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Kultur

Bach, unaufgeregt plätschernd

Von Michael Wruss   12. Dezember 2018 00:04 Uhr

Bach, unaufgeregt plätschernd
Concentus Musicus unter Stefan Gottfried

Das letzte Große Abonnement im alten Jahr stand am Montag im Zeichen von Bachs Marienmusiken aufgeführt vom Concentus Musicus Wien und dem Arnold Schoenberg Chor.

Ein Programm, das nicht ganz dem Geschmack des Abonnementpublikums entsprochen haben dürfte, blieben doch viele Plätze frei und auch der Applaus war dementsprechend bescheiden.

Das lag aber nicht nur am Publikum, sondern gewissermaßen auch an der Aufführung selbst. Man wählte neben dem Bach’schen "Weihnachtshit" schlechthin, dem Magnificat in der späteren D-Dur-Version, im ersten Teil die Kantate mit der deutschen Übertragung dieses biblischen Textes "Meine Seel erhebt den Herren" BWV 10 als auch die Kantate Nr. 147 "Herz und Mund und Tat und Leben" mit der wohl bekanntesten Choralbearbeitung.

Beide Kantaten sind für das Fest Mariä Heimsuchung geschrieben – die eine für den 2. Juli 1723, die andere für das Jahr darauf und stehen somit wie das Magnificat in seiner ursprünglichen Es-Dur-Fassung in unmittelbarem Zusammenhang mit Bachs erstem Dienstjahr als Thomaskantor in Leipzig. An diesem Abend blieb allerdings der Reiz dieser Werke ziemlich im Verborgenen.

Man musizierte unter Stefan Gottfried fein, überließ aber die Musik viel zu sehr ihrer Selbstgefälligkeit, sodass manche Passagen bloß dahinzuplätschern schienen, und keine wirkliche Kontur bekamen. Das lag möglicherweise auch an der uneinheitlichen Continuo-Gruppe, die sich vor allem im Magnificat nicht immer auf ein gemeinsames Tempo einigen konnte.

Nicht in einem Tempo

Überhaupt war das Tempo ein offenes Thema, denn nicht einmal hat Stefan Gottfried zu zügig begonnen und wurde von den sonst fein agierenden Solisten – Emöke Baráth und Catriona Morison (Sopran), Marie-Claude Chappuis (Alt), Werner Güra (Tenor) und Kreimir Straanac (Bass) – auf eine machbare Geschwindigkeit heruntergebremst.

Das zeugt nicht gerade von einer durchdachten, das ganze Werk durchziehen sollenden Tempoauffassung, die obendrein von einer nur wenig austarierten Dynamik überlagert wurde. Der Arnold Schoenberg Chor unter der Leitung von Erwin Ortner war präsent wie immer, musste sich aber auch den Bedingungen anpassen und konnte es hie und da nicht verhindern, dass Chor und Orchester nicht immer ganz synchron liefen.

Fazit: Ein Abend, der vom Programm her viel versprochen hätte, was aber nur bedingt eingelöst wurde und das Publikum nicht wirklich überzeugt hat.

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