"Langeweile ist rufschädigend"

Von Helmut Atteneder   07.Dezember 2018

"Langeweile ist rufschädigend"
Bernhard Heinzlmaier

Das Institut für Jugendkulturforschung hat im Auftrag der Medienregulierungsbehörde RTR erstmals eine umfangreiche, representative Studie zur Nutzung von Medien und Nachrichten durchgeführt. Bernhard Heinzlmaier ist Vorsitzender des Institutes.

 

OÖNachrichten: Herr Heinzlmaier, eine Erkenntnis aus Ihrer Studie ist, dass viele Junge Medien aus Langeweile nutzen. Wie das?

Bernhard Heinzlmaier: Der schlimmste Feind einer Erlebnisgesellschaft ist die Langeweile. Das ist Zeitverschwendung, da geht qualitativ hochwertige Lebenszeit verloren. Die Ruhe und die Gelassenheit, die Ereignislosigkeit ist das Fürchterlichste überhaupt und muss sofort ausgelöscht werden. Wenn sich nichts ereignet, sind die Jugendlichen melancholisch. Langeweile ist rufschädigend.

Unter anderem sagen Jugendliche in der Studie, dass sie sich – gegen einen Anflug von Langeweile – mehrfach absichern.

Das fassen wir unter dem Begriff Hyperattention zusammen, also gleich mehrere Medien gemeinsam konsumieren, oberflächlich, schnell, nirgendwo in die Tiefe gehend. Wenn junge Menschen mit einem Medium nicht genügend ausgelastet sind – da ist dann der Fernseher eingeschaltet und die Spielkonsole, im Hintergrund läuft Musik, und das Smartphone liegt griffbereit.

Der Trend beim Medienkonsum geht bei den unter 30-Jährigen ganz stark zur Unabhängigkeit. Ich will schauen, was, wann und wo ich es will.

Die Grundtendenz ist die Individualisierung des Medienkonsums. Der autonome Konsument, der sein eigener Programmchef sein will unter dem Motto: Da lasse ich mir von niemandem etwas vormachen. Fünf Folgen von "Game of Thrones", das schaue ich mir an, weil ich es ganz einfach will. Medien wie Instagram werden als Bühne benutzt, um in Erscheinung zu treten. Alle finden mich geil, ich mache mich selber wichtig, und alle sind begeistert von mir.

Studie Medienkonsum in Österreich

 

60,8 Prozent der Befragten sehen täglich fern, 7,1 Prozent nie. Ältere viel häufiger (86,8 % der über 60-Jährigen) – und nur 38,2 Prozent der 16- bis 29-Jährigen.

Internet und Social Media

Knapp 70 Prozent gaben an, täglich im Internet zu surfen (90 % der Jugendlichen, 35 % der über 60-Jährigen). Ähnlich ist es beim Gebrauch der sozialen Medien (74,5 % zu 9,2 %).

Mediennutzung pro Tag

Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre:
Fernsehen 38,2 %
Internet 38,2 %
Videos 24,8 %

Youtube

86,9 Prozent der 16- bis 29-Jährigen nutzen Youtube, mehr als ein Viertel davon mindestens einmal täglich.