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"Falco? Ist ihm echt kein besserer Name eingefallen?"

Von Lukas Luger   18.Februar 2017

Falco
Mit seinem größten Hit stand Falco auf Kriegsfuß. Er empfand „Amadeus“ als Leichenfledderei und weigerte sich beim Videodreh lange, die Perücke aufzusetzen.

In den 80er-Jahren war Thomas Rabitsch Live-Keyboarder und Bandleader von Falco. Zum 60. Geburtstag von Falco am 19. Februar sprach Rabitsch mit den OÖN unter anderem über das neue Falco-Musical und seine persönlichen Erinnerungen an Hans Hölzel.

 

OÖN: "F@lco – A Cyber Show", "Falco Meets Amadeus", der Kinofilm "Verdammt, wir leben noch!" – der Kunstfigur Falco wurde auf verschiedenste Weise Tribut gezollt. Wodurch hebt sich das neue Falco-Musical ab?

Thomas Rabitsch: "Cyber Show" war eine typische Paulus-Manker-Berg-und-Talfahrt: schräg, interessant und wild. "Falco Meets Amadeus" war eine Märchengeschichte, in der Falco den Mozart im Himmel trifft. Ein bisserl weit hergeholt, sagen wir so. Die jetzige Produktion – "Falco – Das Musical" – beschäftigt sich tatsächlich mit Falco und seinem Leben. Es hält sich eng an seine Biografie, da trifft sie sich mit dem Kinofilm.

Wie definieren Sie selbst Ihre Rolle als musikalischer Direktor?

Mein Anspruch war, eine Top-Band hinzustellen. Das sind lauter 25-jährige Buam, die genauso alt sind, wie wir damals. Dementsprechend Biss hat auch die Musik. Ich habe versucht, es vom Musikalischen her möglichst authentisch zu gestalten. Auch mit dem Hauptdarsteller habe ich gearbeitet, damit die Performance ‚echt‘ rüberkommt. Optisch schaut Alexander Kerbst dem Hans ja wirklich extrem ähnlich, echt spooky.

"Falco? Ist ihm echt kein
Thomas Rabitsch (60) kannte Falco so gut wie kaum jemand sonst.

Was war die spannendste Erkenntnis, die Sie aus der Beschäftigung mit Falcos Werk gewinnen konnten? Gab’s musikalische Wiederbegegnungen?

Die gab’s tatsächlich. Viele Nummern aus der Show haben wir damals live gespielt, etliche aber auch bewusst nicht. "Coming Home – Jeanny Part 2" etwa haben wir niemals live gebracht. Oder auch "Cadillac Hotel", an die Scheibe konnte ich mich selbst kaum erinnern. Diese Songs zu hören, in einen Kontext zu Falcos Leben gesetzt, war eine emotionale Erfahrung.

Zu erleben, wie Lookalike Alexander Kerbst Songs performt, die Falco nie live gesungen hat – was ging Ihnen durch den Kopf?

Eine großartige Nummer wie "No Time For Revolution", die ich selbst erst nach Falcos Tod kennengelernt habe, live von dieser fantastischen Band gespielt zu hören, fühlt sich in der Tat sehr ‚echt‘, sehr unmittelbar an. Mittlerweile tut es auch nicht mehr weh, diese Songs zu hören, es ist einfach nur schön. Was mich beschäftigt, ist die Tatsache, dass das 30 Jahre her ist. Das ist hart! (lacht)

Sie haben Hans Hölzel 1976 kennengelernt. War sein Aufstieg damals bereits abzusehen?

Wir waren beide 20 Jahre alt und wussten nichts von der Zukunft. Die Transformation von Hans zu Falco mitzuerleben war faszinierend. Ich dachte mir: ,Falco? Ist ihm echt kein besserer Name eingefallen?‘ Geläutet hat’s bei mir im Hirn, als ich den Text zu "Helden von heute" gesehen habe. Markus Spiegel drückte mir in seinem Büro den auf einem Nadeldrucker ausgedruckten Text in die Hand. ,Schau, den hat der Hans geschrieben.‘ Ich begann zu lesen, dachte mir: ,Hearst, bist du deppat ...‘. Ich kannte ihn ja bis dahin nur als stillen, eher wortkargen Bassisten.

