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Nova Rock Tag1: Staub, Punkrock und Weltuntergang light

Von Lukas Luger aus Nickelsdorf, 09. Juni 2012, 11:00 Uhr
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Bildergalerie Nova Rock 2012: Staub, Punkrock und Weltuntergang light
Bild: epa

Groß angekündigt und doch nicht gekommen: Das schwere Unwetter hat einen Bogen um das Nova Rock 2012 gemacht. Dafür sind die Bands alle gekommen. Überschattet wird Österreichs größtes Rockfestival von einem tragischen Todesfall.

Das erste musikalische Ausrufezeichen beim diesjährigen Nova Rock im burgenländischen Nickelsdorf setzen am Nachmittag The Gaslight Anthem aus New Jersey. In ihrer Heimat füllen die Mannen um Sänger und Songschreiber Brian Fallon mit ihrem klassischen, gefühlsbetonten Americana-Rock, irgendwo zwischen dem frühen Springsteen und Tom Petty, große Hallen. Mit den großartigen Songs des Ende Juli erscheinenden neuen Albums „Handwritten“ könnte nun auch auf dem europäischen Festland der Durchbruch gelingen. Insbesondere die erste Single „45“ sowie die Band-Klassiker „Old White Lincoln“ und „The 59 Sound“ wissen am Freitag die  Menge nachhaltig zu begeistern. Ebenfalls sehr schön: das flotte Cover von The Who’s „Baba O’Riley“.

Von Pete Townsends vielzitiertem „Teenage Wasteland“ geht’s direkt weiter ins Land der Pomade, des Hüftschwungs und der Haartollen. Richtig, die deutsche Spaßband „The Baseballs“ ist an der Reihe und bringt mit ihren abgenudelten Rockabilly-Interpretationen leidlich bekannter Chartshits (Lady Gaga, Rihanna, Katy Perry und retour) selbst die ganz harten Jungs zum Fingerschnippen und Mittanzen. Worin genau die  Faszination dieses sich mit jedem Song mehr und mehr ermüdenden musikalischen Witzes genau besteht, wird dem Rezensenten aber ewig verborgen bleiben.

Warum die Lieder der in Ehren gealterten Senior-Funpunks von „The Offspring“ hingegen immer noch bestens geeignet sind, eine staubige, stinkende und übermüdete Menge aus der Lethargie zu reißen, ist weitaus weniger rätselhaft. Ob „Why Don’t You Get A Job“, „All I Want“ oder „Come Out And Play“ – die hymnischen Melodien der 1-2-3-Haudraufpunksongs sind so simpel wie eingängig, die Texte jederzeit skandierfähig und die Scherze unverfroren dämlich genug, um selbst hartgesottenen Zynikern ein kurzes Lächeln zu entlocken. Subtil ist anders, aber für feine Zwischentöne ist bei einem Metallmoloch wie dem Nova Rock ohnehin kein Platz. Dann kommt das Unwetter.

Oder zumindest eine abgespeckte Light-Version vom Weltuntergang. Vom lange angekündigten Riesengewitter bleiben letztendlich nur leichter Regen, bedrohliche Wolkenungetüme und heftige Windböen übrig. Die große Blue Stage wird für eine Stunde, bis circa 22 Uhr, evakuiert. Der heiß ersehnte Auftritt der reformierten Refused muss nach wenigen Songs abgebrochen, die Sets von Within Temptation und Marilyn Manson aufgrund des heftigen Windes auf der kleineren Red Stage sogar komplett abgesagt werden. 

Den Wetterkapriolen zum Trotz fehlten die typischen Festival-Ingredienzien natürlich auch beim Nova Rock 2012 nicht: von in 1-Liter-Krügen ausgeschenkten alkoholischen Mischgetränken euphorisierte Jungmänner, die unter den beschämt-verärgerten Blicken ihrer kurzberockten Freundinnen über das Steppengelände stolpern, grantige Securitys, T-Shirts mit bemüht originellen Aufdrucken (von „Ich liebe Mama“ bis hin zu „Offizieller Bikini-Inspektor“), schales Bier und vor Fett triefendes Fast Food, dessen Nährwert mit der Verpackung in der sie ausgegeben wird, kaum mithalten kann. „Business as usual“ also.

Scheinbare Normalität, die allerdings jäh zerstört wird. Es macht das Gerücht die Runde, ein junger Mann sei auf dem Weg von der Blue zur Red Stage zusammengebrochen und gestorben. Eine Nachricht, die Veranstalter Ewald Tatar wenig später bestätigt. Ein 24-jähriger Niederösterreicher, der an einem angeborenen Herzfehler litt, verstarb nach 40-minütigen Reanimationsversuchen am Festivalgelände auf dem Weg ins Krankenhaus. Tatar: „Ich bin zum ersten Mal am Nova Rock mit so einem Fall konfrontiert. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen.“

Und plötzlich wird alles zweitrangig: der Dreck, die Staubwolken, die das Festivalgelände einhüllen sowie der teilweise äußerst mittelmäßige Sound. Nur aus Vollständigkeitsgründen: Rise Against, die aufgrund des Wetters ein verkürztes Set spielen, sind kraftvoll, energetisch und gut wie immer. Und Linkin Park? Die sind zumindest laut. Jedes weitere Wort über den Testosteron-strotzenden Brachial-Mischmasch der Kalifornier aus Metal, Rock und Hip-Hop wäre aber dann doch eines zu viel.

Heute Samstag stehen unter anderem Auftritte von Cypress Hill, Billy Talent, Limp Bizkit und Die Toten Hosen auf dem Programm. Sofern der Wettergott sich als Freund harter Gitarrenklänge outet und mitspielt.

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