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Kultur

Totenglocke und Teilchenbeschleuniger

Von OÖN   06. Februar 2012 00:04 Uhr

„Das fliegende Kind“: Von Roland Schimmelpfennig, Akademietheater Wien, 4. Februar OÖN Bewertung: Vier von sechs Sternen.

Bei Luigi Pirandello suchen sechs Personen einen Autor. Christiane von Poelnitz, Regina Fritsch, Barbara Petritsch, Peter Knaack, Falk Rockstroh und Johann Adam Oest finden in der 90 Minuten dauernden Uraufführung von „Das fliegende Kind“ in Roland Schimmelpfennig zusätzlich noch den Regisseur.

Dieses sechsköpfige grandiose Ensemble fungiert als Chor, gleichzeitig spielt es noch. Dieses Sextett wechselt von der Szenenbeschreibung in die Figurenrede und zurück. Der Text wiederholt Sätze, Parolen und Beschreibungen, ist üppig bis dort hinaus. Die Geschichte vom sechsjährigen Buben, der von seinem eigenen Vater totgefahren wird, ist in einer Großstadt angesiedelt. Ausgangspunkt ist das St.-Martinsfest in der Kirche. Unter den Messebesuchern auch ein Ehepaar mit einer zweijährigen Tochter und dem sechsjährigen Sohn.

Während der Zeremonie sagt die Frau zu ihrem Mann: „Ich bin gleich wieder da.“ Sie muss zur Kirchentür, da steht ihr Geliebter gleich neben der Wandmalerei, „dem Fresko, dem Totentanz“. Der Ehemann kann nicht bis zum Ende des Laternenumzugs bleiben, weil er dringend zu einem Regenwald-Vortrag einer feschen Wissenschafterin muss, der er vielleicht aus dem Gewand helfen wird können.

Weitere szenische Konstellationen: Drei Bauarbeiter unter der Erde hören, was oben passiert, und palavern banal über den CERN-Tunnel, Zusammenstöße im Teilchenbeschleuniger und das daraus entstehende schwarze Loch. Im Kirchturm sitzt ein Mann, beobachtet das Geschehen und traut seinen Augen nicht. Da macht doch das gerade totgefahrene Kind bei ihm auf der Brüstung im Kirchturm Zwischenstation auf dem Weg ins Jenseits.

Barbara Petritsch und Johann Adam Oest entwickeln daraus mit Plattitüden über die Endlichkeit des Lebens und die Ewigkeit eine ungemein packende Miniatur. Bühnenbildner Johannes Schütz stellte in einen schwarz verschlossenen Raum, aus dem es kein Entrinnen gibt, nur ein paar Requisiten wie Sessel oder drei tief gehängte Glocken.

„Das fliegende Kind“ ist sicher nicht das beste Stück dieses viel gespielten deutschen Dramatikers. Es kommt mit einem ziemlich moralisierenden Impetus und der Erkenntnis, Lebenslügen funktionieren nicht ewig, vor allem dann nicht, wenn das Schicksal Zufall spielt, daher. Wenn dieser Text nicht von einem so exzellenten Darsteller-Sextett umgesetzt wird, schwant mir nichts Gutes. Das Premierenpublikum feierte mit Bravos. (rr)

Nächste Termine: 6., 7., 10., 13., 27. Februar, Karten: 01/513 15 13, www.burgtheater.at

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