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Kultur

Disney-Chef: „Der Zeichentrickfilm ist große Kunst“

Von Von Ludwig Heinrich aus London   10. Dezember 2009 00:04 Uhr

„Küss den Frosch“ markiert die Rückkehr des traditionsreichen Hauses Disney zur klassischen handgezeichneten Animation. Die OÖN sprachen mit John Lasseter, dem großen Boss der Disney-Animationsabteilung.

OÖN: Sie haben vor einiger Zeit gesagt, Sie könnten es kaum erwarten, den fertigen Film „Küss den Frosch“ zu sehen. Warum?

Lasseter: Weil das ein ganz außergewöhnliches Projekt ist. Nicht nur, dass es die Rückkehr zum Zeichentrickfilm ist. Wir erzählen die Geschichte auch etwas anders als erwartet. Hier küsst zwar das Mädchen noch immer den Frosch, allerdings fällt das Ergebnis ein klein wenig anders aus als erwartet…

OÖN: Disney – das war ja ein Lebenstraum des Herrn Lasseter. Der verlief zunächst aber ohne besagte Liebenswürdigkeit und Menschlichkeit?

Lasseter: Als Student, einer meiner Klassenkameraden war übrigens Tim Burton, bekam ich das Buch „The Art Of Animation“ von Bob Thomas in die Hände. Es handelte davon, wie der Film „Sleeping Beauty“ entstand. Ich war verblüfft, denn vorher hatte ich mir nie vorstellen können, dass Menschen mit Zeichentrickfilmen ihren Lebensunterhalt verdienen konnten. Dann sah ich eines Tages „The Sword And The Stone“, und als mich meine Mutter vom Kino abholte, erklärte ich: „Ich will in den Disney Studios arbeiten!“

OÖN: Was Sie ja, ab 1975, schafften. Aber …

Lasseter: Ich stieß auf knöcherne Strukturen. Wenn ich etwas Neues vorschlug, hieß es gleich: „Wir wollen deine Ideen nicht hören. Mach das, was man dir anschafft. Es gibt genug Junge, die gern deinen Platz einnehmen würden!“ Es wurde noch schlimmer. Als ich anregte, mit Computertechnik künstlerisch zu arbeiten, erhielt ich die Antwort: „Computer verwenden wir nur, wenn alles billiger wird und schneller geht.“ Fünf Minuten später klingelte das Telefon und mir wurde gesagt: „Deine Tätigkeit für das Haus Disney ist hiemit beendet.“ Ich stürzte in schwerste Depressionen.

OÖN: Haben Sie je geglaubt, dass Disney die Zeichentrick-Produktion ganz aufgeben würde?

Lasseter: Es gab hausintern, wie ich erfuhr, diesbezügliche Überlegungen. Nämlich, als wir bei Pixar die „Toy Story“ mit unserer Technik herausbrachten. Da kam der klassische Zeichentrickfilm plötzlich in den Geruch, er würde Unglück bringen. Handgezeichnetes, glaubte man, wäre automatisch „bad story telling“. Umso überraschter werden alle gewesen sein, als just wir von Pixar nach der Vereinigung mit Disney die Devise ausgaben, der gute, alte Zeichentrickfilm müsse unbedingt weiter gepflegt werden. Denn das ist Kunst. Große Kunst.

OÖN: Gibt es ein Erfolgsgeheimnis?

Lasseter: Nicht die Technik macht es aus, sondern „great storytelling“. Geschichten, die Jung und Alt begeistern können.

OÖN: Jetzt geht es bei Pixar mit „Toy Story 3“ weiter. In Österreich laufen die beiden ersten Teile, nun in 3-D, am 27. Mai an. Am 29. Juli kommt dann der neue Film, abermals in 3-D. Glauben Sie an die Renaissance dieses Systems?

Lasseter: Mich hat es gewundert, dass 3-D erst nach 60 Jahren Pause wieder in die Kinos zurückkehrte. Ich bin ein Fan, habe mein Leben lang 3-D-Kameras gesammelt und sogar meine Hochzeitsbilder in 3-D machen lassen.

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