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Peter Weibel: „Die Kunstszene hat abgedankt“

Von Peter Grubmüller, 07. August 2013, 00:04 Uhr
„Die Kunstszene hat abgedankt“
Peter Weibel über Gerhard Rühm und die Popularisierung der Kunst Bild: Privat

Peter Weibel wird am Donnerstag in Gmunden das „Fest für Gerhard Rühm“ eröffnen - Die Medienkunst-Ikone sprach mit den OÖN über Rühm und die Popularisierung der Kunst.

Der in Ried im Innkreis aufgewachsene und international gefragte Medienkünstler Peter Weibel wird morgen (18 Uhr) bei den Salzkammergut Festwochen Gmunden die Eröffnungsrede halten, wenn dem Wort-, Musik- und bildenden Künstler Gerhard Rühm bis Sonntag ein Fest gemacht wird.

OÖNachrichten: Wie haben Sie und Gerhard Rühm zueinander gefunden?

Peter Weibel: Zwischen 1964 und 1966, er war im Exil in Berlin und hat Wien immer wieder besucht, weil er an der Anthologie „Die Wiener Gruppe“ gearbeitet hat. Bekannt war er mir schon vorher wegen seiner Ein-Ton-Musik, seiner Einworttafeln, seiner Würfel- und Schiebetexte und so weiter. Es war das Hochamt der Reduktion.

Was halten Sie von der These, die von Rühm mitgeprägte konkrete Poesie sei gescheitert?

Ganz im Gegenteil! Was damals vor 50, 60 Jahren erfunden wurde, ist tief in die Alltagskultur eingedrungen. Die Werbung macht das nach, Sie erinnern sich sicher an das das Wort „schreIBMaschine“, von dem IBM die drei Großbuchstaben für sich entdeckt hat. Oder die Übernahme der phonetischen Schreibweise und viele Sachen von Jandl, etwa „lechts und rinks kann man nicht velwechsern“. All diese sprachlichen Techniken hat die Trivial- und Massenkultur übernommen. Ich würde sagen: Das Gefährliche an der konkreten Poesie war ihr Triumph bei den Massenmedien.

Sehen Sie ähnliche Literatur-Innovationen in der Gegenwart?

Leider nicht. Alles bewegte sich Ende der 70er Jahre zurück zur großen Erzählung. Erinnern Sie sich nur an Handke, der früher mit Fluxus und Happening ähnlichen Theaterstücken experimentiert hat. Dann hat er angefangen, Romane zu schreiben. Seitdem hat sich literarisch im deutschsprachigen Raum wenig getan.

Woran liegt das?

Der Kulturbegriff hat sich durch die Massenmedien in die falsche Richtung bewegt. Alles ist Lifestyle, Mode und Kunst. Stellen Sie sich vor: Isabelle Huppert, die Schauspielerin, ist in Salzburg Kuratorin einer Ausstellung von Mapplethorpe. Und die ehemalige Herausgeberin des Magazins „Artforum“ ist jetzt „Vogue“-Chefin.

Das heißt, Kunst ist eine Trophäe geworden?

Genau. Der Rapper Jay-Z, der Ehemann von Beyoncé, hat in einer New Yorker Galerie ein Musikvideo gedreht. Die Celebrity-Kultur hat sich die Kunst geschnappt, nur ist diese Kultur von Massenmedien abhängig, sonst wird man kein Star. Leute wie die isländische Sängerin Björk, die sich dagegen ein wenig aufgelehnt haben, sind wieder in der Dunkelheit verschwunden.

Umgekehrt hatte Kunst auch noch nie so viel Publikum.

Richtig, aber welche Art von Kunst ist das? Nehmen wir die berühmte Skulptur von Martin Kippenberger „Straßenlaterne an Betrunkene“, deren Mast wild verbogen ist. Wenn die Skulptur tatsächlich etwas Relevantes aussagen würde, also auch etwas über Raum und Zeit, dann wäre sie nicht so populär. Die Wissenschaft hat sich nie zur Popularität verbogen. Die Kunstszene erniedrigt sich selbst, die Kunstszene hat abgedankt.

Wie entkommt man dieser Spirale der Popularität?

Sie muss sich neue Bereiche erschließen. Das geschieht auch, aber nicht in Europa, weil hier alles in Agonie verharrt. Es finden in Mitteleuropa auch keine Proteste statt, sondern in der Türkei, in Ägypten, in Indien, in Brasilien und so weiter. Sie werden sehen, dort wird neue Kunst entstehen.

Krisen verursachen Kunst?

Nein. Die Kunst braucht natürlich Mäzene. Das ist seit der Renaissance so. Nur damals waren es gebildete Mäzene. Leider haben die Dadaisten Alle Macht den Amateuren gefordert. Heute haben wir die Amateure überall: in Politik und Kunst. Die heutigen Sammler sind keine Renaissance-Fürsten. Sie sind Emporkömmlinge mit vulgärem Geschmack, der Zeitgeist hat einen vulgären Geschmack. Und die Kunst produziert, was diesen vulgären Geschmack befriedigt.

 

Salzkammergut-Festwochen Gmunden

 „Ein Fest für Gerhard Rühm“, 8. bis 11. August: Bis 1996 war Gerhard Rühm, einst Mitglied der „Wiener Gruppe“, Professor an der Uni für bildende Künste Hamburg. Mit 83 Jahren arbeitet er heute noch täglich an seinen vielen Kunst-Disziplinen.

8. August

Kammerhofgalerie Gmunden, 18 Uhr: Ausstellung (Zeitungsbilder), Gespräch.

9. August

Stadttheater Gmunden, 16 Uhr: Lesung, Gespräch, Referat, Konzert (Rühm spielt meditative Klaviermusik).

10. August

Stadttheater, kleiner Kinosaal, 11 Uhr: Filme von Rühm und Hubert Sielecki.

Hipphalle, 16 Uhr: Vortrag, Lesung, Gespräch, Sprechkonzert.

11. August

Stadttheater, 11 Uhr: zwei Filme mit Einführung von Gerhard Rühm.

16 Uhr: Vortrag, Lesung, Gespräch (u.a. mit Friedrich Achleitner, Christian Ludwig Attersee).

Info: www.festwochen-gmunden.at; 07612/70630
 

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