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Kultur

Viel Applaus für einen wilden wie milden Alpenkönig

Von Wolfgang Huber-Lang   02. Oktober 2012 00:04 Uhr

Viel Applaus für einen wilden wie milden Alpenkönig
Menschenfeind (Cornelius Obonya) im Verfolgungswahn, seine Frau (Regina Fritsch) voller Hingebung.

Der Bad Ischler Michael Schachermaier überzeugte mit seiner Neuinszenierung von Raimunds „Alpenkönig“ am Burgtheater.

Das Wagnis hat sich gelohnt: Der junge Bad Ischler Regisseur Michael Schachermaier ist weder an der großen Burgtheater-Bühne gescheitert, noch vor einem Klassiker in Ehrfurcht erstarrt:

Seine Neuinszenierung von Ferdinand Raimunds „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ überzeugte bei der Premiere am Samstag mit frischem Blick, erfreulicher Kompaktheit und einem Konzept, das Neues und Altes zu verbinden sucht.

Im Zentrum des zweieinhalbstündigen Abends steht Johannes Krisch als Alpenkönig Astragalus. Krisch riskierte mit seiner ungewöhnlichen Interpretation am meisten. Als Erdgeist taucht Krisch auf, zunächst geheimnisvoll bemalt, danach in Hirschblut gebadet. Er schreit wie ein Raubvogel, erinnert an einen ausgeflippten Indianer. Ihm gelingt eine faszinierende Gratwanderung, die das Dämonische unterstreicht. Dass der Alpenkönig Milde zeigt und den Menschenfeind letztlich davonkommen lässt, überrascht.

Cornelius Obonya bewegt sich als Menschenfeind Rappelkopf stärker innerhalb der Rollenkonventionen. Genussvoll zelebriert er seinen Verfolgungswahn, seine Wutanfälle.

Bei den Nebenrollen dominiert Erwartbares auf hohem Niveau, angesiedelt zwischen der leicht ironisierten Liebe von Frau (hingebungsvoll: Regina Fritsch), Tochter (frisch: Liliane Amuat) und dem Möchtegern-Schwiegersohn (blass: Peter Miklusz).

Was man aber im Spiel von und um Rappelkopf vermisst, ist das Weiterdenken von Raimunds psychologischer Tiefenbohrung ins Heute. Das hat Regisseur Schachermaier komplett in die Musik gelegt. Diese stammt von „Gustav“ Eva Jantschitsch und zählt zu den eindrucksvollsten Facetten des Abends. „All euer Hass, all eure Wut / Lässt eure Seelen brennen / bis sie sich selbst erkennen“, singt Krisch am Ende eines starken, ungewöhnlichen Abends. Großer Applaus.

Der Alpenkönig und der Menschenfeind: Burgtheater Wien, 29.09.

OÖN-Bewertung: fünf von sechs Sterne

Termine: 10.,11., 15. 10; Karten: 01/513 1 513

 

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