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Kultur

Er trägt Bruckner im Herzen: Ausnahmedirigent Skrowaczewski

Von Von Karin Schütze   24. September 2010

Er trägt Bruckner im Herzen
Mit 87 Jahren am Dirigentenpult und heute in St. Florian (LIVA)

Mit Bruckner verbindet Stanislaw Skrowaczewski (87) mehr als ein Kindheitserlebnis. Heute steht der polnische Maestro beim Brucknerfest im Stift St. Florian am Pult des Bruckner Orchesters, auf dem Programm: Bruckners „Fünfte“.

OÖN: Ich durfte gerade noch etwas bei der Probe zuhören. Es klingt sehr schön.

Skrowaczewski: Der Saal ist sehr gut (Großer Saal im Brucknerhaus, Anm.).

OÖN: Das liegt aber nicht nur am Saal. Sie haben gerade drei Stunden geprobt, wie fühlen Sie sich?

Skrowaczewski: Nur zweieinhalb. Das geht, das ist für mich weniger anstrengend als für das Orchester. Die Sinfonie dauert mindestens 75 Minuten. Alle Musiker, die Streicher, Bläser, speziell die Hörner, haben viel zu tun. Ich zeige nur, mache einige Bemerkungen.

OÖN: Bruckner, von dem Sie alle Sinfonien eingespielt haben, begleitet Sie seit Ihrer Kindheit...

Skrowaczewski: Ich begleite Bruckner, nicht er mich. Als ich sechs, sieben Jahre alt war, habe ich im Sommer in Lemberg (Polen, Anm.) bei offenem Fenster eine Musik gehört. Am Abend bekam ich Fieber, ich war in einem Delirium. Mein Vater war Doktor, aber er wusste nicht, was mit mir los war. Später erfuhr ich, dass ich das „Adagio“ aus Bruckners siebter Sinfonie gehört hatte. Das war der Anfang meiner Beziehung zu ihm. Meine Götter waren natürlich auch Beethoven, Mozart, die Wiener Klassiker, Haydn, Bach. Später, in Deutschland, Schubert, Schumann, Brahms, Wagner. Aber Bruckner ist mein Komponist, ich fühle seine Musik sehr gut. Seine Werke waren immer so natürlich für mich, leicht zu lernen, ich hab ihn sofort verstanden. Warum, kann ich nicht erklären. Mit anderen Komponisten geht es nicht immer so leicht, da muss ich lernen. Aber Bruckner ist ein spezieller Komponist für mich.

OÖN: Das hört man hier in Linz gerne. Sie stehen seit 76 Jahren auf der Bühne, als 11-Jähriger haben Sie als Pianist begonnen …

Skrowaczewski: Während des Krieges wurde meine Hand zertrümmert. Ich brauche das Klavier zum Studieren, aber ich kann nicht mehr spielen.

OÖN: Können Sie in Worten erklären, was Musik Ihnen persönlich bedeutet?

Skrowaczewski: Das ist mein Leben. Meine Mutter war Pianistin. Wenn sie zuhause spielte, bin ich schon als Baby unter dem Flügel gesessen. Das war wunderbar. Wenn Sie unter einem Klavier sitzen, klingt es wie eine Orgel, mit großem Nachklang. Warum ich dort saß? Ich weiß es nicht, ich wollte es einfach.

(LIVA-Chef Wolfgang Winkler kommt.)

Winkler: Gehen Sie dann ins Hotel?

Skrowaczewski: Ja, ich habe viel zu tun. Ich muss die neuen Stimmen korrigieren.

Info: Heute, Stiftsbasilika, 19.30 Uhr, Karten: 732/ 77 52 30 (Shuttlebus vom Brucknerhaus, Eingang Ost, 18.30 Uhr!)

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