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Kultur

„Black Brown White“-Regisseur: „Trucker sind einsame Cowboys“

Von Von Ludwig Heinrich   08. Juli 2010 00:04 Uhr

„Trucker sind einsame Cowboys“
Wotan Wilke Möhring, Regisseur Erwin Wagenhofer, Theo, Fritz Karl, Clare-Hope Ashley (v.l.)

Nach seinen international erfolgreichen Dokumentationen „We Feed The World“ und „Let’s Make Money“ hat Erwin Wagenhofer seinen ersten Spielfilm geschaffen. „Black Brown White“ (Kinostart: Frühling 2011) präsentiert den Oberösterreicher Fritz Karl in der Hauptrolle.

Auf einem Firmengelände in Brunn am Gebirge standen, nach 43 Drehtagen, die letzten zwei Einstellungen auf dem Programm. Auslöser für das Projekt war die Doku „We Feed The World“. „Damals, im Mai 2004“, sagt Wagenhofer, „war ich mit einem österreichischen Truck unterwegs von Motril in Südspanien nach Wien. Geladen waren 24 Tonnen Tomaten. Eigner und Truckfahrer zugleich war Peter aus Mattersburg, ein intelligenter Zeitgenosse, Anfang 40, mit lustiger Kurzhaarfrisur und obligatem Schnauzbart. Sein ganzer Stolz war der neue Scania-Truck, den er sich schwarz lackieren ließ und auf dem oberhalb der Frontscheibe, in weißer Schrift, zwei Worte zu lesen waren: Don Pedro. Diesen ‚Ehrentitel’ hatten ihm die Spanier als Zeichen der Hochachtung gegeben, denn er weiß sich auf der Straße zu behaupten. Eben wie ein Don.“

Wagenhofer hat aber nicht das Leben des Don Pedro verfilmt, er hat sich nur den Charakter „geborgt“. Für eine Story, die man als Love Story bezeichnen könnte: „Auf seinem Weg lernt Don Pedro die junge Afrikanerin Jackie (Clare-Hope Ashley) und deren kleinen Sohn Theo kennen. Diese Begegnung verändert sein Leben für immer.“

Mit der Idee zu „Black Brown White“ („Der Titel ergab sich aus den Hautfarben der drei Hauptakteure“) beschäftigte sich Erwin Wagenhofer schon vor sechs Jahren, vor „Let’s Make Money“: „Dann kam die Krise, die alle schon gespürt haben. Am besten die, die sie auslösten. Also machte ich den Geld-Film. Erst danach beschäftigte ich mich wieder mit dem Spielfilm. Wobei mich vor allem Grenzen und Ausgrenzung interessierten – und deren Überwindung. Und ein Trucker als Held? Nun: Trucker sind einsame Cowboys, nur haben sie Pferde gegen Pferdestärken getauscht.“

Fritz Karl als Don Pedro war erste Wahl: „Wir sind einander vor einem Jahr erstmals begegnet, und nachdem er das Buch gelesen hatte, begannen wir mit der Erarbeitung des Films.“

Karl: „Eine ungewöhnliche Methode. Doch ich kam dann nicht am ersten Drehtag hin und sagte mir: Aha, dort sitzt der Regisseur, und jetzt schau ich, was er will. Bei uns war alles klar, die Recherchearbeit war getan.“

Für die Rolle musste Karl den Truck-Führerschein machen: „Don Pedro lebt ja im Truck, hat dauernd die 620 PS unterm Arsch. Hätte ich das Fahren nicht überzeugend beherrscht, hätten sie sich spätestens nach einer Woche einen anderen Schauspieler suchen müssen.“ Wagenhofer lobt: „Er fährt extrem gut. Es gab übrigens keinen der 43 Drehtage ohne ihn. In die Rolle ist er derart hineingeschlüpft, dass er jetzt so ausschaut.“ Er zeigt auf „Don Fritz“, der beim Drehstart 87 Kilo hatte. Jetzt wiegt er 78.

„Eine solche Aufgabe“, sagt Karl, „passiert einem als Schauspieler ganz selten.“ Herausschlüpfen aus der Rolle muss er nun aber ganz schnell: „Schon morgen habe ich Kostümproben in München, für meinen nächsten Film.“

Erwin Wagenhofer indessen kann sich eine weitere Doku vorstellen, die an die beiden vorherigen anschließt: „Es wird darin um Essen, Trinken und noch was gehen. Das Dritte spreche ich lieber nicht aus, sonst steht’s gleich so in der Zeitung.“

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