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Kultur

"Paranormal Activity": Mini-Budget, maximaler Grusel

Von Von Ludwig Heinrich aus Berlin   17. November 2009 00:04 Uhr

Mit Mini-Budget drehte Oren Peli den Horrorfilm des Jahres.

Mit seinem Gruselfilm „Paranormal Activity“ schaffte der gebürtige Israeli Oren Peli die Kinosensation des Jahres. Mit einfachstem Aufwand in kürzester Zeit produziert, wurde der Film in den USA zum Millionenerfolg. Ab 20. November läuft er auch in Österreich. Die OÖNachrichten trafen den 39-Jährigen im Berliner Hotel „Ellington“ zum Interview.

OÖN: Erinnern Sie sich noch an die Geburtsstunde dieses Projekts?

Peli: Ganz genau. Es war im Jahr 2003. Ich hatte mit meiner damaligen Freundin ein neues Haus bezogen. Nachts hörten wir auf einmal lautes Poltern. Gut, dachte ich, wenn man ein Haus einrichtet, kann es sicher zu gewissen undefinierbaren Geräuschen kommen. Dann fiel, wieder mitten in der Nacht, ein Waschmittelbehälter vom Regal. Wir waren zu Tode erschrocken. Ich, gelernter Software-Programmierer, überlegte daraufhin, eine Videokamera aufzustellen und die ganze Nacht laufen zu lassen. Ich machte es dann aber doch nicht.

OÖN: Aber es ging Ihnen letztendlich nicht aus dem Kopf?

Peli: Offensichtlich. Ich dachte mir dann die Geschichte eines jungen Paares, Katie und Micah, aus, das sein erstes gemeinsames Haus bezieht, aber zu nächtlicher Stunde immer unheimliche Geräusche hört. Micah entschließt sich, am Fußende des Bettes eine professionelle HD-Kamera zu befestigen, um dem Spuk auf die Spur zu kommen. 21 Nächte wird gefilmt, Nächte, in denen Katie und Micah kaum zum Schlafen kommen. Es wird immer unheimlicher. Und dann passiert Schreckliches.

OÖN: Wie weit waren Sie vom seinerzeitigen Überraschungserfolg „The Blair Witch Project“ beeinflusst?

Peli: Insofern, als ich gelernt habe: Du brauchst nur eine gute Idee und eine Kamera. Dann ist alles möglich.

OÖN: Sie haben ein Mini-Budget gehabt. Wie viel war es wirklich?

Peli: Alles in allem, mit Nachbearbeitung, 15.000 Dollar. Gefilmt haben wir insgesamt sieben Tage.

OÖN: In den USA wird „Paranormal Activity“ diese Woche die 100-Millionen-Dollar-Einspielgrenze überschreiten. Sie sind quasi zum Über-Nacht-Millionär geworden?

Peli: Solche Zahlen sind im Moment für mich das wirklich Unheimliche. Am liebsten möchte ich nicht darüber reden.

OÖN: Wie haben Sie sich auf den Dreh vorbereitet?

Peli: Mit einschlägiger Literatur. Dabei habe ich gelernt, dass es einen Unterschied zwischen Geistern und Dämonen gibt. Geister wollen den Menschen prinzipiell nichts Böses antun. Dämonen schon. Sie sind urböse – und mächtig. Klar hab’ ich mich dann entschieden, dass das unheimliche Wesen in meinem Film ein Dämon ist.

OÖN: Und warum, glauben Sie, funktioniert das beim Publikum so gut?

Peli: Weil sich jeder fürchtet, nachts Unheimliches zu erleben. Aber im Kino kann man sich schön fürchten, am Ende aufstehen und fröhlich nach Hause gehen. Der Kinobesucher macht die Erfahrung der Angst, ohne dass er sich wirklich in Gefahr befindet.

OÖN: Bei welchem Film haben Sie sich am meisten gefürchtet?

Peli: Das war „Der Exorzist“. Ich habe ihn als Kind gesehen und habe wochenlang nicht geschlafen.

OÖN: Kein Geringerer als Steven Spielberg war von Ihrer Arbeit begeistert und hat Ihnen geholfen, den Film, der vorher als Geheimtipp bei einschlägigen Festivals galt, offiziell in die Kinos zu bringen?

Peli: Wobei man mir zunächst Geld geben wollte, um ein „Hochglanz“-Remake zu drehen. Ich überzeugte die Studioverantwortlichen jedoch, sich den Film einmal nicht auf DVD, sondern vor Publikum auf großer Leinwand anzusehen. Von den Publikumsreaktionen waren sie dann so beeindruckt, dass das „Remake“ sofort vergessen war.

OÖN: Spielberg, der Mann, aus dessen Küche immerhin „Poltergeist“ stammt, soll sich beim Anschauen von „Paranormal Activity“ ordentlich gefürchtet haben. Ein Reklamegag?

Peli: Das habe ich auch geglaubt. Doch dann haben mir mehrere DreamWorks-Mitglieder versichert, dass es stimmte. Spielberg hatte sich die DVD nachts angeschaut. Dann bekam er jedoch so sehr die Gänsehaut, dass er beschloss, die Vorführung auf 8.30 Uhr morgens zu verschieben. In der Folge passierte es, dass sich seine Schlafzimmertür von innen verschloss und nicht aufzukriegen war. Er rief einen Schlosser an, der quälte sich vergeblich und schaffte es erst, indem er das Schloss mit einer Spezialsäge aus der Tür schnitt. Steven Spielberg wollte daraufhin die DVD nicht mehr im Haus haben und brachte sie zur Entsorgung in sein Büro.

OÖN: Schon arbeiten Sie an Ihrem nächsten Projekt, dem Sci-Fi-Horrorthriller „Area 51“. Diesmal haben Sie immerhin ein Budget von fünf Millionen Dollar?

Peli: Trotzdem glaube ich weiterhin, dass die Geschichte wichtiger ist als das Budget.

OÖN: Würden Sie nicht gerne einmal mit großen Stars drehen?

Peli: Warum nicht? Auf Anhieb fallen mir Edward Norton und Natalie Portman ein. Aber es gibt sicher einige mehr.

OÖN: Ihr Haus hat Ihnen den unheimlichen Dreh verziehen?

Peli: Scheint so. Ich habe derzeit so viel zu tun, dass ich mich jedes Mal freue, wenn ich mich in meinem Haus ausschlafen kann. Und da schlafe ich tief und ruhig. Ohne Dämonen.

OÖN: Glauben Sie an parapsychologische Phänomena?

Peli: Ich bin Realist. Ich glaube nur, was ich selbst sehe.

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