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Kultur

Eine Wolfsjagd mit Papierfliegern und getanzter Zauber für Klein und Groß

Von Karin Schütze   07. Januar 2013 00:04 Uhr

Eine Wolfsjagd mit Papierfliegern und getanzter Zauber für Klein und Groß
„Peter“ Jonatan Salgado Romero und Erzähler Joachim Rathke

„Peter und der Wolf“ bezaubert als Ballett ab fünf Jahren in den Linzer Kammerspielen

Noch einmal Kind sein dürfen. Dieser Wunsch erfüllt sich derzeit an den Linzer Kammerspielen: Mit „Peter und der Wolf“ in der Choreografie von Darrel Toulon verzaubert, vier Jahre nach „Die Spielzeugschachtel“, wieder ein Ballett, nicht nur Kinder ab fünf Jahren.

Der Ballettchef der Grazer Oper hat seine flotte, spritzige Choreografie in eine Rahmenhandlung gebettet: Eine Riesen-Torte für Peter, das Geburtstagskind, lässt jedem der geladenen Freunde das Wasser im Mund zusammenlaufen. Jeder will alles, für sich allein.

Bis dem ungestümen Treiben auf der Bühne plötzlich eine Stimme Einhalt gebietet: „Halt, was soll denn das?!“, springt Joachim Rathke im Publikum auf und eilt auf die Bühne. Anstatt sich wie wilde Tiere zu gebärden, könne man doch auch ein Märchen spielen… Die Rollen werden verteilt, das Geburtstagskind von allen mit einem Ständchen bedacht, und schon kann’s losgehen mit „Peter und der, äh…“ – die jungen Zuseher eilen dem Erzähler (und köstlich mürrischem Großvater) zu Hilfe, wie noch oft an diesem Abend.

Prokofjews Märchen bearbeitet

Der Kunstgriff für diese Rahmenhandlung: Sergej Prokofjews musikalisches Märchen, vom Welser Komponisten Helmut Schmidinger geschickt für Erzähler und Kammerensemble bearbeitet, wird ergänzt durch Sätze aus Prokofjews Klaviersonate Nr. 7, eine der „Kriegssonaten“, in ihrer Wildheit passend zum Wolf – für die der musikalischer Leiter Daniel Linton-France selbst in die Tasten greift, wie Sätze aus der von ihm arrangierten ersten Symphonie.

Ausstatter Jürgen Kirner hat für sein klares Bühnenbild einen Märchenwald aus Grashalmen geschaffen, eine Spielwiese samt Halm-Rutsche für das vor Energie sprühende Ensemble. Fünf Mitglieder des Balletts erfüllen besonders diesmal eine doppelte Mission, sind herzerfrischend schauspielernde Tänzer voll Sprungkraft und Anmut, wie tanzende Schauspieler, gekonnt in Mimik und Köpersprache. Jonatan Salgado Romero versprüht als Peter jugendlichen Übermut und, gerade weil ihm die Knie schlottern, Heldenmut im Kampf mit dem Wolf. Den gibt Sakher Almonem wahrlich zum Fürchten, als geschmeidiges Kraftbündel mit scharfen Krallen verleibt er sich die Ente ein: Anna Sterbová, eher anmutig schöner Schwan, wird diesmal auch zur Trapezakrobatin der Lüfte. Ihr Tod unterbricht das heitere Treiben jäh: Der schmerzliche Verlust wird gebührend betrauert und beweint, ohne aber die Leichtigkeit der Inszenierung zu zerstören. Tröstlich ist der augenzwinkernd gewährte Blick ins Jenseits, wo die Ente mit Engelsflügeln bestückt am Himmelsteich ihre Runden dreht. Ein quicklebendiger, flattriger Vogel ist Clara Pascual Martí, die ihrer Rolle etwas luftig Leichtes verleiht. Alexander Novikov ist ein schmeichlerischer, stolzer Kater, in dem die Torte die genussvolle Naschkatze weckt.

Auch das Publikum spielt mit

Langweile kommt in der flotten, augenzwinkernden Inszenierung von Darrel Toulon keine Sekunde auf. Immer ist Leben, Bewegung und jede Menge Slapstick auf der Bühne. Dass und wie auch das Publikum Teil der Aufführung wird, trägt mit zu ihrem Gelingen bei: Fünf junge, freiwillige Jäger sind rasch gefunden, die – eine kluge, pfiffige Idee – den Wolf mit Papierflieger-Pfeilen unblutig „erlegen“.

Was soll nun mit ihm geschehen?! Das Volk, pardon, Publikum, darf wählen, zwischen Pöstlingberg-Zoo oder der Freiheit. Erzähler Rathke bringt es auf den Punkt: „Wir sind alle froh, dass wir in einer Demokratie leben“, auch wenn sie sich gern des Alternativ-Radikalismus bedient…

Eines jedoch ist schade: dass die mitreißend, hinter dem Bühnenbild verborgen spielenden Musiker des Bruckner Orchesters sich erst zum Schlussapplaus zeigen dürfen. Wohl um das junge Publikum nicht mit Eindrücken zu überfrachten. Dennoch: Es wäre schön gewesen, auch sie gelegentlich ins Blickfeld zu holen.

Spürbare Begeisterung! P.S.: Ein Dank für das liebevolle „Programmheft“ mit dem Spiel „Peter, ärgere dich nicht“.

„Peter und der Wolf“: Ballett ab 5 Jahren von Darrel Toulon, Musik von Sergej Prokofjew, Premiere am 5. 1., Kammerspiele,

OÖN Bewertung:

Termine: 13., 20. 1., 15 Uhr, 16. 18. 1., 11 Uhr, 19.1., 17 Uhr, Karten: 0800 218 000

 

 

„Peter und der Wolf“

Sergej Prokofjews musikalisches Märchen (Musik und Text) wurde 1936 in Moskau uraufgeführt. Hauptfigur ist Peter, der bei seinem Großvater lebt. Jeder Figur ist ein Instrument zugeordnet : Vogel – Querflöte, Ente – Oboe, Katze – Klarinette, Großvater – Fagott Wolf – drei Hörner (diesmal Klavier), Peter – Violine, Jäger – Pauken.

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