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Kultur

"Bin jedem Besucher dankbar"

Von Karin Schütze  30. Oktober 2020 00:04 Uhr

"Bin jedem Besucher dankbar"

"Eine Riesenfreude" ist es für Regina Riel, am Linzer Musiktheater als Lisa in Lehárs "Das Land des Lächelns" auf der Bühne zu stehen. Und es ist ein Heimspiel für die Bruckneruni-Absolventin, die mit ihrer Familie im Mühlviertel lebt.

Wie in Corona-Zeiten geprobt wird, über die Herausforderung der vermeintlich "leichten Muse" und die Schwierigkeit, den passenden Lehrer zu finden, erzählt Regina Riel im Gespräch.

Sie sind freischaffende Sängerin. Wie geht es Ihnen in Zeiten wie diesen?

Regina Riel: Mir geht’s wunderbar. Ich habe wirklich großes Glück, dass ich so leben kann, wie ich zurzeit lebe. Ich habe eine wunderbare Familie, lebe am Land und habe diese Zeit sehr mit mir selbst verbringen können. Ich gehe viel an die frische Luft. In diesem halben Jahr ohne Arbeit hat man sich gedanklich gut fokussieren können, wohin man will. Die Zeit nutzt man anders, zum Rollenstudieren und zum Trainieren. Aber jetzt wird es schon wieder Zeit, dass sich etwas bewegt. Es ist ein Privileg, einen Job zu haben und dem Publikum zur Verfügung stehen zu können. Ich bin jedem Besucher wahnsinnig dankbar, wenn er uns trotz der Mühen treu bleibt und uns mit seinem Besuch signalisiert, dass ohne kulturelle Veranstaltungen doch etwas Bedeutendes fehlen würde. Nur dadurch haben wir eine Chance, das in diesem Sinn weiterzuführen. Wenn die Leute ausbleiben, stirbt etwas aus, das man vielleicht nur sehr schwer zurückerobern kann. Das ist unser Brot, unser Lohn. Das Bedürfnis, zu singen, ist genährt worden durch dieses Abhandenkommen.

Was bedeutet die Corona-Situation für den Probenablauf?

Die PCR-Testungen werden regelmäßig gemacht, das Theater übernimmt wirklich die Verantwortung für seine Angestellten, die Künstler und die Besucher. Wir sind in der direkten szenischen Probenarbeit angehalten, diesen Corona-Abstand einzuhalten. Das ist mitunter gar nicht so einfach, weil man ein anderes Agieren gewohnt war, einander in die Arme zu fallen war auf der Bühne ganz normal. Gerade in Liebesszenen heißt es dann: Abstand halten. Das war wirklich befremdlich, aber es bringt natürlich auch eine Chance, mit Situationen ganz neu umzugehen: Wie kann man das sonst noch vermitteln? Abseits der Bühne tragen wir selbstverständlich unsere Masken. Im Chor ist man bemüht, die Leute so weit wie möglich auseinanderzustellen. Man vertraut einander, dass jeder auf sich selbst so gut wie möglich aufpasst, auch im Hinblick auf die Kollegen.

Wie stark empfinden Sie den halbleeren Saal?

Es ist eine andere Atmosphäre. Man spürt eine gewisse Unsicherheit, Distanz und Leere.

Was bedeutet es Ihnen, am Musiktheater auf der Bühne zu stehen?

Das ist so schön, eine Riesenfreude. Ich bin im letzten Jahr für den "Bettelstudenten" eingesprungen, als Laura. Ich habe in Linz studiert, bin hier in der Nähe zu Hause und liebe dieses wunderschöne Theater. Ich singe die Lisa zehn Mal, im Wechsel mit Gotho Griesmeier.

Zeichnet sich am Musiktheater ein Engagement ab?

Ich weiß von nichts.

Aber Sie wären nicht abgeneigt?

Auf keinen Fall!

Wie würden Sie Ihre Rolle der Lisa beschreiben, worin liegt für Sie der Reiz dieser Rolle?

Sie ist eine entschlossene junge Frau, die weiß, was sie will. Musikalisch ist die Rolle sehr herausfordernd, weil sie sich im Lauf des Abends von der Lyrik in eine Dramatik hinein entwickelt. Sie fordert viele Charaktere und Farben. Diese Herausforderung ist genau zur richtigen Zeit gekommen.

Wie weit würden Sie für die große Liebe gehen?

Ich hab keine Ahnung. Die Antwort auf diese Frage wird mir das Leben geben. Ich weiß es nicht. Zur Zeit bin ich sehr glücklich (lacht).

