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Kultur

Tabakfabrik: Es kommt Leben in die Linzer „Tschickbude“

Von Peter Grubmüller   13. Dezember 2011 00:04 Uhr

Die Tabakfabrik-Gesellschaft verhandelt mit Firmen und Kulturvereinen über die Vermietung.

Die Zwischennutzung der Linzer Tabakfabrik kommt nun doch im größeren Stil in Bewegung. Der Aufsichtsrat der „Tabakfabrik Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft“ verhandelt mit vier Wirtschaftsunternehmen und einem Kulturverein, die sich auf dem denkmalgeschützten Areal einmieten wollen.

Das Ars Electronica Center steht mit seinem neu geschaffenen Geschäftsbereich Ars Electronica Solutions als Mieter in der Tabakfabrik genauso fest wie die „Creative.Region Linz&Upper Austria GmbH“, die sich um die Positionierung Oberösterreichs als Kreativwirtschaftsstandort bemüht. Die Linzer Kunst-, Kultur- und Tanzinitiative „RedSapata“, das Architektur-Unternehmen „Kleboth Lindinger Partners“, die IT-Experten der Firma „Netural“, die Baufirma „Alpine“ und ein weiteres Unternehmen, das noch nicht genannt werden möchte, wollen ebenfalls in die Tabakfabrik einziehen.

Gestern entschied der Aufsichtsrat der „Tabakfabrik Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft“ einstimmig, die Verhandlungen mit den genannten Bewerbern aufzunehmen. Außerdem entschloss man sich, das stillgelegte Kraftwerk auf dem Tabakfabrik-Areal mit einem Aufzug und Fluchtwegen auszustatten, um in diesem Bereich ein Gastronomie- und Veranstaltungskonzept voranzutreiben. „Netural“ und „Kleboth Lindinger Partners“ sollen ab Juli 2012 insgesamt rund 80 Beschäftigte im „Bauwerk 2“ unterbringen, „RedSapata“ wird der 800 Quadratmeter große Bereich der ehemaligen „Endverpackung“ angeboten, und sofern der Vertrag mit „Alpine“ zustande kommt, wird das Bauunternehmen 82 rund 17 Quadratmeter große Büroboxen im ersten Stock von „Bauwerk 1“ (3000 Quadratmeter, 150 Mitarbeiter) an der Donaulände aufstellen.

In die denkmalgeschützte Bausubstanz wird demnach nicht eingegriffen. Aufsichtsratsvorsitzender und Finanzstadtrat Johann Mayr: „Möglicherweise übernehmen wir diese Boxen dann um den Preis des Zeitwerts, weil Alpine die Räumlichkeiten nur bis 31. März 2014 benötigt.“ Bis dann soll ohnehin feststehen, was mit der Tabakfabrik geschieht. Gerhard Haderer, OÖNachrichten-Karikaturist und Mitglied im Zwischennutzungsausschuss: „Das wird Ende 2013 beschlossen.“ Mit allen anderen Mietern strebt der Aufsichtsrat unbefristete Verträge an, weil „wir Flexibilität und die Firmen Sicherheit brauchen“, sagt Mayr.

Wie die Tabakfabrik bis Ende 2013 bespielt wird, das hängt ab 1. Jänner 2012 wesentlich von Chris Müller ab. Der Künstler und Kulturmanager stellte sich gestern als neuer Koordinator für die Zwischennutzung vor (lesen Sie dazu das nebenstehende Interview).

Im Linzer Wirtschaftsplan sind für die Zwischennutzung 2012 541.000 Euro an Aufwendungen veranschlagt, denen Erträge von 215.000 Euro gegenüberstehen. Die Stadt Linz und die städtische Immobiliengesellschaft gleichen das negative Betriebsergebnis aus.

 

Fünf Fragen an Chris Müller

Der 38-Jährige ist einer der unruhigsten Kulturgeister im Lande. Er studierte Bildhauerei, ist Konzeptkünstler, Dokumentarfilmer, Intendant des „Theaters Hausruck“ und ab 1. Jänner Koordinator für die Zwischennutzung der Linzer Tabakfabrik.

OÖN: Was haben Sie als Koordinator für die Zwischennutzung zu tun?
Müller: Ich bin Assistent der Geschäftsleitung, zusammen mit Christian Rois, der für das Budget verantwortlich ist. Rois wird meine Ideen innerhalb der Rahmenbedingungen richtig dimensionieren.
OÖN: Und Sie sind die Anlaufstelle für Künstler, Vereine, Unternehmen...
Müller: Ja, zurzeit gibt es zwischen 20 und 30 Anfragen pro Monat. Ich wähle die Projekte aus, überlege mit den Interessierten Konzepte und Machbarkeiten. Einmal im Monat lege ich meine Empfehlungen dem Vorstand, der sich hoffentlich auf uns verlässt, vor.
OÖN: Welche Ideen bringen Sie selbst ein?
Müller: Mein Job beginnt am 1. Jänner, dann verrate ich mehr. Die Tabakfabrik ist ein Traumgelände. Es ist ein Spannungsraum zwischen Künstlern, für die in unserem Hof auch Unkraut wachsen darf, und schön designter Wirtschaft. Ich werde auch Künstler zur Mitarbeit auffordern. Und – das klingt jetzt provokant – die Tabakfabrik könnte ein Gegenstück zum aalglatten, ausfinanzierten Offenen Kulturhaus OK werden.

 

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