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Kultur

Cowboy Woody hat den Weltschmerz

Von Nora Bruckmüller 17. August 2019 10:59 Uhr

Cowboy Woody hat den Weltschmerz
Fast ein Jahrzehnt nach "Toy Story 3" sind Woody, Buzz Lightyear und Cowgirl Jessie wieder im Kino. Glasklar animiert und mit Bastel-Neuzugang Forky.

"Toy Story 4" ist amüsant melancholisches Kino für Große, für Kleine auch ein Trauerspiel

Noch bevor "Toy Story 4 – Alles hört auf kein Kommando" in unseren Kinos voll anlief, verbreitete sich in der US-Fachpresse eine Meldung: Die Produktion – in den USA Ende Juni gestartet – ist der fünfte Film, mit dem Disney 2019 mehr als eine Milliarde Dollar weltweit an den Kassen umgesetzt hat.

Gestern brachten es "Toy Story 4", "Avengers: Endgame", "Der König der Löwen", "Aladdin" und "Captain Marvel" auf gut 7,2 Mrd. Dollar. Eine Summe, die den Blick für einen beinhart funktionierenden Geschäftssinn öffnet. Für Disney ist die Zeit von "Bambi" und der Unschuld ohnehin längst um.

"Toy Story 4" ist ein Phänomen dieser Entwicklung. Weil das neue Abenteuer von Cowboy Woody, Astronaut Buzz und ihrer ebenso animierten Spielzeuggang ein Dilemma des Konzerns selten klar veranschaulicht. Es gilt, exakt zugeschnitten für die eine Kerngruppe zu arbeiten – jene Kinder, deren Herz fürs Kino mit Disney aufgegangen ist und die nun erwachsen und zahlungsfreudig sind. Deren Kinder sind ebenso zu gewinnen. Für sie sollte aber das oberste Gebot wertvoller Werke gelten – es ist aus ihrer Sicht für sie zu erzählen.

Doch an dieser Aufgabe, Alt sowie Jung gleichsam ideal zu berühren, trägt der Film in der Regie von Josh Cooley ("Alles steht Kopf") schwer. Denn Woody – gute Seele der seit 1995 Genre-prägenden Reihe – ist arg geplagt. Als würde er wie ein Elternteil traurig an der neuen Selbstständigkeit der Kinder kiefeln und zudem Angst haben, im Job aussortiert zu werden.

"Sein" erstes Kind Andy geht an die Uni. Die kleine Bonnie, an die der Student seine Spielzeuge vererbt hat, kommt in die Vorschule. In ihrem Zimmer verliert der Sheriff an Autorität. Sein geliebtes Porzellinchen wurde weggeben ...

Die einzige Aufgabe, die für Woody jetzt noch Sinn ergibt: Bonnie glücklich mit ihrem neuen Lieblingsspielzeug Forky zu sehen. Doch wie er hat der selbst gebastelte Klebeunfall zwischen Plastikgabel und -löffel Identitätsprobleme. Er büxt immer aus, weil er glaubt, er sei lediglich Müll.

So entwickelt sich ein Roadmovie mit Jahrmarktflair, viel Nostalgie und einem Antiquitätengeschäft, in dem Puppen ihren Kollegen des Horror-Genres viel Ehre erweisen. Der Plot ist reich an Wendungen und Filmzitaten. Und macht das Herz so schön schwer, wenn man sieht, was hier Aufsichtspersonen aller Art für Kinder tun und lassen. Doch was tut der Film für die Kinder im Saal? Er ist bunt, witzig, süß, aber ob seiner Fixierung auf die erwachsene Welt doch oft mehr reizüberflutend als einfach nur reizend.

"Toy Story 4": USA 2019, 100 Min., Regie: J. Cooley

OÖN Bewertung: 3/6

 

Michael "Bully" Herbig im Interview

Die tragenden Figuren in „Toy Story“ sind ja Spielzeuge.Hatten Sie als Kind ein Lieblingsspielzeug?

Ich hatte einen Ball. Er hieß „Ball“. Den hatte ich, da ich bei meiner alleinerziehenden Mutter aufwuchs, immer bei mir. Ich wollte ja auch einmal Fußball-Weltmeister werden, hab aber dann doch eine andere Richtung eingeschlagen. Immerhin kaufe ich mir alle vier Jahre den jeweiligen WM-Ball.

Als Synchronstimmen werden gerne bekannte Namen engagiert, im Original wird Woody von Tom Hanks gesprochen. Könnte das jeder?

Nein! Denn das hat mit klassischer Synchronarbeit weniger zu tun. Ich würde nie auf die Idee kommen, Brad Pitt oder James Bond zu sprechen.

Nachdem Sie mit „Ballon“ als Regisseur einen DDR-Thriller gedreht haben, hieß es, für Sie sei „Schluss mit lustig“.

Nicht ganz. Als Regisseur reizen mich momentan zwar andere Genres, aber als Schauspieler fühle ich mich in der Komödie nach wie vor zu Hause.

Ihre nächste Regiearbeit – wieder ein ernstes Thema?

Der Film handelt – nach wahren Begebenheiten – von einer Bundeswehrsoldatin, die Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde.

Ihr Film „(T)Raumschiff Surprise“ (2004) lief damals in Deutschland besser als „Star Wars“. Das brachte Ihnen eine besondere Einladung ein …

Ja, ich wurde über die Skywalker-Ranch geführt, saß mit George Lucas in seinem Büro und dachte nach zehn Minuten: Jetzt muss ich endlich auch etwas sagen! Bin aber leider nicht auf die Idee gekommen, ihn nach einem Job zu fragen.

Gibt es Ihren „Ball“ noch?

Nein, dem ist buchstäblich die Luft ausgegangen.
 

Artikel von

Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

Nora Bruckmüller
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