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Von den Nazis vertrieben und ermordet

Von OÖN   09.September 2014

Von den Nazis vertrieben und ermordet
Die Ausstellung wird heute um 18 Uhr eröffnet, Eintritt frei.

Swing aus den USA, schwarze Musiker, frivol-humoristische Texte und jüdische Komponisten, Librettisten und Interpreten waren den Nazis ein Dorn im Auge – sie widersprachen ihrer Ästhetik. Die Künstler wurden diffamiert, zur Flucht gezwungen, verfolgt und ermordet.

Der Verein "EntArte Opera" eröffnet heute Abend in der Linzer Tabakfabrik die von Marie-Theres Arnbom kuratierte Ausstellung "Swing tanzen verboten – Unterhaltungsmusik nach 1933 zwischen Widerstand, Propaganda und Vertreibung". Die dreiteilig gestaltete Schau ist bis zum Ende des Brucknerfestes am 5. Oktober zu sehen.

Arisiert: "Selbstverständlich hat das Dritte Reich die typisch jüdische und stark verjazzte Operette allmählich ausschalten müssen", hieß es 1939 im Geleit zu "Reclams Operettenführer". Um die Nachfrage des Publikums weiter zu befriedigen, entstehen Propaganda-Werke wie "Wach auf, deutsche Wachau" von Heinrich Strecker, auch wurden bestehende Operetten umgedeutet. "1906 war , Die lustige Witwe’ zur Uraufführung ein ironischer Spiegel auf die Aristokratie, und plötzlich ging mit diesem Heesters-Danilo der Biss verloren", sagt Susanne Thomasberger von "EntArte Opera" im OÖN-Gespräch.

Es regt sich aber auch Widerstand. Langhaarige Jugendliche, die in Berlin als Swingboys und in Wien als Schlurfs bezeichnet werden, hören die verbotenen Nummern, die zur "Negermusik" entwürdigt werden. Strafaktionen wie Abrasieren der Haare durch Mitglieder der Hitler-Jugend oder die Einberufung in die Wehrmacht lassen nicht lange auf sich warten.

Ermordet: "Ich sehe gar nichts, absolut nichts, da muss ich mich in die nationalsozialistische Kultur verirrt haben", spottete der österreichische Kabarettist, Operetten- und Schlagerautor Fritz Grünbaum. Er wird ins Konzentrationslager Dachau deportiert, wo er 1941 stirbt.

Doch selbst in den Vernichtungslagern führten die Inhaftierten noch Operetten auf und komponierten. Fritz Löhner-Beda, u.a. Ko-Autor der Lehar-Operette "Das Land des Lächelns", schuf gemeinsam mit dem ebenfalls verschleppten Komponisten Hermann Leopoldi im KZ das "Buchenwald-Lied". 1942 wird Löhner-Beda in Auschwitz erschlagen.

Vertrieben: New York wird zur Zufluchtsstätte vieler Künstler, die sofort beginnen, ihre Kabarett- und Operettentradition fortzusetzen – in Lokalen, die ihre Herkunft verraten, vom "Café Vienna" bis zu "Eberhardt’s Café Grinzing". Operettenkomponisten wie Ralph Benatzky und Emmerich Kálmán versuchen, auf der anderen Seite des Atlantiks wieder Fuß zu fassen.

"Swing tanzen verboten": Ausstellung bis 5. Oktober, Di. bis So. 10 bis 18 Uhr, Eintritt 7 Euro, Jugendkarte 3 Euro Konzert zur Schau mit Wolfgang Dosch und dem Zeitzeugen Charles Kalman heute, 19.30 Uhr, Karten 18 bzw. 7 Euro.

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