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Kultur

Reaktionen auf Tod von Ludwig Hirsch

Von nachrichten.at   24. November 2011 12:28 Uhr

Ludwig Hirsch ist tot

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"Ludwig Hirsch hat an den Wänden gekratzt, um dahinter zu schauen, was los ist", sagte sein Manager Karl Scheibmaier nach dem Tod von Ludwig Hirsch (65). Ganz Österreich trauert um den bekannten Liedermacher.

Tief betroffen vom Ableben des Musikers zeigte sich dessen langjähriger Manager Karl Scheibmaier. "Es ist jemand von uns gegangen, der für mich einer der größten Künstler der vergangenen 70 Jahre war. Ludwig Hirsch hat Sachen niedergeschrieben, die niemand sonst gemacht hat." Scheibmaier strich auch Hirschs Poesie und seinen Mut hervor, "Sachen von der Bühne runter zu sagen", was sonst kaum jemand gewagt habe.

Als Wiener Poet habe der Sänger eine große Rolle gespielt, er sei ja nur "zufällig" in der Steiermark auf die Welt gekommen, bezog sich Scheibmaier auf ein öfters von Hirsch getätigtes Statement. "Ludwig Hirsch hat an den Wänden gekratzt, um dahinter zu schauen, was los ist", so der Manager, der aber auch Hirsch als private Persönlichkeit sehr zu schätzen wusste. "Er ist in meinem Leben jemand gewesen, der von einer ungeheuren Zärtlichkeit war - auch anderen Gegenüber. Auf den Tourneen hatte man das Gefühl einer großen Familie."

Fendrich: "ein Seelenfreund"

Musikerkollege Rainhard Fendrich zeigte sich angesichts des Ablebens von Ludwig Hirsch in einer ersten Reaktion "tief traurig, bestürzt und erschüttert darüber, wie verzweifelt ein Mensch sein muss in dem Moment, wo er beschließt, seinem Leben ein Ende zu setzen". Er habe Hirsch "als exzellenten Schauspieler und als introvertierten, sehr feinsinnigen Künstler" kennengelernt, "der mit seiner Stimme Menschen verzaubern konnte", wie Fendrich in einer Aussendung mitteilen ließ.

"Er war ein Seelenfreund, den ich sehr geschätzt habe", so Fendrich, der sich derzeit in Spanien aufhält. Beide hätte ihre Liebe zum Theater besonders verbunden. "Er war für mich eine Art Initialzündung dafür, dass man als Schauspieler auch ein erfolgreicher Sänger werden kann." Fendrich wünscht ihm, "dass ihn sein 'großer, schwarzer Vogel' dorthin getragen hat, wo alle seine Qualen ein Ende haben".

Auch für Marianne Mendt "ist wieder ein ganz Großer gegangen". "Ich bin schockiert und traurig." Betroffen zeigte sich auch der Seifert Verlag, der im vergangenen Jahr Hirsch Textsammlung "Ich weiß es nicht, wohin die Engel fliegen" veröffentlichte, in einer Aussendung. Man habe ihn als einen "gewissenhaft und unbeirrbar seinem Künstlertum" verpflichteten Menschen kennengelernt, der bescheiden und zurückhaltend "stets seinen hohen Prinzipien gehorchte".

Nicht nur als Liedermacher und Schauspieler wurde Ludwig Hirsch gewürdigt: "Er war auch ein österreichischer Autor mit Wurzeln in der neuen österreichischen Dialektdichtung", so IG Autoren-Geschäftsführer Gerhard Ruiss. Hirsch sei zwar "wie viele andere Künstler dieser Zeit genauso von der Austro-Pop-Welle erfasst" worden, "er war und blieb aber immer der Künstler, der er von Beginn seiner ersten literarisch-musikalischen Auftritte an war". "Es ist also kein Wunder, dass der Austro-Pop durch ihn mitgeprägt wurde und nicht umgekehrt der Austro-Pop ihm seinen Stempel aufgedrückt hat."

"Es gab und gibt keinen zweiten, der auf eine ihm verwandte oder ähnliche Art geschrieben, komponiert und interpretiert hat, eindringlich statt aufdringlich, zurückgenommen statt herausplatzend, überzeugend statt parolenhaft", betonte Ruiss. "Ludwig Hirsch bleibt. Zum Nachlesen, zum Nachhören. In unserem Gedächtnis, in unserer Erinnerung. Wir trauern mit seinen Freunden und seiner Familie."

Schmied:"Stimme der Gegenkultur"

"Sein tragischer Tod beraubt Österreich einer wichtigen Stimme der Gegenkultur", sagt Bundesministerin Claudia Schmied: "Wir werden ihn als Schauspieler, Liedermacher, Erzähler und als Mensch, dem man gerne zuhörte, vermissen. Er begeisterte durch sein Anderssein in einem Umfeld, das hauptsächlich Glück und Erfolg in den Mittelpunkt stellte. Er entlarvte diese Welt als Scheinwelt und trotzte allen Anpassungsbestrebungen", so die Ministerin weiter.

Mailath-Pokorny: "Tabufreie Geschichten"

Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny würdigte Hirsch als "erfolgreichen und feinsinnigen Anwalt seiner Geschichten". "Er hörte, was andere nicht hören oder nicht hören wollen; sah, was andere nicht sehen oder nicht sehen wollen." Mit seinem ersten Album "Dunkelgraue Lieder" habe "ein Humor in Österreich Einzug gehalten, dessen Gänsehaut man sich als Zuhörer nicht entziehen konnte." Mit seinen tabufreien Geschichten stehe er "in der Tradition großer Namen wie Randy Newman und Georg Kreisler, die schwarz bis bitter, bissig und zynisch, kritisch oder aggressiv ihr Umfeld pflügen"

Der Direktor des Wiener Volkstheaters, Michael Schottenberg, bezeichnete Ludwig Hirsch als "ganz Zärtlichen, ein ganz Leiser, der mir das Wiener Lied näher gebracht hat". "Mit ihm hat uns einer der sensibelsten Künstler Österreichs verlassen. In seinen Liedern lebt er aber für uns alle weiter", so Schottenberg.

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