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Kultur

Everyday Rebellion: Eine Hommage an die Macht der Masse

Von Nora Bruckmüller   01. April 2014 00:04 Uhr

Eine Hommage an die Macht der Masse
"No tampons, no peace! No Pizza, no peace!" Die Oben-ohne-Aktivistinnen von "Femen" zeigen, wie man mit Witz und Körpereinsatz für eine Sache einsteht.

Die prämierte Doku "Everyday Rebellion" feiert heute Premiere in Oberösterreich.

In einer Laufzeit von nur 118 Minuten ist Arash und Arman Riahi, Brüder und Chefs bei der Golden Girls Filmproduktion in Wien, ein Kunststück gelungen. Sie haben fünf Jahre Weltgeschichte aus der Perspektive friedlich protestierender Gruppen eingefangen.

In klug verwobenen Szenen erzählen sie im Dokumentarfilm "Everyday Rebellion" u.a. vom Aufstand gegen Kapitalismus, wie ihn die "Occupy Wall Street"-Bewegung in New York betreibt. Man taucht ein in das Aufbegehren gegen Diktaturen in Syrien oder in Ägypten. Zu fühlen ist die Empörung während Straßenmärschen im finanziell maroden Spanien.

Das Aufkochen der Emotionen wie das innere Feuer der Menschen kleiden die Riahi-Brüder in ruhige Ästhetik, verbunden mit erfrischender Musikalität – ein Kniff, der Stimmen, Menschlichkeit und Friedlichkeit hervorhebt. "Ich würde nicht einmal oben ohne baden gehen", hört man eine der Femen-Aktivistinnen sagen, bevor sie mit nacktem Oberkörper protestiert.

Was hat die Riahi-Brüder angestachelt, Geschichten wie diese zu erzählen, die hoffentlich bald als Standardkapitel gelehrt werden?

Ausgangspunkt war die "grüne Bewegung", die sich den vermeintlich gefälschten Wahlen im Iran entgegenstellte – in einem Land, aus dem die Familie Riahi einst floh. "Es war eine neue Form von horizontaler Revolte ohne Führer und von außen klar erkennbare Strategie", sagt Arash T. Riahi.

"Sie wurde bald niedergeschlagen. Aber dann ist der Arabische Frühling gekommen." Und Proteste mit ähnlichen kreativen Mustern "haben sich wie ein Lauffeuer auf der ganzen Welt verbreitet". Die Riahis adaptierten ihr Konzept, bezogen das Internet mit ein (siehe Kasten), reisten dorthin, wo die Welt brannte, und bauten Vertrauen zu den Bewegungen auf. "Natürlich ist uns irgendwann das Geld ausgegangen", sagt Arash T. Riahi. Deshalb kam es auch schon vor, dass ein Riahi alles war: Interviewer, Ton- und Kameramann.

Unzerstörbarer Optimismus

Aber es war es wert. "Am beeindruckendsten war die Hartnäckigkeit der Protagonisten, ihr unzerstörbarer Optimismus", sagt Arman T. Riahi. Diese Qualitäten verbinden Menschen, die um ihre Existenz kämpfen, mit Mittelschichtlern, die gut leben könnten, aber nicht akzeptieren, wie sich Systeme nach unten abputzen.

Sie alle profitieren vom Internet, das – sofern es nicht zu stark zensiert ist – Informationen demokratisiert. Aber nur weil es Facebook und Twitter gibt, seien keine Revolutionen entstanden. Arman T. Riahi: "Das bringt kein Regime zu Sturz. Man muss trotzdem auf die Straße gehen."

Infos zu Projekt und Premiere

Angebot: Die Riahi-Brüder verfolgen Projekte mit sozialem Nutzen. „Everyday Rebellion“ ist mehr als nur ein Film. Parallel dazu gibt es die Web-Plattform www.everydayrebellion.net, die Infos, Videos und mehr zu friedlichen Protesten global vernetzt.

 

Arman (l.) und Arash T. Riahi
Arman (l.) und Arash T. Riahi

 

Film und Diskussion: Am 1. 4. sind Arman (Foto l.) und Arash T. Riahi im Moviemento Linz (18.30 Uhr) und im Kino Freistadt (20 Uhr) zu Gast. 

   

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