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Kultur

Künstler auf der Flucht, oder: Wie Kunst zur Selbsttherapie wird

Von Helmut Atteneder   01. Juli 2016 00:04 Uhr

Künstler auf der Flucht, oder: Wie Kunst zur Selbsttherapie wird
Osama Zatar - Künstler und Skulptur

Die Galerie Artemons in Hellmonsödt zeigt Werke von Osama Zatar aus Palästina und dem Syrer Adel Dauood.

Eigentlich ist Osama Zatar ein bescheidener Mensch. In seiner künstlerischen Arbeit ist das anders, da stellt er sich selbst gern in den Mittelpunkt. Das ist gescheit, denn über sich selbst und sein Leben im Unfrieden mit den Behörden in der palästinensischen Stadt Ramallah, seinen persönlichen Kampf gegen Grenzen kann er sehr viel vermitteln. Der heute 36-jährige Zatar hat einen Fehler begangen. Er heiratete eine Israelin.

Von da an war sein Leben in Israel eine Art Spielball, er selbst wurde zum Schikanesubjekt. Verhaftet, verhört, geschlagen, freigelassen - im Wochenrhythmus. 2008 flüchteten Zatar und seine Frau, nunmehr Balletttänzerin an der Wiener Staatsoper, nach Österreich. 2014 beendete er sein Studium an der "Bildenden" in Wien.

Jetzt ist sein Werk in der Galerie Artemons bei Herwig Dunzendorfer in Hellmonsödt ausgestellt. Zatars Arbeit zeigt sich selbst. Seine Skulpturen zeigen den Wiener in Lebenssituationen, die er aushalten musste, die er heute anprangern will, die aber auch das eine oder andere Mal als eine Art ausgestreckte Hand der Versöhnung zu verstehen sind.

Als Material verwendet der Künstler Jute, die er mit Kunstharz versteift. Jute ist das Material, mit dem einst in Palästina Menschen geschlagen worden sind. Der damals zwölfjährige Osama Zatar war Augenzeuge.

Ebenfalls im Artemons sind beim Ausstellungsschwerpunkt "Borders" derzeit Bilder des 36-jährigen Adel Dauood zu sehen. Er war vor drei Jahren aus seiner Heimat Syrien nach Österreich geflüchtet. Seine Bilder sind gemalte Erinnerungen, die Schmerz, Angst und Verzweiflung ausdrücken.

Osama Zatar hat mittlerweile in Wien eine Community der Flüchtlings-Künstler geschaffen, die derzeit rund 100 Künstler umfasst und im "Café Prosa" ausstellt, musiziert oder singt. Künstler wie Osama Zatar träumen davon, einmal von ihrer Kunst leben zu können. Im Moment ist das nicht so, da wird gekellnert oder für das Rote Kreuz in der Flüchtlingshilfe gedolmetscht. Bisweilen geht es Zatar aber auch nicht ums Geld: "Mit meiner Arbeit therapiere ich mich selbst."

Ausstellung "Borders": Adel Dauood/Osama Zatar in der Galerie Artemons Contemporary in Hellmonsödt bis 11. September. Ebenfalls zu sehen ist eine Werkschau von Franz Grabmayr. Öffnungszeiten: Samstag 12 - 18 und Sonntag 10 bis 18 Uhr.

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