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"Am besten nicht darüber nachdenken, das macht dich sonst irre!"

Von Julia Evers   30.Januar 2019

"Am besten nicht darüber nachdenken, das macht dich sonst irre!"
Paenda will den Song Contest nutzen, um ihre Botschaft für Gleichberechtigung in die Welt zu tragen.

Sie ist 31 Jahre alt, Elektropopsängerin, lebt in Wien und nennt sich "Paenda", weil sie in der Früh oft aussieht wie ein Pandabär. Wie der Song "Limits" klingt, mit dem die gebürtige Steirerin ihr Glück versucht, ist hingegen noch geheim.

OÖN: Was ist seit der Bekanntgabe, dass Sie Österreich beim Song Contest vertreten, auf Ihrem Handy los?

Paenda: Es explodiert. Ich habe es weggelegt, weil es ständig vibriert. Aber es sind nur positive, nette Nachrichten, die mich erreichen.

OÖN: Sie machen Elektropop abseits des Mainstreams. War es für Sie gleich klar – Song Contest, ja, da will ich hin?

Ja, voll.

OÖN: Warum?

Weil ich finde, dass es eine super Veranstaltung ist, die für Gleichberechtigung, Offenheit und Liebe steht, und ich meine eigene Botschaft habe, die sich auch mit diesem Thema befasst, die ich gerne in die Welt hinaustragen möchte.

OÖN: Was ist diese Botschaft?

Auf jeden Fall Gleichberechtigung, vor allem was Frauen angeht in Geschäftsfeldern, die männerdominiert sind, in meinem Fall halt das Musikbusiness. Ich bin auch Songwriterin und Produzentin. Da herrscht schon Sexismus vor, man hat mit einigen Dingen zu kämpfen.

OÖN: In dem Sinn, dass Budgets nicht an Frauen vergeben werden, im Sinne von sexistischen Bemerkungen?

Wie man behandelt wird und was man zu hören kriegt.

OÖN: Haben Sie sich für den Song Contest beworben, oder ist man auf Sie zugekommen?

Ich bin gefragt worden. Dass ich zum ESC fahre, weiß ich auch erst seit kurzem, aber die Entscheidung ist nicht von heute auf morgen getroffen worden.

OÖN: Was erwarten Sie sich für sich selbst vom Song Contest – außer einem gesteigerten Bekanntheitsgrad?

Ich erwarte mir immer eine Reifung für mich als Mensch, als Künstlerin. Wieder was dazugelernt, wieder was Neues gesehen. Und das fließt dann natürlich wieder in die Musik ein.

OÖN: Es werden 180 Millionen Menschen via TV zusehen. Wie gehen Sie mit dieser Zahl um?

Ja, es ist viel (lacht). Seitdem ich weiß, dass ich hinfahren werde, ist so viel zu tun und zu regeln, dass ich noch keine Zeit hatte, mich wirklich damit zu befassen. Ich höre es immer nur von anderen Menschen, die sagen: "Oh mein Gott, so viele Leut’." Aber ich weiß aus Erfahrung, dass, wenn du auf der Bühne stehst, du eh nur die Menschen siehst, die direkt vor dir stehen, und das werden in der Halle in Israel circa 7500 sein. Im Hinterkopf sagt dir dann eine Stimme, da schauen dir jetzt so viele Menschen zu, aber du checkst es nicht. Deswegen: am besten nicht darüber nachdenken, das macht dich sonst irre!

OÖN: "Limits", das Lied, mit dem Sie antreten, wird erst präsentiert werden. Wie darf man es sich vorstellen?

Es ist ganz anders als die Songs auf meinem ersten Album, so ein Lied würde man von mir nicht erwarten. Was darf ich noch sagen? Elektropopsong, ruhig.

OÖN: Ihre Schwester wird beim Auftritt dabei sein...

Meine Schwester ist meine beste Freundin, sie spielt in meiner Live-Band, wir wohnen zusammen, sie pickt eh Tag und Nacht mit mir zusammen. Wir wissen noch nicht, ob sie definitiv mitfahren wird, aber ich wünsche es mir natürlich.

OÖN: Österreich belegte in den vergangenen Jahren einen ersten, aber auch letzte Plätze – wie würden Sie mit diesen beiden Extremvarianten umgehen?

Ich versuche mir recht wenig Gedanken über so etwas zu machen, weil einen das im kreativen Fluss total einschränkt. Mir tut es natürlich voll leid für die, die so wenig Punkte gekriegt haben, und teilweise finde ich auch, dass das ungerechtfertigt war. Ich kann mich selber aber nicht einschätzen.

OÖN: Haben Sie selbst ESC geschaut?

Schon. Ich habe zwar, seitdem ich 18 bin, keinen Fernseher mehr, aber ich habe immer bei Freunden oder in der Mediathek geschaut. Vor drei Jahren waren wir gerade in London in einem Pub und haben den Song Contest ohne Ton angeschaut – das war eine lustige Erfahrung. Alle sagen, dass die Shows immer so über-drüber sind, aber geh einmal zu einem Katy-Perry-Konzert, und dann weißt du, was über-drüber ist. Da ist der Song Contest nichts dagegen.

Mehr zur österreichischen Vertretung beim Eurovision Song Contest lesen Sie hier:

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