In Bad Ischl waren Sie "Die Lustige Witwe". Dass Sie Lehár begleitet, mag Zufall sein. Spiegelt er auch Ihren Wunsch wider?

Es ist ein Zufall im Sinn von: Das ist mir zugefallen. Die Musik von Lehár ist wunderschön und unsterblich. In seiner Musik liegt eine Passion, die ich nachempfinden kann. Aber Lehár ist nicht der Einzige, der mein Herz rührt. Ich liebe auch Richard Strauss, Verdi, Puccini.

Wäre die Oper Ihr Traum?

Ja, absolut. Das für mich passende Opernrepertoire ist meinerseits schon in Vorbereitung. Ich habe auch Oper gemacht, die "Agathe" im Freischütz, ich liebe es. Meine Stimme geht in diese Richtung. Ich freu mich auf die Aufgaben, die auf mich zukommen, hoffentlich bald, hoffentlich viele und schöne.

Auch die Operette hat es in sich. Worin liegt für Sie die größte Herausforderung?

Die Operette wird sehr unterschätzt, man braucht die großen Bögen, die Dramatik. Die Operette verlangt mindestens so viel Können und Eleganz. Es ist viel schwieriger, das nicht so aussehen zu lassen. Die Herausforderung liegt einerseits in der Mischung aus Gesang und Sprechtext. Andrerseits darin, der Aufgabe gerecht zu werden, nicht nur den unterhaltenden Charakter zu transportieren, sondern auch die Seriosität, dass es spannend bleibt und die dahinterliegenden ernsten Themen nicht verloren gehen. Es ist eine Gratwanderung, diese Gegensätze im richtigen Maß auszukosten, in jeder Rolle für sich und der Inszenierung als Ganzes.

Macht genau das auch eine gute Inszenierung aus?

Das hängt natürlich zusammen. Eine gute Operetteninszenierung soll Spaß machen, Inhalte vermitteln und Geschichten erzählen. So dass man auch wieder ein jüngeres Publikum erreicht. Es ist nicht wahr, dass junges Publikum gar kein Interesse hat, es kommt darauf an, wie es aufbereitet ist.

Ob modern oder traditionell inszeniert, ist nebensächlich?

Was ist falsch daran, sich in eine vergangene Welt hineinzudenken? Ein ehrliches Interesse daran erweitert den Horizont ebenso. Man muss nicht zwingend alles in die Jetztzeit transferieren. Es ist nichts Verwerfliches daran, alles dort zu lassen, wo es ist.

Sie haben 2013 Ihr Studium an der Bruckneruni mit Auszeichnung abgeschlossen. Gibt es trotzdem noch einen Coach?

Für Sänger ist es extrem wichtig, ausbildungsmäßig am Ball zu bleiben, nie aufzuhören, sich und seine Stimme zu entwickeln. Ich habe eine ganz tolle Maestra, zu der ich seit Frühjahr 2019 regelmäßig fahre: Irina Gavrilovici, sie war die Lehrerin von Elina Garanca. Insofern bin ich in guten Händen.

Wie kommt man zu so einer Lehrerin?

Wir haben uns über die Empfehlung von einer Kollegin von mir gefunden, es waren unglaubliche eineinhalb Jahre, die ich mit ihr lernen darf.

Wie schwierig ist es, den passenden Lehrer zu finden?

Sehr schwierig. Es gibt viele Leute, die viel zu sagen haben. Aber ganz wenige, die das Wesentliche auf den Punkt bringen und bei denen die Chemie passt, so dass man sich aufeinander einlässt. Und die einem das jetzt entsprechend Nötige lehrt, dass man in dem Fach landet, in dem man landen soll, was die Stimme braucht und will, welches Repertoire das Richtige ist.

Infos und mehr

  • Regina Riel, geb. 1982 in Waidhofen/Ybbs, ist Sozialpädagogin und Absolventin der Linzer Bruckneruni. Die Sopranistin begeisterte als „Lustige Witwe“ und Rosalinde der „Fledermaus“ beim Lehár-Festival Bad Ischl. Sie sang u. a. an der Oper Graz, dem Volkstheater Rostock und viele Hauptrollen an der Bühne Baden, u. a. die Agathe im „Freischütz“. Sie lebt mit ihrer Familie in Wartberg.
  • Am Musiktheater gibt Regina Riel im Wechsel mit Gotho Griesmeier die Lisa in Lehárs „Das Land des Lächelns“, zu erleben ist sie am 24. 11., 26. 12., 17. 1. Alle Termine, Karten: 0732/76 11-400, landestheater-linz.at

Artikel von

Karin Schütze

Redakteurin Kultur

Karin Schütze
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