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Der letzte Schnapper der Wadlbeißer

Von Nora Bruckmüller   29.Juni 2018

Der letzte Schnapper der Wadlbeißer
Sieben Blechbläser auf einen Streich (v. l.): Peter "Peda" Fliecher, Johannes "Hötz" Hötzinger, Matthias "Hias" Gfrerer, Johannes "Hansi" Hartl, Raphael "Raff" Trautwein, Stefan "Buia" Spieler und Martin "Madsch" Burgstaller

Es wird ihr letzter Auftritt sein. Am 29. Juni beenden die "Innviertler Wadlbeißer" ihre Abschiedstour beim Woodstock der Blasmusik (mehr re.). Nicht, weil sich das Musikmachen für die Gruppe nach 20 Jahren falsch anfühlt, sondern es richtig anfühlt, es sein zu lassen. Prioritäten, auch private, haben sich verschoben.

"In den vergangenen Jahren haben wir nicht mehr viel miteinander gespielt. Vier, fünf Mal im Jahr. Es ist keine Vollbremsung von hundert auf null und kein überraschender Einschnitt", sagt Trompeter Johannes Hötzinger, 40, der die Shows der Band moderiert, "für den Bledsinn zuständig ist". Das Ende wird so sein, wie die Wadlbeißer und ihre Volksmusik selbst sind: unaufgeregt, bodenständig, mit Herz, Hirn, Hand und Fuß (mehr rechts). Wie immer werden ihre Wurzeln zu spüren sein, Volksmusik, nicht vom Blatt, sondern auswendig gespielt. "Mein Vater hat mit mir, noch vor meiner ersten Trompeten-Stunde, bei uns auf der Terrasse in Mehrnbach Weisen gespielt, das gleich auswendig", sagt Hötzinger.

Bei der Musi fing’s an

Auch wie die Wadlbeißer zusammengekommen sind, ist eine typisch oberösterreichische Geschichte. Weil sich die Besetzung – in der es nur einen Wechsel gegeben hat – zuerst bei der "Musi" in Mehrnbach und Mettmach, später über das Studium an der Bruckneruni Linz gefunden hat – und über den Musikunterricht. Die Tubaspieler Martin Holzmann (bis 2003 dabei, Anm.) und Martin Burgstaller sowie Hötzinger besuchten das BORG in Ried im Innkreis. In der 7. Klasse formten sie eine Wahlpflichtfach-Combo, um eine Vernissage im Rieder "KiK" zu begleiten.

"Ich weiß noch, wie uns unser Musiklehrer Franz Strasser, ein großer Motivator und wichtiger Mensch in unserem Musikerleben, angekündigt hat: ,Und jetzt: die Innviertler Wadlbeißer!‘ Ich glaube, der Name ist ihm spontan eingefallen, irgendwie ham ma uns den dahoidn", sagt Hötzinger, längst in Wien Musiklehrer.

"Dahoidn" haben sich die Wadlbeißer aber noch mehr: den Stil klarer Entscheidungen. Die Band sollte nie zum Hauptjob werden, sondern Spaß sein, nie ein Druckauslöser. Ebenso entschied man sich bewusst dafür, bei der Volksmusik zu bleiben, und dagegen, sich dem Hype um "populär" spielende Brass-Gruppen zu unterwerfen, der in ihrer Anfangszeit herrschte. Trotzdem gab es viel zu diskutieren. "Man führt schon eine Beziehung. Mit Höhen, Tiefen, Streitpunkten, die man irgendwie ausreden muss. Manche bleiben lange unter einem Deckmantel, irgendwann brechen sie dann auf. Wir haben es aber immer wieder geschafft, uns zusammenzuraufen, sind einander wertschätzend begegnet", sagt Hötzinger. Verschiedene Charaktere seien natürlich immer ein Thema. "Aber für die Individualität der Gruppe war es ein Plus. Denn wenn du immer dieselben Leute hast, bekommst du auch immer nur dieselben Ideen."

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23. Oktober 2019