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Kultur

Ausstellung „Blumen für Kim Il Sung“: Nationale Form, sozialistischer Inhalt

Von Von Peter Grubmüller   20. Mai 2010 00:04 Uhr

Nationale Form, sozialistischer Inhalt
Nirgends auf der Welt sind Straßenkehrerinnen so gut drauf wie in Nordkorea - »Frühmorgens« von Ri Tong Gon.

Das Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien zeigt seit gestern (bis 5. September) unter dem Titel „Blumen für Kim Il Sung“ Gemälde, Plakate und Architektur aus der Verführungskunst der nordkoreanischen Machthaber.

Aus der nordkoreanischen Kunst schreit die Verordnung. Es sind konzentriert fröhliche Menschen, die um den Oberbefehlshaber der Streitkräfte herumstehen, -sitzen oder ihn begleiten. Jeder sieht rund und gesund aus, die Arbeiter, die kurz innehalten, um sich im Morgengrauen vor ihrem Traktor eine Zigarette anzuzünden, sind guter Dinge, sogar die Frühschicht der Straßenkehrerinnen ist auf dem Weg zur Arbeit gut drauf.

In Nordkorea muss man wissbegierig, zur Arbeit bereit und dabei bestens gelaunt sein. Es sind Bauern zu sehen, die ihre Feldarbeit für einen Augenblick unterbrechen, um ein Propagandafoto ihres Sohnes in Soldatenuniform zu bestaunen – und glückliche Kinder, unermüdlich dabei, die Utopie des idealen Staates Wirklichkeit werden zu lassen.

Der Staatsapparat will es so, er befiehlt den Spaß. Nur das junge Mädchen auf dem Gemälde „Jogori/traditionelles koreanisches Hemd“) weint. Es hat eine Wunde auf dem rechten Arm und ist möglicherweise betrübt, weil es nicht arbeiten kann.

Die Ausstellung mit rund 100 Ölbildern, Tuschmalereien, Aquarellen und 30 Plakaten illustriert die ideologische Funktion der Kunst in einem totalitären System. Es war ein jahrelanges Hin und Her, die Werke nach Wien zu bekommen, aber MAK-Direktor Peter Noever hat nicht lockergelassen, „weil Kunst die einzige gesellschaftliche Kraft ist, die es vermag, Grenzen zu überwinden“. Auch eine Kunst, die national in der Form und sozialistisch im Inhalt ist? „Natürlich ist das Ganze Ideologie“, sagt Noever, „aber in Österreich hat man die Ideologie noch ideologisiert.“ Das österreichische Finanzministerium habe etwa der Ausstellung die Staatshaftung verweigert. „Soweit ich mich erinnern kann, ist das noch nie passiert. Diese Verhaltensweise ist unverständlich und ärgerlich, es wird sich wohl um ein Missverständnis gehandelt haben. Ohne Staatshaftung könnte die Albertina keine einzige Ausstellung machen“, sagt Noever. Es sei dennoch kein Problem gewesen, in letzter Minute eine Versicherung abzuschließen, aber „merkwürdig war es schon“.

Das Misstrauen auf nordkoreanischer Seite gegenüber der Ausstellung hielt sich obendrein. Dort weiß man, wofür in den vom Staat bezahlten Ateliers gemalt und gezeichnet wird. Erst vor wenigen Tagen habe Noever der nordkoreanische Botschafter nochmals jene Frage gestellt, die er im Zusammenhang mit der Ausstellung immer wieder gehört habe: „Warum?“

Die Ausstellung ist nicht imstande, eine künstlerische Antwort darauf zu geben, aber Bildtitel wie „Der oberste Befehlshaber Kim Jong Il besorgt nun die Ernährung der Soldaten“ oder „Dank dem General begann gestern in der Hanture-Ebene eine neue Zeit“, beantworten alles andere.

Werke, auf denen der Präsident (der 1994 verstorbene Kim Il Sung oder sein Sohn Kim Jong Il) zu sehen ist, sind nur abgesperrt und von Sicherheitskräften bewacht zu betrachten. Noever: „Das war eine Vorgabe Nordkoreas, obendrein sind wir ja ein Museum und kein Autohändler, wo man alles angreifen kann.“

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