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Kultur

Theater Hausruck mit Pornostar: Ein Porno ist kein Seelen-Striptease

Von Von Peter Grubmüller   22. Juli 2010

Ein Porno ist kein Seelen-Striptease
Pornostar Jana Bach – wozu sind Menschen bereit, um Geld zu verdienen?

Das Theater Hausruck feiert am 24. Juli mit der Produktion „AT“ einen theatralischen Kapitalismus-Kirtag, eine Oper der Gier. In den Hallen der insolventen Polstermöbelfabrik HASAG in Attnang-Puchheim untersuchen Chris Müller und Regisseur Georg Schmiedleitner die Ströme des Kapitals. Unter vielen anderen dabei: Pornostar Jana Bach.

OÖN: Kennen Sie Attnang-Puchheim?

Bach: Wen?

OÖN: Attnang-Puchheim.

Bach: Nein.

OÖN: Das ist die Stadt, in der Sie auftreten werden.

Bach: Ach so!

OÖN: Aber es stimmt, dass Sie sich auf einem sogenannten „Schicksalsrad“ drehen und Freier aus dem Publikum auswählen werden?

Bach: Ja, aber was dann passiert, verrate ich nicht.

OÖN: Niemand gibt als späteren Berufswunsch „Pornostar“ an. Warum sind Sie es geworden?

Bach: Ich war 2004 als Model bei der „Venus“ in Berlin engagiert, das ist die größte Erotikmesse der Welt. Dort wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Pornofilme zu drehen. Das hab’ ich mir lange überlegt, und dann hab’ ich mich beworben. Ich war aber schon 26, als ich anfing. Ich hatte vorher in einem niedersächsischen Amtsgericht Justizangestellte gelernt und an der Rezeption eines Krankenhauses gearbeitet. Ich finde es gruselig, wenn junge Mädchen ins Pornogeschäft kommen, frisch von der Schulbank oder ganz ohne Ausbildung. Ohne familiäres Fundament kann man da schnell unter die Räder kommen.

OÖN: Wie haben Ihre Eltern von Ihrem Job erfahren?

Bach: Ich hab’ es ihnen beim Mittagessen erzählt, und sie waren geschockt, mein Papa hat es mir gar nicht geglaubt. Vor dem Dreh zur ersten Szene hab’ ich noch schnell mit meiner Mama telefoniert, weil ich so aufgeregt war. Und sie hat mich noch einmal gefragt, ob ich weiß, was ich da tue. Für meine Familie war es schwieriger als für mich, obwohl ich alle eingeweiht hatte. Meine Eltern haben auch noch nie einen Film mit mir gesehen. Das ist gut so, ich schau bei ihnen ja auch nicht durchs Schlüsselloch ins Schlafzimmer.

OÖN: Ihr Beruf verhindert ein herkömmliches gesellschaftliches Leben, macht Ihr Job einsam?

Bach: Vielleicht besteht die Gefahr, aber ich bin nicht der Mensch, der sich einsam machen lässt. Ich bin nur vorsichtiger geworden, auch bei der Partnerwahl. Wenn ich Menschen begegne, die mich dann nach meinem Beruf fragen, dann glauben sie, es ist ein Scherz, wenn ich „Porno-Darstellerin“ sage. Ein Mann, der sich auf mich einlässt, darf sich von meinem Beruf nicht kleinmachen lassen, er wird blöde Fragen seiner Freunde aushalten müssen, wie etwa: „Wie ist es denn mit ihr im Bett?“ Dieser Mann muss echt sein und darauf vertrauen, dass ich ihn meine.

OÖN: In der Produktion wird veranschaulicht werden, wozu Menschen bereit sind, um Geld zu verdienen. Kann man zu mehr bereit sein, als Sie es sind?

Bach: Nackter als ich kann man zwar nicht sein, aber viele reden davon, ich würde meinen Körper verkaufen. Das sehe ich anders, ich habe diesen Job aus reiner Neugier angefangen, und ich habe immer gesagt, dass ich bereuen würde, was ich nie getan habe. Für mich verkaufe ich nicht meinen Körper, sondern präsentiere eine künstlerische Darbietung – natürlich nur mit meinen Live-Auftritten, Filme sind eine andere Kategorie. Nacktheit ist für mich auch kein Problem, ich bin ja auch Porno-Darstellerin und keine Seelen-Stripperin.

OÖN: Wie soll sich Ihr Beruf künstlerisch etablieren?

Bach: Die Stripperin Dita von Teese macht ein bisschen etwas anderes, aber sie hat es geschafft, unser Genre ohne Hardcore-Präsenz mehr in Richtung Kunst zu rücken. Abgesehen davon treten wir ja in gut gefüllten Räumen auf, das heißt, das Bedürfnis ist vorhanden und das Interesse ist riesig.

OÖN: Leidet Ihre Branche unter der Wirtschaftskrise?

Bach: Ja, die Absätze werden etwas geringer. Ich weniger, weil ich vielseitiger bin – ich moderiere, ich drehe Reportagen, ich arbeite als Model und arbeite auf verschiedenen medialen Ebenen.

OÖN: Betrachten Sie sich als Nutznießerin der schnellen Konsumgesellschaft?

Bach: Schon, das streite ich gar nicht ab.

OÖN: Ihr Job hat ein Ablaufdatum. Macht Sie das Pornogeschäft für andere Berufsfelder unmöglich?

Bach: Das mag sein. Ich hatte ein Vorstellungsgespräch bei einem Fernsehsender in Berlin, wo der Chefredakteur meinte, ich sei ja schon ein bisschen vorbelastet. Die Stelle hab’ ich nicht gekriegt. Ich bin gespannt, was danach kommt. Ursprünglich wollte ich es zwei Jahre lang machen, dann mit spätestens 30 aufhören. Jetzt bin ich 31, und mein jüngerer Bruder fragt schon andauernd, wann es so weit ist. Ich weiß es nicht, spätestens dann, wenn ich den Mann meiner Träume getroffen habe.

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