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Kultur

Die wahren Kunstretter waren die listigen Ausseer

Von Ludwig Heinrich aus Berlin   18. Februar 2014 00:04 Uhr

Restaurateurin Helene Dubois restauriert den Genter Altar

"Bombensicher": Werner Bootes Doku über die Rettung von Nazi-Raubkunst (Servus TV, Donnerstag, 21.15 Uhr)

Eben hat Österreichs erfolgreicher Dokumentarfilmer in Berlin, für "Population Boom", beim GreenMe-Festival den Hauptpreis erhalten, und nun macht der Wiener dem Berlinale-Starter George Clooney Konkurrenz. Just am 20. Februar, wenn dessen neuestes Opus "Monuments Men" in den österreichischen Kinos anläuft, schickt Boote in ServusTV am Donnerstag, 21.15 Uhr und mehreren anderen internationalen TV-Stationen die "wahre Geschichte" unter dem Titel "Bombensicher" ("Bombs Away") ins Rennen.

In "Monuments Men" erleben die Zuschauer die Rettung der von den Nazis geraubten Kunstschätze durch die Alliierten in Altaussee, allerdings, wie Boote meint, "hollywood-like". Da war es "höchste Zeit, zu erzählen, was damals wirklich geschehen ist". Im Auftrag des Produzenten Rudolf Klingohr machte er sich auf in die Steiermark. Denn das ist, so Boote, "eine ungemein brisante Geschichte.

Im dortigen Salzbergwerk befand sich der größte Kunstschatz, den man sich vorstellen kann. Hitler wollte die geraubten Werke später in seinem geplanten Museum in Linz ausstellen. So ließ er sie, das wusste zu jener Zeit niemand, in Altaussee vor den Bomben in Sicherheit bringen. Als sich abzeichnete, dass der Krieg verloren war, befahl er seinem Gauleiter Eigruber, alles zu vernichten."

Im Zuge der Recherchen vor Ort fielen Werner Boote nicht nur diverse bisher unveröffentlichte Dokumente in die Hände, er trieb auch einen Zeitzeugen auf: "Eigruber hatte, nach Hitlers Befehl, acht Fliegerbomben in Kisten mit der Aufschrift ‚Vorsicht Marmor! Nicht stürzen!‘ ins Bergwerk bringen lassen. Als die Amis kamen, behaupteten Widerständler, die sich als Freunde der Alliierten zu erkennen gaben, sie hätten die Kunstschätze gerettet. In den siebziger Jahren ergaben sich neue Erkenntnisse, doch die Ausseer haben beharrlich geschwiegen."

Als Wien bereits gefallen war, ergab sich ein Tohuwabohu an Interessen: "Die Bergleute erfuhren trotz aller Geheimhaltung von den Bomben, bei einem von ihnen habe ich die entsprechenden Unterlagen gefunden. Die Salinenangestellten wollten nicht, dass der Berg mit den Kunstwerken in die Luft gesprengt werden sollte. Der Gauleiter aber war darauf versessen. Altaussee war damals eine Alpenfestung, zahlreiche hochrangige Nazis hatten sich mit Geld und Familie dorthin zurückgezogen." Auch Gestapo-Chef Kaltenbrunner befand sich mit seiner Geliebten dort.

Ihn spannten die Ausseer gegen Gauleiter Eigruber ein: "Das wurde dann eine richtige ‚Räubersgeschichte‘. Kaltenbrunner wurde versprochen, ihm bei der Flucht zu helfen. Schon, als bereits – vom 3. auf den 4. Mai – ein Sprengkommando aus Innsbruck erwartet wurde, führte Kaltenbrunner zwei lange nächtliche Telefongespräche mit Eigruber, die in heftige Streitgespräche ausarteten. Kaltenbrunner gab den Bergleuten sein Okay, obwohl der Gauleiter allen, die die Sprengung verhindern wollten, mit standrechtlichen Erschießungen gedroht hatte. Am 4. Mai schließlich, zwischen ein und vier Uhr morgens, wurden die Bomben aus dem Berg geschafft. Zwei Tage später verhalf der Bruder eines der Bergleute Kaltenbrunner zur Flucht. Aber es hat dann wohl einen Hinweis an die Alliierten gegeben, der SS-Chef wurde hops genommen." Nicht die "Monuments Men", sagt Werner Boote, waren demnach die großen Retter der Kunstschätze, sondern "die Altausseer haben, mit welchen Methoden auch immer, alle ausgetrickst."

„Universum History“

Auch die Reihe „Universum History“ widmet sich in einer Folge den Monuments Men, jener Truppe Aliierter, die sich auf die Suche nach von den Nazis geraubten und gut versteckten Kunstschätzen begaben, um die Werke vor ihrer Zerstörung zu retten.

TV-Tipp: „Die Jagd nach dem Nazischatz – Die wahre Geschichte der Monuments Men“, Freitag, ORF 2, 22.40 Uhr

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