freier Lauf gelassen wird.

Das ist das Ziel, vor allem beim Genius loci Anton Bruckner, der auch 2019/20 mit sieben Symphonien ("Nullte", 1. 3., 4., 5., 7. und 9.) das "Komponistenranking" anführen wird. Damit kann das Bruckner Orchester seinen Anspruch auf Authentizität in der Bruckner-Interpretation ausbauen und dieses Erbe ab 23. April auf die große Deutschland-Tournee (Hannover, Wiesbaden, Ludwigsburg, Essen, Düsseldorf) mitnehmen, wo nicht nur Bruckner auf dem Programm steht, sondern mit Martin Grubinger auch ein schlagender Solist in Avner Dormans Schlagzeugkonzert "Frozen in time" an Bord sein wird. Grubinger ist bei den Ausflügen ins Salzburger Festspielhaus kurz vor Weihnachten ebenfalls dabei.

Weitere herausragende Solisten, die auf das Bruckner Orchester treffen, sind Gidon Kremer, der geigende Jungstar Emmanuel Tjeknavorian, die Pianisten Christopher Park und István Lajkó sowie der Ausnahmeorganist Cameron Carpenter. Markus Poschner wird wie gewohnt vor großen Konzerten im Brucknerhaus zu Kostproben laden, ein tänzerisch weiter gefasstes Neujahrskonzert dirigieren, zur "Anhörung" laden und wieder eine Tour durch Oberösterreich mit Abstechern ins Prinzregententheater München und zu drei Terminen in den Wiener Musikverein unternehmen.

Weitere Fixpunkte sind die Move.On Orchesterwerkstatt, Familienkonzerte, Mosaik-Kammerkonzerte mit Mitgliedern des Bruckner Orchesters und natürlich die Tatsache, dass das Bruckner Orchester das Orchester des Landestheaters ist und somit dort in 13 Produktionen die Hauptrolle spielt.

Neu mag die Annäherung an die vor 50 Jahren gegründete Rockband Eela Craig sein, die durch ein gewieftes Miteinander von progressiver Rockmusik, Jazz, Klassik und elektronischer Musik Aufsehen erregte und auch in Opernhäusern konzertierte. 1978 erschien mit der "Missa Universalis" ein christlich inspiriertes Album – die Musik erlebt am 5. März im Brucknerhaus in der Orchesterfassung von Thomas Mandel ihr verdientes Revival. Neu ist auch das Format "Poschner hört zu", ein mit Gästen und Freunden veranstaltetes öffentliches Plattenhören und ein angeregtes Diskutieren über Interpretationen, Interpreten und das vielseitige Musikbusiness.

Fazit: Ein mannigfaltiges Programm mit Schwerpunkten auf Bruckner, Mahler, Beethoven, das aber darüber hinaus für jeden Geschmack etwas parat hält und zum spielerischen Mithören einlädt. www.bruckner-orchester.at

Artikel von

Michael Wruss

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