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Kultur

Gusenbauer: "Comic ist eines der geilsten Sachen im Leben"

Von Von Irene Gunnesch   08. Februar 2010 00:04 Uhr

Eine der geilsten Sachen im Leben
Comicbuntes Leben: Gottfried Gusenbauer

Was begeistert Alt und Jung und bietet ein unendlich breites Spektrum an Inhalten? Richtig: Comics! Am 25. 2. startet das NextComic Festival Linz nach seinem fulminanten 09-Einstieg endgültig durch. Nextcomic-Macher Gottfried Gusenbauer (42) sprach mit Medienpartner OÖN über Leidenschaften.

OÖN: Können Sie sich eigentlich noch an den ersten Comic erinnern, den Sie angeschaut, den Sie gelesen haben?

Gusenbauer: Ja. Das war sicher „Silberpfeil“. Und diese Westerngeschichten aus dem Silberpfeil hatten es mir – neben „Bessy“ – besonders angetan. Das waren so meine Einstiegsbilder.

Ich war das jüngste Kind von sechs in einem bäuerlichen Umfeld. Und bei uns sind immer irgendwelche Comics herumgelegen, weil mein ältester Bruder – heute ein international gefragter Tätowierer – schon als Kind ein sehr begabter Zeichner war und sich besonders für diese Bildsprache interessiert hat. Ich bin also in einer Grafik- und Zeichenwelt aufgewachsen.

OÖN: Das heißt, die Bild/Text-Sprache von Comics hat Sie von klein auf in Ihrer eigenen künstlerischen Laufbahn geprägt?

Gusenbauer: Absolut. Es ist einfach so, dass ich mich dann bis ca. 16 Jahren quer durch die ganzen Micky-Maus-, Superman- und-so-weiter-Heftln gelesen hab. Dann gab’s eine Comic-Pause von rund zehn Jahren. Ich weiß noch, es war dann bei einem Rom-Urlaub mit meiner damaligen Freundin: Da waren wir beide vom ersten Tag an krank, hatten eine ziemlich heftige Muschelvergiftung von Spaghetti Vongole und konnten nur im Bett liegen.

Die hatten dort in der Hausbibliothek noch ein paar Comics rumliegen, die hab ich mir reingezogen und hab dabei auf einmal selbst zu zeichnen begonnen. Das war mein Comic-Kick.

OÖN: Sie sind verheiratet mit der Künstlerin Sibylle Gusenbauer, veranstalten gemeinsam auch Comic-Workshops, geben die Comic-Zeitschrift lin_c heraus.

Gusenbauer: Wir haben Österreich – etwa im Gegensatz zu Italien, zu Frankreich – als fast weißen Fleck in der internationalen Comic-Landschaft wahrgenommen. Ohne Comic-Ausbildungsfächer, ohne Comic-Professuren an den Kunstunis.

Wir wollten da einfach Impulse setzen. Auch Unbekanntes aus der Versenkung herausbringen. Die narrative Zeichnung in die Hochkultur holen.

OÖN: Mittlerweile sind Sie als Comic-Zeichner Mitglied der renommierten Linzer Kunstvereinigung MAERZ. Sehen Sie darin auch eine Anerkennung des Comic als Kunstform?

Gusenbauer: Unbedingt. Innerhalb der letzten paar Jahre hat der Comic auch in die Biennalen Einzug gehalten. Das ist eine tolle Entwicklung. Die Kraft einer Erzählung in Bildern hat in unserer globalisierten Welt auch die Funktion, Sprachbarrieren zu überwinden. Kommunikation ist viel einfacher. Ich hab beispielsweise Comics aus Malaysia, die ich naturgemäß nicht lesen kann. Aber die Bildwelten sind so stark, dass sich die Botschaft trotzdem vermittelt.

Comics transportieren Blicke in fremde Länder jenseits der Klischees. Das ist es, was mich an Comics fasziniert. Da werden Nischen besetzt, man denke nur an „Persepolis“ – ein auch filmisch umgesetzter, preisgekrönter Bericht über Frauen im Iran.

OÖN: Gibt es Comics, die Sie besonders begeistern?