Was glauben Sie, würde Falco heute künstlerisch machen?

Von Bowies "Blackstar" war ich tief beeindruckt, in die Richtung wäre beim Hans sicher was gegangen. Oder er hätte uns als glanzvoll-eloquenter Castingjuror begeistert.

 

„Falco – Das Musical“ zu Gast im Brucknerhaus Linz

Am 20. Jänner feierte die Uraufführung von „Falco – Das Musical“ in Kempten Uraufführung. Mit Tanzeinlagen, Spielszenen und Videosequenzen geben Produzent Oliver Forster und Regisseur Peter Rein in der zweistündigen Show einen Einblick in die Gefühlswelt Falcos.

Am 2. April macht „Falco – Das Musical“ erstmals im Brucknerhaus Linz Station. Die beiden Shows um 15 Uhr beziehungsweise 20 Uhr sind bereits ausverkauft. Karten gibt es aber noch für den Zusatztermin am 11. Mai (20 Uhr). Infos: falcomusical.com

 

TV

Vierstündige Dokumentation „Er war Superstar – Falco. Eine Legende wird 60“ (18. 2., VOX, 20.15 Uhr)
Dokumentation Rudi Dolezals „Falco – Die ultimative Doku“ (19. 2., Puls4, 20.15 Uhr)
Filmporträt „Falco – Forever young“ (19. 2., ORFeins, 22.15 Uhr)
Konzert „Falco Symphonic“ (19. 2., ORFeins, 23.20 Uhr)

 

Wie gut kennen Sie die Liedtexte von Falco?

Frage 1 von 10:

1. "Die Special Places sind ihr wohl bekannt, ich mein, sie fährt ja U-Bahn auch.“


 

Falcos beste Alben

Einzelhaft (1982):

einzelhaft (1982)

Falco hielt sein Debütalbum auch für sein bestes Werk. Nachvollziehbar, denn „Ganz Wien“, „Helden von heute“ und „Der Kommissar“ sind genial zeitlos.

 

Junge Römer (1984):

einzelhaft (1982)

Kommerziell war Falcos schwierige zweite Platte ein Misserfolg, trotz des legendären Titelstücks. „Brillantin Brutal“ und „Hoch wie nie“ ragen heraus.

Falco 3 (1985):

einzelhaft (1982)

Das von Rob und Ferdi Bolland bombastisch produzierte Album ist nicht Falcos bestes, dank „Amadeus“ und „Jeanny“ aber sein erfolgreichstes Werk.

Nachtflug (1992):

einzelhaft (1982)

Seine letzte zu Lebzeiten veröffentlichte Platte wird unterschätzt. Dabei zeigen Lieder wie „Titanic“ oder „Dance Mephisto“ noch einmal Falcos große Klasse.

Out of the Dark (1998):

einzelhaft (1982)

Posthum veröffentlicht, überschatten die Begleitumstände die teils echt gute Musik. Insbesondere „No Time For Revolution“ ist Extraklasse.

 

Falco (1957 - 1997)

1957 - Geburt: Geboren wurde Johann Hölzel am 19. 2. 1957 in Wien. Nach der Scheidung wuchs er unter der Obhut von Mutter und Großmutter auf.

1978 - Erste Bands: Seine ersten musikalischen Meriten verdiente sich Hölzel bei der „Hallucination Company“ und als Bassist bei Stefan Webers „Drahdiwaberl“.

1981 - Hitsingle: Die Single „Der Kommissar“ aus dem Debütalbum „Einzelhaft“ erreichte in mehreren europäischen Ländern die Spitze der Charts, verkaufte sich weltweit über sieben Millionen Mal.

1986 - USA: Am 29.3. 1986 landete Falco mit „Rock me Amadeus“ als erster deutschsprachiger Popmusiker an der Spitze der US-Charts.

1993 - Live: Am 27. Juni 1993 begeisterte Falco rund 150.000 Leute bei strömendem Regen auf der Wiener Donauinsel.

1998 - Tod: Am 6. 2. 1998 starb Falco im Alter von 40 Jahren nach einem Autounfall in der Dominikanischen Republik. Bei der Obduktion wurden ein Blutalkoholwert von 1,5 ‰ sowie Kokain und THC nachgewiesen.

 

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10. Mai 2021