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Kultur

Kulturhaus Bruckmühle: Im Juli am Oktoberfest

Von Von Karin Schütze   05. Juli 2010 00:04 Uhr

Im Juli am Oktoberfest
v. l. Melanie Kogler (Karoline), Christian Scharrer (Kasimir), Susanne Bodingbauer (Erna)

Schon im Juli lockt diesmal das Oktoberfest, und mit Horvaths „Kasimir und Karoline“ in der Regie von Markus Steinwender ein etwas anderer Theaterabend im Kulturhaus Bruckmühle in Pregarten.

Nicht auf Stühlen, sondern an Biertischen im Innenhof der Bruckmühle dürfen die Besucher Platz nehmen. Rundum sind Buden aufgestellt, Lebkuchenherzen locken wie ein Versuch im Dosenschießen. Es besteht kein Zweifel: Man ist am Oktoberfest, dem Schauplatz von Horvaths Volksstück. Oder am Tummeplatz der kapitalistischen Welt des Konsums, die nicht nur 1929 in sich zusammenstürzte.

In Krisenzeiten scheint selbst die Liebe nicht zu helfen. Gerade die Liebe nicht. Kasimir, arbeitsloses Krisenopfer, ist deprimiert, seine Braut Karoline will sich amüsieren. Just im Vergnügungspark steuern beide ihrem Beziehungsuntergang entgegen. Treffend besetzt sind die Figuren: Melanie Kogler ist eine kokett naive Karoline, Christian Scharrers Kasimir sitzt der Lebensfrust tief im Nacken. Der scharmante „Schürzinger“ (Daniel Ruben Rüb) ist einem Flirt nicht abgeneigt. Die beiden betagten wie betuchten Lustmolche Rauch und Speer (Karl Hofer und Erwin Jochinger) schon gar nicht. Und Karoline auch nicht.

Wenn der Zug an der Bruckmühle vorbeibraust winken alle. Nur einer nicht, der Revoluzzer Merkl Franz (Dominik Hohl) reckt dann trotzig einen gewissen Finger gen Himmel. Eigentlich die einzigen Momente, in denen er seine resignative Erna (Susanne Bodingbauer) nicht demütigt. Zur ausgleichenden Gerechtigkeit gibt es schmissige Schlager-Einlagen von Romana Hinterreither (Maria) und Barbara Schinko-Tubikanec (Elli), etwa „Männer sind Schweine“. Regisseur Markus Steinwender sorgt für Abwechslung, wozu auch dass Spiel an wechselnden Orten beiträgt. Arme Schweine sind letztlich alle im Stück, denen ihre soziale Not einen Strich durch die Lebensrechnung macht, wie der Kapitalismus der Menschlichkeit. „Der Mensch wäre nicht schlecht, wenn es ihm nicht schlecht gehen tät“, sagt Erna.

Heitere Tristesse des Daseins

Die heitere Tristesse des Daseins nimmt ihren Lauf. Als Karoline, des Abenteuers überdrüssig, zu Kasimir zurück will, ist der schon neu verbandelt, mit Erna. Der Zug braust diesmal nicht vorbei, er ist schon abgefahren. Ob Karoline ihr Luftballon entglitten ist wie der Liebste, oder sie ihn losgelassen hat? Weil nichts mehr hilft, außer eine neue Liebelei, wenn Zukunft eine Beziehungsfrage ist.

Langer, kräftiger Applaus.

Info: 10., 16.-18., 22.-25. Juli, 20 Uhr, 11. 7. um 18 Uhr, Karten: 07236 / 2570

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