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Musiktheater: „Ich bitte Sie um eine gute Nachrede“

Von Annette Gantner   13.März 2013

Die Werbeoffensive für das neue Linzer Musiktheater, das am 11. April seine Pforten öffnet, führte Landeshauptmann Josef Pühringer am Dienstag nach Wien. Rund 15 Journalisten waren gekommen, um sich von Pühringer, Intendant Rainer Mennicken und dem kaufmännischen Direktor Thomas Königstorfer über das Musiktheater informieren zu lassen. Der Ort war mit dem Haus der Musik in der Seilerstätte gut gewählt. Immerhin war es Inspiration für das Klangfoyer im Musiktheater gewesen.

„Wenn Oberösterreich nach Wien mit einer Pressekonferenz geht, dann muss es etwas Besonderes sein“, leitete Pühringer die Präsentation ein. Im Hintergrund liefen Projektionen von Bildern des Musiktheaters.

Oberösterreich habe sich vom Land der rauchenden Schlote zum Land der rauchenden Köpfe entwickelt. Man wolle sich doppelt profilieren: als Land der Industrie, aber auch der Künste. Aus diesem Grund habe man in Linz das modernste Opernhaus Europas erbaut, erläuterte Pühringer.

Ein Musiktheater, das beworben werden muss. Im Radius von 400 Kilometern sollen Kulturinteressierte angesprochen werden: In Budweis wurde bereits eine Pressekonferenz abgehalten, heute wirbt Pühringer in Passau und München für das Musiktheater und am Donnerstag in Salzburg. „Ich bitte Sie, auch die Wiener neugierig auf Oberösterreich zu machen“, forderte Pühringer die Journalisten auf.

Während Mennicken und Königstorfer über Bespielung und Architektur des Hauses referierten, verspeiste Pühringer ein Tramezzini. Etwas, das Politiker nur tun, wenn – wie in diesem Fall – keine Kamerateams anwesend sind.

Gleich die erste Frage zielte auf die Geschichte ab: Müsse man nicht gerade anlässlich des Jahrestages des Anschlusses auch darauf hinweisen, dass der Standort historisch belastet ist? Hatte doch Hitler den Plan gehabt, an jener Stelle ein Opernhaus zu erbauen. „Ich glaube, dass ein Theater ein Ort der Toleranz ist“, sagte Pühringer. Man könne das Musiktheater als historische Antwort sehen.

Die Standortwahl wurde auch in anderer Hinsicht thematisiert: Kann ein Musiktheater eingezwängt zwischen Eisen- und Straßenbahn einen Hörgenuss garantieren? Es sei mehrfach schallentkoppelt, versicherte Königstorfer.

Es folgten Fragen zu Personalstand und Finanzierung. Pühringer schien es eilig zu haben. „Keine Fragen“, setzte er an. Die Wiener Journalisten wollten mehr wissen. Wieder versuchte es Pühringer: „Dann danke ich Ihnen herzlich“, als abermals eine Hand in die Höhe schnellte. Es sollte die letzte Frage sein, und so konnte Pühringer mit einem Appell enden: „Ich bitte Sie um eine gute Nachrede!“

 

Ich bin Musiktheater: Brigitte Puttinger arbeitet im Fundus

Rund 600 Menschen aus 25 Nationen arbeiten am Landestheater Linz. Die OÖNachrichten stellen, bis zum Eröffnungstag am 11. April, täglich einen davon auf seinem Arbeitsplatz im neuen Musiktheater vor.

Die gelernte Kürschnerin hat Anfang der 1990er Jahre miterleben müssen, wie Tierschützer immer vehementer gegen die pelzverarbeitende Industrie vorgegangen sind: „Ich hab mir damals gedacht, dass dieser Beruf keine Zukunft hat.“ Durch Zufall ist sie dann im Landestheater gelandet, wo sie nun seit 23 Jahren arbeitet. Sie sei „extrem ordnungsliebend und penibel“, was ihr im Fundus zugute käme, „denn sonst würde man hier bald nichts mehr finden.“ Die Kostüme zu sortieren und einzuordnen, mache ihr Spaß, und es sei für sie auch kein Problem, ständig „hinter anderen herzuräumen“. Ihre zwei Kolleginnen und sie haben den Überblick u.a. über rund 100.000 Kleidungsstücke und 5000 Paar Schuhe.   

 

Mängelbehebungen und Korrekturen im Musiktheater

Wieso denn schon wieder, bevor es überhaupt eröffnet wird, ganze Sitzreihen im Auditorium des neuen Musiktheaters herausgerissen werden? Bei einer der sogenannten Baustellen-Führungen im Musiktheater waren Besucher in letzter Zeit verwirrt, weil im 2. Rang Sitze gefehlt haben.

Thomas Königstorfer, der kaufmännische Landestheater-Direktor bestätigt auf OÖNachrichten-Anfrage, dass „Sitze herausgenommen wurden. Und zwar deshalb, weil wir nach Test-Vorstellungen gesehen haben, dass im 1. und 2. Rang die Stufenbeleuchtung korrigiert werden muss“. Denn es sei nur in jeder 2. Stufe eine Bodenbeleuchtung vorgesehen gewesen, was sich als zu wenig, weil zu finster herausgestellt habe. Da wird nun nachjustiert. So wie es überhaupt derzeit um „Mängelbehebungen“ gehe, sagt Königstorfer. Ein weiteres Beispiel dazu: In den Mittelgängen zwischen 1. und 2. Rang wurde davon ausgegangen, dass für das Publikum beim Gehen die Rückenlehnen der Sessel ausreichend zum Anhalten sind. Das hat sich im Test-Betrieb aber als „unzureichend herausgestellt, deshalb werden nun Handläufe eingebaut, um sicheres Gehen für alle zu ermöglichen“. Und einige Sitze wurden, um die Sichtlinien zu optimieren, erhöht, indem Keile hineingeschoben wurden.

Zusätzlich wurden hinter der 5. und letzten Reihe im 2. Rang Podeste hineingestellt, auf denen nun mehr Stehplätze möglich sind. Mit diesen Korrekturen konnte das gesamte Fassungsvermögen an Zuschauern von den ursprünglichen 1134 auf 1180 erhöht werden.

„Es ist normal, dass bei einem Neubau, noch dazu in dieser Größenordnung, immer wieder Dinge auftauchen, die behoben oder korrigiert werden müssen“, sagt Königstorfer. Doch verursache das keine Mehrkosten, „weil dies alles unter die dreijährige Gewährleistung fällt“.

Außerdem sei es, wie auch jeder private Häuslbauer weiß, in der Bau-Branche üblich, „sich drei bis fünf Prozent von der gesamten Summe als Haftrücklass mit den Firmen vertraglich zurückzubehalten“.

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