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„Ich bin immer ein Kritzler geblieben“

07.September 2013

„Ich bin immer ein Kritzler geblieben“
Hans Staudacher hat seit den 1950er-Jahren einen für ihn sehr typischen Stil gefunden.

Schon der Volksschullehrer hat es gewusst: Als er den Tisch des Schülers Hans Staudacher sah, bestellte er die Mutter in die Schule. „Der Bub muss Maler werden“, habe er gesagt. Der Lehrer habe Maler wie Anstreicher gemeint, „aber ich bin ein Kritzler geblieben“, sagt Staudacher. Am 14. Jänner dieses Jahres feierte der wichtigste österreichische Vertreter des Dadaismus seinen 90. Geburtstag.

Hans Staudacher, geboren in St. Urban am Ossiachersee in Kärnten, hat keine Matura, aber einen „nachgeschmissenen Professor“. Staudacher beginnt früh zu zeichnen: Porträts, Landschaften, Zeichnungen. „Wie ein Kärntner halt malt, der so viel Natur um sich herum hat.“ 1950 übersiedelt Staudacher nach Wien, schließt sich den Secessionisten an und beginnt sich ernsthaft mit Malerei auseinanderzusetzen. Seine Vorbilder sind Paul Klee, Wassily Kandinsky, Pablo Picasso oder Joan Miro.

Bei den Künstlern des „Nötscher Kreises“, Anton Kolig und Franz Wiegele, holt er sich Inspiration, später beeinflussen ihn auch die Arbeiten von Gustav Klimt, Egon Schiele oder Alfred Kubin stark.

Seine Parisreisen und -aufenthalte zwischen 1954 und 1962 hinterlassen nachhaltige Spuren in Staudachers Werk: In der französischen Hauptstadt trifft er auf die Kunstszene der „art informel“, die einen Gegenpol zur geometrischen Abstraktion bildete und ihre Malerei in ein lyrisches, formloses Spannungsfeld setze. Fortan widmet sich Staudacher der abstrakten Malerei und wird unter anderem mit seinen kalligraphischen Notizen der wichtigste österreichische Maler im Bereich der informellen Kunst. „Ich war oft ein bisschen voraus. In meine Bilder kann man so viel hineingeheimnissen, was ich erlebt habe.“

Der internationale Durchbruch gelingt 1965 mit der großen Ausstellung in Paris und der Biennale in Venedig sowie dem Hauptpreis der Biennale in Tokio. „Ich bin immer unkritisch gewesen, sonst wäre ich nicht zum Malen gekommen“, sagt er über sich selbst und seine Arbeitsweise. Bekannt ist Staudacher auch für seine „Happenings“, bei denen er in seinem Atelier mit verschiedenen Materialien wie Holz oder Lumpen experimentierte. Die Anerkennung in Österreich ließ einige Jahre mehr auf sich warten: Zum 75. Geburtstag widmete ihm das Kunsthistorische Museum im Palais Harrach eine große Ausstellung. Es folgte die Ehrenmitgliedschaft der Wiener Secession, 2004 erhielt er das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien.

Typischer Stil

Seit den 1950er-Jahren weisen Staudachers Bilder einen typischen Stil auf, trotzdem sei es immer wieder auch zu Fälschungen gekommen. „Aber mein Material und meine Schichtigkeit können sie nicht.“ Staudacher malte seine Bilder oft nicht in einem Zug, sondern nach und nach. „Einige Ölgemälde haben ein Jahr lang getrocknet“, sagt er. Einige seiner Bilder sind dabei so wichtig geworden, dass er sie niemals verkaufen würde: „Es gibt Bilder, die kann man nicht hergeben, weil man sie als Säule für den jeweiligen Lebensabschnitt braucht.“ Als seinen Liebling bezeichnet der Maler aber doch nur seine Frau.

„Es ist ungut, wenn man alt wird“, sagt der Künstler. Und seit einigen Jahren malt Staudacher auch nicht mehr. (wak/APA)#

 

Der Doyen zeitgenössischer Kunst

Zwei Ausstellungen von Hans Staudacher: in Hellmonsödt und Linz
 

Er nimmt die Rolle des Doyens zeitgenössischer Kunst in Österreich ein: Hans Staudacher. Dass er dieses Jahr seinen 90. Geburtstag feierte, ist umso mehr ein Grund, ihm zwei Ausstellungen zu widmen. Herwig Dunzendorfer bringt das Werk Staudachers nicht nur in sein eigenes Haus, das Artemons in Hellmonsödt, sondern auch in die Bank-Austria-Zentrale am Linzer Hauptplatz.

In beiden Fällen gelingt es, eindrucksvolle Schlaglichter auf das enorme Werk dieses großen Künstlers zu werfen. Im Artemons zeigt eine Reihe wunderbarer Aquarelle, dass es nicht immer Öl und nicht immer Großformat sein muss. Allerdings: Besonders beeindruckend sind Arbeiten wie „In Memoriam Jugoslawien“, ein Triptychon, Öl auf Leinwand von 1991, mit den sagenhaften Maßen von zwei mal fünf Metern. Die Auswahl, die von 1960 bis heute reicht, zeigt, wie gleich bleibend stark Staudachers Werk über die Jahrzehnte war und ist. Die Arbeit „Martyre“ von 1961 sei ebenso erwähnt wie „Begegnung“ von 1993. In Staudachers Werken trifft graphisches Kalkül auf einen improvisationsfreudigen Stil. Spontane, gestisch geprägte, handschriftliche Formelemente und Kürzel zeugen von Einfallsreichtum und Reaktionsschnelle. Aber auch Rhythmus und Musikalität, Sinnlichkeit und Humor sprechen aus seinen Arbeiten.

Sehenswert auch die Präsentation in der Bank Austria: Die Räumlichkeiten werden durch eine geschickte Hängung gut genutzt. Hier finden sich Schätze wie „Ich bin“ (1961), in dem der grobe Leinenhintergrund das Bild bestimmt, oder „Bussi in Liberté“ (2000), ebenfalls Öl auf Leinwand.

Staudacher braucht den Beweis über seine Bedeutung nicht mehr anzutreten. Ausstellungen in Europa, Japan, Brasilien und den USA und Teilnahmen an den Biennalen in Venedig und São Paulo sprechen für sich. Erfreulich, dass ihm auch in Oberösterreich Rechnung getragen wird.  (est)

Artemons, Linzer Straße 19, Hellmonsödt (So, 10-18 Uhr und nach tel. Vereinbarung: 0699/16 68 88 81); Bank-Austria-Zentrale am Linzer Hauptplatz (zu Banköffnungszeiten).

 

Verschmitzter Küsserkönig

Bussi. Bussi. Bussi. Wer das Vergnügen hat, dem 90 Jahre jungen Künstler Hans Staudacher zu begegnen, kommt an der französischen Art des Wangenkosens nicht vorbei. Und so sprach am Donnerstagabend zur Eröffnung der Ausstellung in der Bank Austria am Linzer Hauptplatz Elisabeth Novak-Thaller vom „verschmitzen Hansl, unserem Küsserkönig“. Die Vize-Direktorin des Kunstmuseums Lentos zeichnete das Bild eines Malers, Zeichners und HappeningKünstlers, „voll Feuer und Inbrunst bei der Sache, wild gestikulierend, grimassierend und nie ohne Stirnkappe“. In der noch frischen Reihe „Business & Art“ begrüßte Firmendirektor Hartmut Staltner u. a. Wirtschaftslandesrat Michael Strugl, Kurator Herwig Dunzendorfer sowie Plastiker und Designer Helmuth Gsöllpointner. (beli)
 
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