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Kultur

TV-Serientäter dringend gesucht

Von Von Julia Evers   10. Juni 2010 00:04 Uhr

Serientäter dringend gesucht
„Die Sopranos“ , Hurley aus „Lost“ oder Jack Bauer aus „24“ – Nachfolger für die US-amerikanischen Erfolgsserien sind derzeit nicht in Sicht.

Überleben nach dem Flugzeugabsturz oder in der Mafiafamilie und Präsidenten beschützen in Echtzeit – Serieninnovationen wie „Lost“, „Sopranos“ oder „24“ lassen auf sich warten. Und während Serien den Filmen immer mehr das Wasser abgraben, macht das Internet dasselbe beim Fernsehen.

„Ganz klar, die großen Innovationen haben wir dieses Jahr nicht gesehen.“ ORF-Film- und Serienchefin Andrea Bogad-Radatz ist aus Los Angeles zurückgekehrt. Jedes Jahr führen die großen Hollywood-Studios ihr und Kollegen aus aller Welt eine Woche lang ihre neuen Projekte vor – nur ein Bruchteil der teuren Pilotfilme geht auch in Serie, noch weniger schaffen den Sprung über den Atlantik in unsere Wohnzimmer.

„In die Pilotfilme investieren die Studios nach wie vor viel Geld, teilweise sogar mehr als zehn Millionen Dollar. Die Optik verspricht Spielfilm-Qualität.“ Doch auch wenn bei der Optik und der Ausstattung alles in die Waagschale geworfen wird – inhaltlich traut sich gerade kein US-Studio Experimente zu. „Überdurchschnittlich viele Anwalts- und Gerichtsserien“ hat Bogad-Radatz heuer in Los Angeles vorgesetzt bekommen. „Sehr gesprächslastig, um nicht zu sagen langweilig“, präzisiert die Film- und Serienchefin. „Die Studios wollen auf Nummer sicher gehen“, analysiert sie. Anwaltsserien hätten sich stets bewährt, obwohl auf diesem Sektor schon lange nichts Neues und Innovatives mehr entstanden sei. „Immerhin bieten sie viel Potenzial für einzelne Geschichten.“ So wie Krankenhausserien. Mit denen wurden die Redakteure im vorigen Jahr überschwemmt – heuer im Herbst kommen sie zu uns ins Fernsehen. „Aber diesmal nicht aus der Perspektive von Ärzten, sondern von Krankenschwestern.“

Auch das keine wirkliche Innovation – die Entstehung der letzten am Seriensektor wie „24“ oder „Lost“ sind schon wieder mehr als fünf Jahre her. Beides waren Projekte, bei denen vor allem der fortlaufende Charakter die Fans fesselte. Für DVD-Boxen ein großartiges Verkaufsargument, für Fernsehsender eher abschreckend: „Das Publikum ist im TV leichter für in sich abgeschlossene Folgen zu begeistern“, sagt Christoph Brunmayr von ATV: „Bei herkömmlichen Serien gewinnen wir im Laufe der Zeit Seher dazu, bei fortlaufenden wie „24“ verlieren wir – weil jemand, der zwei Ausstrahlungen versäumt hat, nicht mehr reinfindet.“ Trotz in sich abgeschlossener Teilepisoden enttäuschte auch das mit unzähligen Vorschusslorbeeren bedachte Nachfolge-Projekt der „Lost“-Macher „Flash Forward“. „Hier konnte die Serie das Versprechen des Piloten einfach nicht halten“, kritisiert Bogad-Radatz. Deutlich sei dadurch zumindest eines geworden: „Erfolge lassen sich nicht am Reißbrett entwerfen.“

Dennoch: Amerikanische Serien sind für beide Sender eine Notwendigkeit. „Eine Folge einer eigenproduzierten Serie kostet uns 500.000 bis 600.000 Euro – eine Folge einer US-amerikanischen auszustrahlen weniger als ein Zehntel“, sagt Bogad-Radatz: „Außerdem gelingt es uns noch immer nicht wirklich, mit österreichischen oder deutschen Serien das junge Publikum unter 29 Jahren zu begeistern.“

Auch ATV kann auf die US- Serienware nicht verzichten. „Unseren Sendeplatz nur mit Eigenproduktionen zu befüllen, könnten wir uns nicht leisten“, sagt Brunmayr. Sogar die Herstellung der Doku-Soaps wie „Teenager werden Mütter“ und „Bauer sucht Frau“ sei kostspieliger, als Serien zu zeigen.

Problem Synchronisation

Der Konkurrenz der DVD-Boxen und des Internets stehen beide Sender noch hilflos gegenüber. „Wir müssen halt mit der Ausstrahlung immer warten, bis es eine deutsche Fassung gibt“, sagt Brunmayr. „Die echten Fans kommen uns da natürlich zuvor.“

Den US-Studios, die durch Drehbuchautorenstreik und Finanzkrise ohnehin schon Federn lassen mussten, droht mit dem Serienmarkt gerade ein weiteres Standbein einzuknicken. Die Erfolgs-Serie, die sie aus diesem Dilemma befreit, ist derzeit nicht in Sicht.

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