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Kultur

Stella Rollig: "Völlig unerwartete Möglichkeit"

Von Peter Grubmüller   18. Oktober 2016 00:04 Uhr

Lentos-Chefin übernimmt Belvedere
Die beiden neuen Direktoren wurden gestern präsentiert.

Ihr Vertrag im Lentos wäre noch bis 2019 gelaufen, dennoch wird die künstlerische Direktorin Stella Rollig das Linzer Kunstmuseum kurz vor Weihnachten verlassen.

Gestern wurde die 56-Jährige von Kulturminister Thomas Drozda als neue Chefin des Wiener Belvedere präsentiert - nachrichten.at berichtete. Sie folgt damit am 16. Jänner der wegen des Verdachts der Untreue nicht verlängerten Agnes Husslein-Arco nach. Rollig wird mit Wolfgang Bergmann ein kaufmännischer Geschäftsführer zur Seite gestellt. Der 53-jährige Niederösterreicher leitete 16 Jahre lang die Geschäfte der Tageszeitung "Standard" und hatte sich unter anderem für Führungspositionen beim ORF ins Spiel gebracht, kam dort aber nicht zum Zug.

Überraschende Möglichkeit

"Ich habe mich beworben, weil das Belvedere eines der glanzvollsten, renommiertesten Museen Österreichs ist. Diese Möglichkeit hat sich für mich völlig unerwartet ergeben", sagt Rollig im Gespräch mit den OÖN. Vizebürgermeister Bernhard Baier (ÖVP), als Vorsitzender des Verwaltungsausschusses der Linzer Museen Rolligs Chef, kündigte ein "ehebaldigstes Ausschreibungsverfahren" zur Neubesetzung an. "Bis Mitte 2017 muss das entschieden sein", sagt Baier. Größere Eile sei nicht erforderlich, "weil das Lentos-Jahr 2017 so gut wie fertig geplant ist und die Vorbereitungen für 2018 laufen." Eine gemeinsame künstlerische Leitung für Lentos und Stadtmuseum Nordico, das Andrea Bina leitet, schließt Baier wegen der inhaltlichen Unterschiede der beiden Häuser aus.

Als gebürtige Wienerin sei Rollig seit ihrem Amtsantritt am 1. Mai 2004 im Lentos glücklich gewesen, "aber ich habe familiär bedingt – meine betagten Eltern und meine Schwester leben in Wien – vielleicht nicht ein Bein, aber eine Zehe in der Bundeshauptstadt behalten". Rollig wehrt sich dagegen, Bilanz zu ziehen, weil ihr Arbeitsalltag noch gut zwei Monate lang in Linz stattfindet. Sie habe hier jedenfalls "politisches Handwerk und die Rechteklärung bei Kunstwerken" gelernt – insgesamt "war es schon sehr mutig von Linz, mich ohne Museumserfahrung zu berufen". Ihr Lentos-Nachfolger sollte mit "Durchsetzungsvermögen, Ausdauer und eigener Vision" ausgestattet sein, um die vielen Linzer "Zurufe" abwehren zu können. Was werde sie vermissen? "Das "Schwimmen in der Donau am Urfahraner Strand."

Ihr neuer Arbeitsplatz sind das Untere und das Obere Belvedere, das 21er Haus und nur noch 2017 das Winterpalais, dessen Mietvertrag das Finanzministerium gekündigt hat. Rund eine Million Menschen besuchen den mit gut 10 Millionen Euro ausgestatteten Museumskoloss pro Jahr. Budget von Lentos und Nordico: insgesamt 4,5 Millionen Euro.

Museum – Medienunternehmen

Das mit imperialer Geschichte und vor allem mit der Erinnerung an den Staatsvertrag aufgeladene Belvedere bedeute für Rollig die Verpflichtung, das Haus inhaltlich dementsprechend zu bearbeiten. Nämlich: "Mit Ausstellungen um die kulturelle Identität Österreichs in Europa – vor dem Hintergrund der globalisierten Welt." Das Untere Belvedere werde das Haus für Wechselausstellungen zum Thema "Wien um 1900 und beginnende Moderne" werden. In der Orangerie plane sie vor allem Einzelausstellungen. Das 21er Haus konzipiere sie mit Kunst aus den 60er-Jahren bis heute. Insgesamt will sie das Museum wie ein Medienunternehmen denken: "Inhalte generieren, Geschichten schreiben und – vom Ausstellungsbetrieb unabhängig – digi-tale Bildungsangebote gestalten."

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