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Auch Österreich wird zum begeisterten Song-Contest-Land

Von Julia Evers aus Düsseldorf   13.Mai 2011

Nadine Beiler in Düsseldorf

„Dieser eine Moment. Wenn der ganze Saal aufgeheizt ist, die Euphorie in der Luft liegt und das Licht ausgeht, bevor es endlich losgeht und der Song Contest startet.“ Wegen dieser zwei Minuten widmet Markus Tritremmel auch einen Großteil seines restlichen Jahres dem Wettsingen. Er ist Präsident der OGAE Austria, des österreichischen Song-Contest-Fanclubs mit 150 Mitgliedern. Nicht nur die Liebe zur Musik verbinde die Fans, sondern auch die Freude am Reisen. „Wir wissen ja nie, wer den Song Contest gewinnen wird, also wo wir nächstes Jahr hinfahren werden“, sagt Tritremmel: „Wenn Aserbaidschan gewinnt, dann lernen wir eben dieses Land kennen.“

„Altvaterische“ Dramaturgie

Zwar sind solch enthusiastische Fans noch immer in der Minderzahl, „für österreichische Verhältnisse waren wir aber heuer schon sehr euphorisch“, sagt Edgar Böhm, Unterhaltungschef des ORF. Und das bei einem Showformat, dessen Dramaturgie „altvaterisch“ funktioniere. „Es ist eine Aneinanderreihung von unbekannten Titeln. Und obwohl das erste Halbfinale sogar ohne österreichische Beteiligung abgelaufen ist, hatten wir auf diesem Sendeplatz doppelt so viele Zuseher wie normalerweise.“ Auch die Vorauswahl mit Ö3 und eigener Fernsehshow war für den ORF ein großer Erfolg. Das ruft nach Wiederholung, ganz klar. „Österreich wird nächstes Jahr wieder jemanden in den Wettbewerb schicken, das Kapitel Song Contest geht weiter“, sagt Böhm. Sollte ein heimischer Künstler aber wieder einmal den Sieg ersingen, wäre das durchaus nicht nur Anlass zur Freude.

Immerhin wird kolportiert, dass die ARD 12 Millionen Euro in die Ausrichtung des Wettbewerbs investieren muss. „Es gibt keine größere Fernsehshow auf der Welt – es sind mehr als 40 Länder beteiligt, sie wird auf einen Gesamtkontinent übertragen, und es beteiligen sich hunderte Millionen Zuschauer. Österreich könnte dieses Mega-Event nicht in diesem Ausmaß schaffen, aber wir würden selbstverständlich alles daransetzen, um gute Gastgeber zu sein“, sagt Böhm.

Außerdem: „Man macht bei einem Wettbewerb nicht mit, um zu sagen, hoffentlich gewinnen wir nicht. Es wäre eine Sensa-tion und würde uns alle in einen Ausnahmezustand versetzen.“

Ganze Jahr entgegenfiebern

Diesem Ausnahmezustand fiebern die Mitglieder des Fanclubs das ganze Jahr entgegen, zum Beispiel mit Fachsimpeleien und Song-Contest-Wettbewerben. Welche Form die Brosche von Vicky Leandros bei ihrem Auftritt 1972 hatte, ist nur eine der Fragen, mit der sich die Mitglieder gegenseitig in Eurovisions-Laune halten. Dass die Antwort „Die einer Kirsche“ lautet, weiß Markus Tritremmel.

Und auch wenn die Österreicher heuer schon eifriger beim Geschehen auf der Song-Contest-Bühne mitgefiebert haben, sei das im Vergleich zu anderen Ländern noch immer verschwindend wenig, sagt Tritremmel: „Ein türkischer Taxifahrer wusste nichts vom Song Contest, wusste nicht, wer für die Türkei antritt, und wusste nicht, wann. Er hat uns dennoch um die Nummer gebeten, damit er für sein Land anrufen kann, das war für ihn selbstverständlich.“

 

 

Song-Contest 2011 in Zahlen

0 Punkte: Der Albtraum eines jeden Teilnehmers.

3 Minuten darf jeder Beitrag maximal dauern.

12 Punkte: Auf die Höchstwertung hofft jedes Land.

16 ist die Startnummer von Titel-
verteidigerin Lena beim Finale
am 14. Mai.

20 Jahre jung ist Österreichs Hoffnung Nadine Beiler.

25 Teilnehmer kämpfen im Finale um den Sieg.

43 Nationen treten dieses Jahr insgesamt an, inklusive Halbfinals.

550 Freiwillige, sogenannte Volunteers, betreuen unter anderem die Delegationen der teilnehmenden
Nationen.

2.500 Journalisten berichten aus Düsseldorf über den Song Contest.

36.000 Live-Zuschauer werden bei der Finalshow in der Düsseldorfer Arena sein.


12,100.000 Euro investiert die ARD in den heurigen Song Contest.


120,000.000 Fernsehzuschauer werden bei der Liveübertragung des Finales am 14. Mai prognostiziert.

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13. November 2019