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Kultur

Skandälchen und Skandale einer Linzer Aufklärerin

Von Peter Grubmüller   09. November 2017 00:04 Uhr

Skandälchen und Skandale einer Linzer Aufklärerin
Valie Export, Kultur-Stadträtin Doris Lang-Mayerhofer und Lentos-Chefin Hemma Schmutz (v.l.)

"Valie Export – Archiv als Ort künstlerischer Forschung" im Lentos.

Wie zwei Gehirnhälften möchte Kuratorin Sabine Folie die Ausstellung in den beiden Räumen im Untergeschoß des Kunstmuseums Lentos verstanden wissen, die begleitend (bis 28. Jänner) zur morgigen Eröffnung des "Valie Export Centers" (Tabakfabrik) zu sehen ist. Im rechten Raum geben Diagramme und Grafiken einen Überblick über die Struktur des Archivs, in dem der von der Stadt Linz um 700.000 Euro gekaufte Vorlass der Medienkunst-Ikone beforscht und gepflegt wird (ohne fixes Budget und bis gestern ohne Leitung).

In Vitrinen sind Korrespondenzen (unter anderem mit Alice Schwarzer), Artikel über Valie Exports Pornografieprozess (1971) und die schriftlich ausgetragene Debatte über ihren Beitrag zur Venedig-Biennale 1980 nachzulesen. Verblüffende Skandälchen und Skandale begleiteten die künstlerische Wirkung der 1940 in Linz geborenen, aufklärerischen Kunst-Performerin. Im zweiten Raum sind ihre Filme und Plakate wie Spuren eines künstlerischen Vermächtnisses ausgelegt. Hier die Theorie, dort die Praxis.

Skandälchen und Skandale einer Linzer Aufklärerin
Eine "Gehirnhälfte" der Ausstellung im Lentos

Eine "Gehirnhälfte" der Ausstellung im Lentos

Es greift zu kurz, Valie Exports Kunst als inszenierten Akt sexueller Befreiung zu betrachten. Sie schnappte die Menschen bei deren Ritualen, bei deren tradierten Reflexen und strengte Denkprozesse über Haltungen, Mann-Frau-Beziehungen und Feminismus an. Valie Export ist ein Kapitel Kunst- und Zeitgeschichte.

"Mund schneller aufmachen"

Welche Reflexe sie selbst spüre, sofern sie von sexueller Belästigung durch Politiker Peter Pilz oder Filmproduzent Harvey Weinstein höre? "Diesen Sexismus und diese Eingriffe hat es schon immer gegeben", sagt Valie Export, "aber der Feminismus der 60er- und 70er-Jahre hat hoffentlich dazu beigetragen, dass Frauen ihren Mund schneller aufmachen. Gleichstellung von Mann und Frau hat mit den sexuellen Verhältnissen nichts zu tun. Das einzige Hindernis dafür ist, dass Frauen noch immer weniger als Männer verdienen. Das ist der Grund allen Übels."

Nicht nur mit diesem Ankauf übernimmt die öffentliche Hand kulturelle Verantwortung. Lentos-Chefin Hemma Schmutz führte außerdem den wichtigen, 1992 vom damaligen Landesgalerie-Chef Peter Assmann herausgegebenen Valie-Export-Katalog als Beispiel an. Es ist Verpflichtung, bei Valie Exports Vermächtnis nicht zu sparen.

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