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Kultur

Die Schreckenswelt des Hieronymus Bosch

13. August 2016 00:04 Uhr

Die Schreckenswelt des Hieronymus Bosch
Das Weltgerichtstriptychon, bestehend aus dem Paradies – dem Jüngsten Gericht – der Hölle, ist in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste in Wien ausgestellt.

Auch 500 Jahre nach seinem Tod haben die Werke des niederländischen Renaissancemalers nichts an Faszination und Rätselhaftigkeit eingebüßt.

Am 9. August 1516 läuten die Trauerglocken der Kathedrale im niederländischen Den Bosch: Ein Meister ist tot. Seine Bilder faszinieren bis heute Millionen. Doch wer war Hieronymus Bosch?

Kritisch, aber freundlich schaut Hieronymus Bosch auf seine Stadt, den Pinsel in der rechten, die Palette in der linken Hand. Auf dem Kopf eine Kappe, um die Schultern ein langes Cape. Mitten auf dem Alten Markt hat ’s-Hertogenbosch dem Maler ein Denkmal gesetzt. Vor 500 Jahren starb der Meister in der südniederländischen Provinzstadt.

Die farbigen Visionen des Malers von Himmel und Hölle üben bis heute eine große Anziehungskraft auf Millionen Menschen aus. Die bisher größte Ausstellung – noch bis 11. September im Prado in Madrid zu sehen – erweist sich als ein Magnet für Touristen aus aller Welt. Zuvor hatten bereits in ’s-Hertogenbosch mehr als 400.000 die große Jubiläumsausstellung gesehen. Um dem Ansturm gerecht zu werden, hatte das Museum in den letzten Wochen sogar nachts seine Türen geöffnet.

Maler ohne Porträt

Mit den schmalen Gassen, den mittelalterlichen Häuschen und der ehrwürdigen Kathedrale ist Den Bosch, wie die Niederländer sagen, eine malerische Kleinstadt. Kaum vorstellbar, dass Hieronymus Bosch hier seine wundersame Schreckenswelt schuf: hämische Teufel, furchterregende Uhus, ein Trichter auf zwei Beinen, Menschen mit Fischköpfen. Immer wieder stehen Touristen auf dem Marktplatz vor der großen Skulptur des Malers. Doch hat er tatsächlich so ausgesehen? Unwahrscheinlich. Es gibt keine gesicherten Porträts. Auch über seine Person ist kaum etwas bekannt.

Um 1450 wurde Hieronymus als Sohn der angesehenen Maler-Familie van Aken geboren. Jeroen, wie er in den Niederlanden genannt wird, war ein begabter Junge und besuchte die Lateinschule.

Durch seine Heirat mit der wohlhabenden Aleid van de Meervenne 1480 stieg er in höhere Kreise der Stadt auf und wurde sogar in die illustre Liebfrauen-Bruderschaft aufgenommen. Die sogenannte Schwanenbruderschaft besaß in der Kathedrale eine eigene Kapelle, für die Hieronymus wohl auch ein Altarbild gemalt hat. Sein Ruhm reichte über die Stadtgrenzen hinaus – bis an den spanischen Hof.

Am 9. August 1516 wurde er begraben, geht aus den Archiven der Sint-Jans-Kathedrale hervor. Doch wo sein Grab ist, woran er starb, ob er Kinder hatte – das alles ist unbekannt. Um Jeroen Bosch kennenzulernen, muss man weit zurückgehen in die Zeit an der Schwelle vom Mittelalter zur Renaissance. Das wagte der Rotterdamer Zeichner Marcel Ruijters. Zum Jubiläumsjahr und im Auftrag der Veranstalter verarbeitete er die Lebensgeschichte Boschs in einer Graphic Novel, die jetzt auf Deutsch erschienen ist. Ruijters ist spezialisiert auf mittelalterliche Themen und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Schlaksig, blonde lange Haare, eine lange spitze Nase – so stellt Ruijters ihn dar. Seine groben Zeichnungen stehen in einem schrillen Kontrast zu den prachtvollen, fein gemalten Gemälden von Bosch. Es ist halt ein Comic.

Doch gerade durch diese Form wird die Lebenswelt drastisch lebendig: korrupte Priester, furchterregende Leprakranke, ausgemergelte Krüppel, gierige Alte, dicke Reiche. – Ja, so muss die Stadt ausgesehen haben, in der Bosch seine Inspiration fand.

Beeindruckt vom Feuer

Bilder von wilden Tieren wurden damals auf dem Marktplatz zur Schau gestellt. Hieronymus erlebte den Bau der Kathedrale, auf deren Dach bis heute steinerne Monster und Engel sitzen. Oder das Feuer von 1463: Es verwüstete große Teile der Stadt. Auch wenn das Elternhaus von Hieronymus Bosch verschont wurde, das Feuer muss ihn – damals etwa 13 Jahre alt – stark beeindruckt haben. Auf zahlreichen Bildern malte er später Stadtbrände, apokalyptische Feuer. Alle Bilder malte Bosch in seiner Heimatstadt. 45 gibt es heute noch, sie sind im Besitz von 18 Sammlungen in zehn Ländern – kein einziges in seiner Heimatstadt. Er selbst aber hat diese wohl nie verlassen.

Ausstellungen in Wien

Das Weltgerichtstriptychon ist das einzige Werk von Hieronymus Bosch in Österreich. Aufgrund seines schlechten Zustandes konnte es nicht bei den großen Ausstellungen in Madrid und ‘s-Hertogenbosch gezeigt werden. Anlässlich seines 500. Todestages würdigt die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste in Wien den Maler mit zwei Ausstellungen:

Hieronymus Bosch 500: Drohnen im Paradies – Eine alltägliche Apokalypse: Dem Jüngsten Gericht von Bosch wird eine Arbeit des zeitgenössischen Künstlers Ivica Capan gegenübergestellt. (Ausstellungsdauer: noch bis 2. Oktober)

Natur auf Abwegen? Mischwesen, Gnome und Monster (nicht nur) bei Hieronymus Bosch: Boschs Weltgericht und seine merkwürdigen Kreaturen stehen im Mittelpunkt dieser Ausstellung. (Ausstellungsdauer: 4. November 2016 bis 29. Jänner 2017)

Nähere Infos: www.akademiegalerie.at

 

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