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Kultur

Ein tänzerisch brillanter Abend

Von Michael Wruss   05. Mai 2011 00:04 Uhr

Ballett: „Hommage an Jerome Robbins“ mit den Stücken „Glass Pieces“ (Philip Glass), „In the Night“ (Frédéric Chopin) und „The Concert“ (Frédéric Chopin), Wiener Staatsoper, Premiere: 3.5.

OÖN Bewertung:

Am Dienstag feierte das Wiener Staatsballett in der Staatsoper einen blendenden Erfolg mit drei kurzen Balletten von Jerome Robbins, die unterschiedlicher gar nicht sein könnten, aber gerade deswegen die Vielfalt dieses bei uns viel zu wenig bekannten Choreographen demonstrierten.

Zu Beginn war mit „Glass Pieces“ eine späte Choreographie aus 1983 zu erleben, in der sich Robbins mit der Musik Philipp Glass’ auseinandersetzte und die ewig gleichen musikalischen Bewegungen in ebenso gleichförmige Bewegungsmuster der Tänzer auflöste. Und das vor einem kargen Hintergrund, der an ein kariertes Blatt Papier erinnert. Dadurch wird die Bewegung messbar, und die Akribie der Musik in ebenso sich notorisch wiederholende Gesten übertragen. Speziell der zweite Teil faszinierte, wo im Hintergrund Schatten in immer gleicher Bewegung von der einen Seite zur anderen schritten und Raum gaben für das Solistenpaar Olga Esina und Roman Lazik. Die großartige tänzerische Umsetzung wurde allerdings nicht ganz so brillant vom Orchester unter Koen Kessels unterstützt, wie es möglich sein könnte. In Sachen Glass macht man uns in Linz nichts vor…

Dann genau das Gegenteil. Mit „In the Night“ stellte man eines der berühmten „Piano Balletts“ vor, bei denen nicht nur die Musik vom Klavier aus erklingt, sondern der Pianist in das Geschehen eingebunden wird. Drei Chopin’sche Nocturnes baten drei Paaren Gelegenheit, ihre spannungsvolle Beziehung zu zeigen und trafen im vierten Nocturne, dem berühmten Es-Dur Stück aus op. 9, aufeinander. Leise sparsame Klänge zu einer ebenso elegant konzentrierten Choreographie, die Natalie Kusch und Andrey Teterin, Olga Esina und Roman Lazik sowie Irina Tsymbal und Vladimir Shishov beeindruckend realisierten. Leider war der Flügel klanglich nicht ideal und Henri Barda spielte zu sehr für das Ballett und brach für einen leidenschaftlichen Chopin zu wenig aus dem strengen rhythmischen Korsett aus.

Die nicht optimale Stimmung des Klaviers trübte auch ein wenig die Freude am letzten Teil des Abends. „The Concert“ (1956) karikiert die Situation eines Konzertes, das Verhalten des Publikums, das fast lächerliche Zeremoniell einer solchen Veranstaltung. Nicht nur die Choreographie ist lustvoll komisch, auch die Umsetzung schlicht perfekt. Großes Lob dem gesamten Corps und den drei Hauptsolisten Irina Tsymbal (Ballerina), Eno Peci (Ehemann) und Franziska Wallner-Hollinek (Ehefrau).

Viel Applaus für einen tänzerisch brillanten Abend, der musikalisch mehr Feingefühl verdient hätte.

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