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Kultur

Klangwolke: Momente der Poesie, ohne Kracher

Von Peter Grubmüller   03. September 2012 00:04 Uhr

Visualisierte Klangwolke 2012

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LINZ. 90.000 Besucher erlebten „Die Wolke im Netz“ im Linzer Donaupark und vermissten das Feuerwerk.

„Ist es schon aus?“, fragten die Menschen am Samstag um 21.24 Uhr im Linzer Donaupark nach der halbstündigen voestalpine Klangwolke. Das Ars Electronica Futurelab und das Brucknerhaus wollten diesmal ohne eigens beauftragten Künstler auskommen, um den 90.000 Besuchern „Die Wolke im Netz“ und damit die Geschichte von der Vernetzung der Welt mit einem Bild- und Ton-Spektakel zu verinnerlichen. Das traditionelle Feuerwerk am Ende wurde gestrichen, obwohl man es diesmal gebraucht hätte. Nicht nur, damit die Menschen wissen, wann es Zeit ist, nach Hause zu gehen.

5000 Leuchtbuchstaben

Schon am Nachmittag wuselten Tausende durch die Innenstadt, sie trugen ihre selbst gebastelten LED-Leuchtbuchstaben wie Trophäen vor sich her. Das Mitmach-Projekt für die riesige ABC-Parade war einer der Glücksfälle des Abends, genauso wie das weltweit erste über Satellitennavigation gesteuerte Geschwader der 50 leuchtenden Drohnen, die etwa ein übergroßes Auge in den Himmel zeichneten. Die Nacht gehörte den Lichtern (407.000 LEDs wurden verbaut), die viele Momente der Poesie über dem Donaupark entzündeten. Das sinnliche Erfassen der Chronologie von der Entdeckung der Elektrizität bis zu „Social Media“-Netzwerken unterbrachen stets zwei Erzählerstimmen, ohne die andererseits die Geschichte bei den Besuchern nicht eingesickert wäre. Die Bilder waren auf Effekt programmiert, nicht auf narrative Stärke. Aus den Mikrofonen dröhnten Parolen („Wir sind das Volk, wir sind das Netz, wir sind die 99 Prozent“, Occupy-Bewegung) und Plattitüden („Ob wir die Herausforderung meistern, liegt an uns allen“). Riesige Projektionen von historischen Ereignissen und Filmstars (Humphrey Bogart, Marilyn Monroe...) erstrahlten auf den Hochhäusern in Urfahr, bis alles in den Farben des ehemaligen TV-Testbilds verharrte.

Als Metapher für die Bedrohung durch die Technik hätten drei Bundesheer-Hubschrauber aufsteigen sollen. Diese Rolle übernahmen dramatisch tanzende und Wasser speiende Industrieroboter. Der Bundesheer-Einsatz wurde ein Opfer der Nebelsuppe über Linz, die Hubschrauber mussten auf dem Boden bleiben, weil der Abstand der Wolken zu den Flugkörpern nicht wie vorgeschrieben mindestens 1200 Meter betrug.

Die verbotenen Kugeln

Umso lustiger tanzten am Ende die blauen Lichtkugeln des japanischen Künstlerkollektivs Amanogawa doch noch in der Donau, obwohl das zuständige Verkehrsministerium diese Attraktion verboten hatte. Wie es dazu kam? LIVA-Direktor Wolfgang Winkler: „Wirklich? Ich weiß von nichts.“

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