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Kultur

Altes Kino, schräge Kunst

Von Nora Bruckmüller  08. November 2019 00:04 Uhr

Altes Kino, schräge Kunst

LINZ. Der Cinematograph Linz, Österreichs letztes analoges Kino, bietet ab 15. 11. auch Kultur des Vereins Caligari.

Das unter Denkmalschutz stehende Haus, das sich hinter der Adresse Obere Donaulände 51 in Linz verbirgt, war schon stummer, unzerstörbarer Zeuge vieler Ereignisse – beider Weltkriege etwa sowie der Hochwasser 1954, 2002 und 2013. Vor 400 Jahren erbaut, wurde es ursprünglich als "Siechenhaus" (Hospital) des Stiftes Wilhering errichtet, später diente es als Zahlmeisterei für die Donauschifffahrt. Seit 26 Jahren – im Vergleich zu diesen historischen Dimensionen eine gar kurze Zeit – beheimatet es mit dem Cinematograph Österreichs einziges Kino, das ausschließlich historische Streifen auf entrolltem Filmmaterial auf die Leinwand bringt – komplett analog.

Betrieben wird es mit Georg Kügler (65) von einem passionierten Kinoliebhaber und Nostalgiker, der dem kleinen Kinosaal mit gut 30 Plätzen und dem hauseigenen Café mit Kino-Devotionalien und einer knapp 100 Jahre alten Registrierkasse Charme verleiht.

Ein großer Wunsch des unermüdlichen Kinoarbeiters, der als Vorführer noch das Überblendverfahren (Projektion mit zwei Maschinen) beherrscht, geht ab 15. November in Erfüllung: Ein neuer Kulturverein siedelt sich im altehrwürdigen Haus an und verbreitert das Angebot um Künste, die das Kino zur kleinen, feinen Bühne werden lassen: Lesungen, Kabarett, Tanz, Musik, Zauberei.

Altes Kino, schräge Kunst
Cinematograph-Chef Georg Kügler mit Peter Heidinger, Vorstand „Caligari“.

"Wir wollen ein Programm schaffen, das einerseits eigenständig funktioniert, andererseits mit dem Kino harmoniert", sagt der freischaffende Linzer Künstler Peter Heidinger (63), der seit 33 Jahren selbst auf der Bühne steht. Ein im besten Sinne "bunter Hund", 2000 Europameister im Body Painting, der nun als Teil des Vorstands die Agenden des Vereins leitet.

Dieser heißt "Caligari" – ein Titel, der sich auf einen Meilenstein der Filmgeschichte bezieht: "Das Cabinet des Dr. Caligari" aus 1920. Zu diesem Film, ein exzentrisches Werk zwischen Horror, Jahrmarkt und Fantastischem, passt das Selbstverständnis des Vereins bestens. "Wir wollen anders sein, schräger, lockerer, auf keinen Fall bieder. Wir planen auch eine Absinth-Bar." Obwohl sich Verein und Programm gerade noch finalisieren, gibt es bereits erste Anfragen von Künstlern für den intimen Aufführungsort. "Es ist eine gute Chance für junge Künstler, die erst noch in größere Säle wachsen müssen. Für die sind wir natürlich offen", sagt Heidinger.

Für ihn verlängert sich zum einen mit Caligari die Linzer "Kulturmeile" an der südlichen Donaulände bis nach dem Römerbergtunnel – von Tabakfabrik, Kulturzentrum Hof über Brucknerhaus und Lentos –, zum anderen schließt sich ein Kreis. Sein Großvater Paul führte das frühere Linzer Kino Apollo. "Und was sehe ich, als ich das erste Mal in den Cinematograph gehe – ein Foto meines Großvaters am Projektor." Kügler hatte es aufgehängt.

Artikel von

Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

Nora Bruckmüller

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