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Kultur

Gatsch, Gummistiefel und gute Musik

Von Julia Evers   30. Juni 2018

Gatsch, Gummistiefel und gute Musik
Simone Karlhuber (22) und Lisa Steininger (19) aus Wartberg an der Krems genießen ihr drittes Woodstock der Blasmusik.

Woodstock der Blasmusik: 50.000 Festivalbesucher trotzen dem Wetter und tanzen.

100 Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Oder doch nur 90 Prozent? Die rund 50.000 Blasmusik-Begeisterten, die seit Donnerstag zum "Woodstock der Blasmusik" nach Ort im Innkreis strömen, lassen sich von schlechtem Wetter nicht abhalten.

Schon von Weitem tönt es böhmisch-mährisch von den Bühnen und den Campingplätzen. Auch wenn der Himmel an Weltuntergang gemahnt – die Woodstocker haben Sonne im Herzen und Musik im Ohr. "Es ist so super, es ist einfach wie eine große Familie", versucht Christina Ecker aus Dorf an der Pram die Faszination Woodstock zu umreißen. Zum fünften Mal lässt sich die Erzieherin das Blasmusik-Festival nicht entgehen. Sie weiß, worauf es ankommt, als sie mit Paletten voll Radler und Campingsessel bewaffnet in die Arco-Arena einzieht.

Gatsch, Gummistiefel und gute Musik

Strohhut auf dem Kopf, Lederhose an den Beinen, Gummistiefel an den Füßen: In dieser Woodstock-Uniform trotzen die Besucher dem Schlamm. "Es hat scho so an Gatsch!", schreit jemand, und tatsächlich: Er wird mehr, der Gatsch, schon am Donnerstagnachmittag. Dort, wo die Massen zum Riesenrad und zur Main Stage ziehen, dort, wo die Holzschnitzel von den vielen Gummistiefeln auf Haufen geschoben werden, aber auch am Campingplatz. Dort riecht es nach frischem Regen und nicht so frischem Bier, durch die Luft klingen Tuba, Tenorhorn und Trompete. "Das ist das Schöne hier: handgemachte Musik und nicht aus der Dose – wer Lust hat, spielt einfach mit!", zeigt sich Alexander Fuchs, 29, aus Ellwangen begeistert.

Kleinste Blasmusik der Welt

"Es sind einfach alle so herzlich, so liebevoll", sagt Janine Duttine, 35, die ihren Papa Willi nebst blumenbehangenen Gummistiefeln für die Reise ins Innviertel eingepackt hat. Wie lange die Blumen noch bunt bleiben, ist eine andere Frage, mittlerweile erobert der Gatsch doch immer mehr Terrain. "Mogst a Bier?", tönt es ständig aus den verschiedenen Aufbauten am Campingplatz. Riesenzelte mit Feldbetten stehen da, eigene kleine Camping-Wohnanlagen samt Gartenzaun und immer wieder zeigen Schilder, von welcher Musi die Zeltbewohner kommen. Die nachbarschaftlichen Einladungen anzunehmen wird für die Woodstocker aber immer beschwerlicher, inzwischen kleben die Stiefel schon bei jedem Schritt im Gatsch fest. Nur mit einem Plopp, Plopp geht es vorwärts. Zwei bringt das nicht aus der Ruhe: Paul Herle, 69, und Andreas Locher, 68, schneiden im strömenden Regen feinsäuberlich ihre Brettljause auf dem kleinen mitgebrachten Holztisch. Zum sechsten Mal sind die beiden schon aus dem deutschen Biberach und Munderkingen zum Woodstock gereist. "Das Beste, was es gibt in der Richtung. Wir werden akzeptiert von den Jungen, auch als Alte, wenn wir als kleinste Blasmusikkapelle der Welt Schlager spielen."

Gatsch, Gummistiefel und gute Musik
Musik hören und selbst machen, darum dreht sich alles beim Woodstock.

Mit rund 11.000 Besuchern hat vor acht Jahren in Kopfing die Erfolgsgeschichte des Woodstocks begonnen. Das Familiäre hat es sich bewahrt, auch wenn es mittlerweile vom Festl zum Festival explodiert ist. Ein Gemeinschaftsempfinden, das sich durch das Dauer-Musizieren am Campingplatz und die vielen freundlichen Gesichter entspinnt und sich nach ,katholische Jugend trifft auf besten Musi-Ausflug aller Zeiten‘ anfühlt.

Wer den Campingplatz samt böhmisch-mährischer Beschallung verlässt, sieht, wie im Leitner-stadl gehüpft und getanzt wird, wie sich die Menschen vor der "Allerhand-Stage" drängen, um neue Musiker kennenzulernen, und vor der Hauptbühne geht sowieso nicht nur bei den Hauptacts wie "Ernst Hutter & Die Egerländer Musikanten" und "Viera Blech" die Post ab. Der Gatsch ist nun überall – aber das war beim Original-Woodstock auch schon so.

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Bild 1/23 Bildergalerie: Impressionen vom "Woodstock der Blasmusik"

Umfrage

Woodstock der Blasmusik: Wer einmal dabei war, will immer wieder kommen – woran das liegt, haben die OÖNachrichten Festival-Besucher gefragt

Familienausflug: „Es ist so herzlich hier, die Menschen sind so liebevoll zueinander.“
Janine Duttine, 35, mit Papa Willi, 60

Daheim: „Überall wird gespielt, überall kann man mitspielen. Man fühlt sich einfach daheim als Musikant.“
Uwe Draxler, 25, Freistadt

Alte Freunde: Wir sind schon zum sechsten Mal hier. Wir werden akzeptiert von den Jungen.
Paul Herle, 69, und Andreas Locher, 68

Musikausflug: Das Zusammenspielen, die Verbundenheit, das ist das Coole an Blasmusik!
Sarah Widmann, 23, Allgäu

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Bild 1/15 Bildergalerie: Woodstock-Zeit! Das sind die kreativsten Bandnamen

Höhepunkte

„Fiva x JRBB“ zeigen heute Abend beim Woodstock der Blasmusik ihr Können, danach übernehmen die „The Baseballs & Woodstock Allstar Band“ die Hauptbühne. Den Abend beschließen werden die „Innsbrucker Böhmische“ und „Fättes Blech“. Am Sonntag spielen unter anderem die „Dellnhauser Musikanten“ und „Brassaranka“ auf. Mehr auf woodstockderblasmusik.at

 
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