Gusenbauer: Dazu muss ich sagen, dass ich überhaupt kein Sammler bin. Aber derzeit ist mein Lieblingszeichner der Japaner Jiro Taniguchi (*1947).

OÖN: Mangas?

Gusenbauer: Ja, aber das Interessante bei ihm ist, dass er eine ganz andere Langsamkeit in dieses Medium hineinbringt.

OÖN: Wie äußert sich das genau?

Gusenbauer: Ein Beispiel dafür ist etwa eine Zeichnung, bei der ein Bub einen Flieger vom Baum runterholt. Taniguchi geht in der Zeichnung so weit, dass er schrittweise zeichnet, wie sich dieser Bub die Socken auszieht, wie er in die Wiese steigt, dann auf den Baum hinauf kraxelt.

Das ist eine absolute Entschleunigung. Von Taniguchi gibts auch einen Vierhundert-Seiten-„Schinken“ über ein Ehepaar, das einen Hund hat. Der Hund stirbt, und dann kauft sich das Paar Katzen. So etwas einem Verleger anzubieten! Doch das Werk wurde weltweit ein Bestseller. Und in so einem Band erlebst du die Zeit völlig anders. Comic ist für mich auch ein Prozess, diese Bilder lesen zu lernen.

OÖN: Das inhaltliche und bildnerische Spektrum von Comics ist fast unendlich breit. Welche Schwerpunkte haben Sie für das aktuelle NextComic Festival in Linz gesetzt?

Gusenbauer: Ich bin ja ein absoluter Fan von Comicfestivals. Einerseits kann man als Kurator eine thematische Linie vorgeben, und zweitens bekommt man als Betrachter ohne jede Vorkenntnisse einen grandiosen Überblick. Auch über Projekte, die es nie in Verlage oder zu Buchmessen geschafft haben.

Die Auswahl funktioniert so, dass mich gewisse Bereiche von vornherein einmal nicht interessieren – etwa rassistische oder pornographische. Ein Schwerpunkt heuer sind österreichische Comiczeichner, da schlummert noch ungeheuer viel unter dem Teppich.

In diesem Jahr können wir von 25. Februar bis 5. März, mit einem Schlenker nach Wels und nach Traun, insgesamt 12 Stationen quer durch Linz bespielen. Und zwar von der Grottenbahn auf dem Pöstlingberg über das AEC, verschiedene Galerien, den Kulturverein KAPU bis hin zum Kulturquartier OÖ mit dem OK und dem Ursulinenhof. Da setzen wir in den Locations entsprechende Akzente. Etwa mit Florian Satzinger, unserem österreichischen „Master of the Ducks“ und Nemoland-Preisträger 2009 im AEC. Mit Manga in der Grottenbahn, mit „Comics gegen Rechts“ in der KAPU. Mit Till Mette, Haderer, Rudi Klein, Bernd Pfarr, einer Comic-Börse, Workshops, Party, etc.

OÖN: Der Bereich Comic nimmt einen großen Platz in Ihrem Leben ein. Haben Sie so etwas wie Hobbies?

Gusenbauer: Bei mir verschränken sich Leben und Passion. Ich brauch sonst nichts. Comic ist eine der geilsten Sachen im Leben.

OÖN: Zeigt Ihre Tochter Franziska (6) auch schon Annäherungen an die Zeichen/Text-Kunst?

Gusenbauer: Sie ist natürlich immer damit konfrontiert. Und das Narrative nimmt in ihren Zeichnungen einen großen Stellenwert ein. Sie erzählt auch immer ganz genau, was da grad passiert in den Bildern.

OÖN: Sie leben in der Gartenstadt Puchenau und in Zulissen, nahe der tschechischen Grenze. Was schätzen Sie an diesem Wohnen an der Peripherie?

Gusenbauer: Dass ich mich dort total aus dem Stadtbetrieb ausklinken kann. Und das funktioniert besonders gut in dem von uns eigenhändig renovierten Bloßsteinhäusl in Zulissen. Wir schätzen den Rückzug. Die Konzentration auf unsere künstlerische Arbeit. Das brauch ich unbedingt. Ich muss mich immer wieder ausklinken können.

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