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Kultur

Interaktive Technologie, die viel mehr ist als bloße Spielerei

Von Von Karin Schütze   03. September 2010 00:04 Uhr

Interaktive Technologie, die viel mehr ist als bloße Spielerei
Ein Foto, das mit dem Betrachter „spricht“.

„Noch zehn Sekunden, fünf, drei, eins“ – Die „Running Radio“-Live-Moderation eröffnete gestern um Punkt zwölf Uhr Mittag in der Tabakfabrik die internationale Campus-Ausstellung „Expanded Interface“. Eine originelle und symbolische Einstimmung auf das, was die Besucher in der 250 Meter langen Halle erwartet: 18 Kunstwerke, interaktive Installationen von und mit rund fünfzig Studierenden dreier Länder: der Hochschule Darmstadt (Studienzweig „Media“), dem Cork Institut of Technology in Irland und der Kunstuniversität Linz (Studienzweig „Interface Cultures“).

Audiovisuelle Installationen bieten High-Tech, in den Dienst des sinnlichen Erlebens gestellt: Gegenstände, etwa Weingläser, die auf Berührung hin Klänge erzeugen; Farbspiele, welche die Besucher selbst allein durch ihr Dasein entstehen lassen.

Der Rundgang durch die Ausstellung erweist sich als origineller Erlebnisweg, der mitunter auch verstören kann: Hat die Puppe auf dem Foto einem nicht eben aufmunternd zugezwinkert? Wie das?! Erst ein zweiter Blick offenbart die winzigen, auf den Betrachter lauernden Kameras unter dem Bild. Bloße Spielereien zum Selbstzweck? Mitnichten. Die einzelnen Installationen zielen vielmehr darauf ab, aktuelle gesellschaftliche Probleme aufzuzeigen, nach Lösungen zu suchen oder gefundene zu präsentieren.

Zurück zur Natur

„easee“ nennt sich etwa eine Software, die ähnlich einem Navi eine Routenführung eigens für Blinde bietet, eingebaut in einen Blindenstock. Nicht nur nett anzusehen sind die kleinen, hell erleuchteten Miniaturgebäude, die den Energieverbrauch und -verschleiß ins Bewusstsein rücken: Technologie nicht als Entfremdung von der Natur, sondern als Mittel, die Wertschätzung der Schöpfung zu thematisieren.

Über all dem Originellen, Kreativen, Interessanten liegt das Flair der ehemaligen Tabakfabrik mit ihren altehrwürdigen Gemäuern, von deren einstiger Bestimmung noch immer, angenehm dezent, der in der Luft liegende Tabakgeruch zeugt. Fazit: Auch wenn sich einem vielleicht nicht alles erschließen mag, ist die Campus-Ausstellung auf jeden Fall einen Besuch wert.

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