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Kultur

Aus Kopfgeburten wurde Musik

Von Michael Wruss   09. April 2018 00:04 Uhr

Aus Kopfgeburten wurde Musik
Premiere mit Markus Poschner

Bruckneruni: "Anhörung" mit dem Bruckner Orchester und Markus Poschner.

Ein Laboratorium der "Klänge des Jetzt" war die "Anhörung" am Samstag an der Bruckner-Uni. Die Idee: jungen Komponisten ermöglichen, ihre Werke durch ein professionelles Orchester zum Klingen zu bringen. Markus Poschner empfand dieses Experiment "als äußerst reizvoll, wenn die hoch komplizierten Kopfgeburten lebendige Musik werden."

Eine, die nicht nur das Publikum überzeugen soll, sondern zunächst Dirigent und Bruckner Orchester. Das ist gar nicht so einfach. Denn die vier von den Musikuniversitäten Wien, Graz und Linz ausgewählten Kompositionen konnten unterschiedlicher nicht sein und stellten auch das Orchester vor ungewohnte Herausforderungen. Galt es doch in "Bioluminiscence for Orchestra" der in Linz studierenden Kristine Tjøgersen nicht bloß grafische Notation zu entschlüsseln, sondern mit Lichteffekten und Zeitgebern zu operieren. Auch in "Skrik" von Hristina Susak ist eine ganz eigene Klangwelt zu erleben, die sich – dem norwegischen Titel folgend – an Malerei orientiert und Edvard Munchs "Schrei" in beinahe klaustrophobische Klänge verwandelte. Für Markus Poschner "zwei dichte und spannende Partituren, die ein hochprofessionelles Handwerk und eine ganz persönliche Handschrift erkennen lassen".

Ungemein präzise hat der chinesische und in Graz Studierende Komponist Shiqi Geng seine zerbrechlichen Klänge in "Veränderungen des schwankenden Schimmers" inszeniert und eine Klangflächenkomposition geschaffen, in der kleine unter der Oberfläche schwirrende Elemente pulsieren und so sensibel die Klanggruppen in einen Dialog versetzen.

Wiederholung erwünscht

Für Marius Binder war dieser Tag sicherlich ein eminenter Lernprozess, denn sein ansprechendes Werk "Die Luftfabrik" war für ein Blattlesen zu unklar notiert, was die Probe erschwerte. Doch hier war Markus Poschner Profi genug, um die Situation zu retten. Ein großes Lob für das Bruckner Orchester, das in dieser kurzen Zeit das Beste aus den Stücken herausgeholt hat. Eine gelungene Premiere für ein Format, das zur regelmäßigen Einrichtung werden sollte.

Kleiner Wermutstropfen – der Saal hätte eigentlich voll mit jungen Komponisten und ihren Lehrern sein müssen, denn das war eine Lektion, wie man sie im stillen Kämmerlein kaum erfahren kann.

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