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Kultur

Klangwolke: Es fliegt, es fliegt - die Lok

Von Von Bernhard Lichtenberger   06. September 2010 00:04 Uhr

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Bild 1/6 Bildergalerie: Linzer Klangwolke 2010

Die Evolution der Eisenbahn hat Spektakelmacher Hubert Lepka am Samstag im Linzer Donaupark mit der visualisierten Klangwolke „Baby Jet“ in eine Überschall-Utopie geführt – mit Rauch, hitreifen Hadern, fliegenden Loks, prickelnden Stunts und als Thriller im Schundheftlformat.

„Von Linz nach Prag 14 Minuten. Die Kinder können in Prag studieren und fürs Mittagessen nach Hause kommen“, verkündet die Stimme, die der gefeierten Schauspielerin Birgit Minichmayr gehört.

So spricht Werbung. Diese ist Teil der Inszenierung von „Baby Jet“ durch das Künstlerkollektiv lawine torrén. Ein Videoclip verpackt die mobile Revolution in einfache Botschaften: kein Fahrtwind, keine Reibung, Überschallgeschwindigkeit. Der Zug von morgen saust in unterirdischen Vakuumröhren durch Europa und löst den fossilen Flugverkehr ab.

Im Donaupark wird die Utopie als Experiment in Echtzeit auf Schiene gebracht – im wahren Wortsinn. Eine alte, Dampf fauchende Lok zuckelt den Treppelweg entlang, auf dem Dach einer Traisine hechelt sich ein Moderator in eine fragende Aufgeregtheit, die ein Professor mit Fachkauderwelsch nicht zu dämpfen vermag.

Beim Triebwagen auf dem Schlepper nimmt der Thriller um die drei Baby-Jet-Forscher Alice, Bob und Eve seinen Ausgang, der so simpel wie ein „Soko Donau“-Drehbuch gebaut ist. Joey Wimplingers Texte und Dialoge erzeugen keinen Knopf im Kopf – ist ihre Banalität gar parodistisch gemeint?

Die Aufmerksamkeit widmet sich folglich fast ungeteilt den zum Glück nicht überfrachtenden Bildern, die Regisseur Lepka und sein Team zu Technologiespionage, Fortschrittsglaube, Verrat und Vision in den Raum malen. Dabei stößt das Auge auf Szenen, die so berühren, dass man sie am liebsten einrahmen und daheim aufhängen möchte.

Etwa jene mit Alice-Darstellerin und Tänzerin Silke Grabinger, die grazil durch den Abendhimmel fliegt, tanzt, schwebt – da verschwinden die Drähte aus dem Bewusstsein, die sie mit dem Hubschrauber verbinden. Oder die Jetski-Akrobaten, die irrlichternd die Donau durchpflügen. Oder die vom Helikopter aus gezündeten Raketen, die poetische Sternschnuppenspuren ziehen, bevor sie noch einmal aufleuchten. Und das Dampfross, das mit Kranhilfe in die Luft geht.

Immer dann, wenn sich die Dramaturgie einem Abstellgleis nähert, legt der dynamische, das Rattern über Schwellen aufgreifende Soundtrack von Peter Valentin die Weiche in Richtung Spannungsnachhilfe á la James Bond um. Die drei Lieder fahren mit Railjet-Tempo ins Gehör, vor allem der Titelsong taugt zum Hit. Der Zauber des Feuerwerks fügte sich in die Geschichte, die schließlich ein Happy End hat.

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