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Kultur

Neues Museum Berlin: Nofretete ist das Highlight

Von Von Christine Zeiner aus Berlin   20. Oktober 2009 00:04 Uhr

20 Jahre nach Mauerfall schließt sich der Kreis
Nofretete: die ewig gültige Schönheit

Drei Stunden Wartezeit waren üblich, um am Wochenende in das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel zu kommen. Nach 70 Jahren hat das einst zerbombte Museum nun wieder geöffnet: eine außergewöhnliche Ausstellungsstätte.

Wie eine Ruine aufbauen, in die sich so viel hineinprojizieren lässt? Das Bild Preußens etwa als Kulturnation, nicht nur als Kriegsnation. Das Gute, Wahre und Schöne, für jedermann zugänglich: Das Neue Museum war eines der ersten öffentlichen Museen Preußens.

1859 eröffnete es als zweites Haus nach dem Alten Museum auf der Berliner Museumsinsel. Friedrich Wilhelm IV. hatte 1841 erklärt, „die ganze Spree-Insel hinter dem Museum zu einer Freistätte für Kunst und Wissenschaft“ umwandeln zu lassen. 150 Jahre später wird die Museumsinsel mit Altem, Neuem, Bode- und Pergamonmuseum sowie der Alten Nationalgalerie UNESCO-Weltkulturerbe.

Dem deutschen Volke

Mit den Worten „Dem deutschen Volke zur ewigen und ungeteilten Aufbewahrung“ schenkte Heinrich Schliemann dem Museum seine gesamten Funde aus Troja. Doch um seine Anordnung kümmerten sich 70 Jahre später die Sowjets nicht. Auch heute noch befinden sich 1500 der Stücke als Kriegsbeute in Moskau und St. Petersburg.

Im Zweiten Weltkrieg war das Museum zur Ruine geworden: Das Stiegenhaus brannte 1943 ab, 1945 zerstörten Bomben den Nordwestflügel und beschädigten den Südwestflügel. Da, wo einst die Exponate aus Vor- und Frühgeschichte und die Ägyptische Sammlung zu sehen waren, wuchsen Sträucher und Unkraut. 1986 erklärte die DDR-Führung, das Haus wieder errichten zu lassen – originalgetreu. Dann brachte die friedliche Revolution die Mauer zum Einsturz und damit die Pläne der DDR.

Denn der neu beauftragte britische Architekt David Chipperfield wollte den ursprünglichen Bestand bewahren, ohne ein archäologisches Denkmal des 19. Jahrhunderts zu rekonstruieren. Preußen, Kriegsgeschichte, Nachkriegszeit, real existierender Sozialismus, geeinte Republik bilden die Erzählung: 20 Jahre nach dem Mauerfall schließe sich nun der Kreis um die Geschichte des Hauses, befand Kanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung.

Was gibt es also heute zu sehen? Zunächst einmal tatsächlich großartige Architektur. Wenn man das Haus betritt, steht man bald in einem gewaltigen Treppenhaus – klare Formen, hoher Raum, kein Schmuck, unverputzte Mauern.

Architekt Chipperfield sagt, er wollte kein Disneyland errichten. „Fehlstellen wurden repariert, bleiben aber in Glanz und Oberfläche hinter dem Bestand zurück, um nicht als neue Kopie des Alten mit dem gealterten Original zu konkurrieren.“

Nofretete ist das Highlight

Geht man die Stiegen hinunter, kommt man zur „Reise ins Jenseits“: Altägyptische, römische und frühchristliche Sarkophage sind an einem Ort zu sehen. Es ist eines der Konzepte des Museums: vernetzte Welten, kulturhistorische Themenfelder wie Tod, Bestattung und daran geknüpfte Hoffnungen, anstelle streng chronologischer Darstellung.

Und natürlich die Nofretete. Die um 1340 v. Chr. gefertigte Büste der Hauptgemahlin von Pharao Echnaton ist das Highlight des Hauses: 16.500 Besucher haben sie am Wochenende gesehen. Für mehr war kein Platz...

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